Christians Kolumne

 

Es kann nur Zehn geben

Als DJ, der in den letzten Jahren öfter in Dortmunder Clubs aufgelegt hat, wurde ich kürzlich von einem WAZ-Redakteur gefragt, ob ich mich an einer Serie für den Dortmunder Lokalteil beteiligen möchte. Es geht um Favoriten des kulturellen Lebens in Dortmund und in dieser speziellen Ausgabe um Lieblingsplatten. Zehn DJs und ihre jeweilige Top10. Kein Thema, dachte ich.

Von wegen. All meine Lieblingsplatten aufschreiben – ok. Aber nur zehn? DIE zehn? Und was alles zu beachten ist. Breites musikalisches Spektrum, musikhistorisches Verständnis, autobiografischer Bezug, ein eigenständiger Geschmack fernab des Mainstreams – all das sollte so eine Top10 ja beinhalten, mindestens.

Es ging los: Der alte Springsteen, der alte Dylan, der alte Dylan mit Strom, der alte Morrissey mit Anhang, die Ramones, The Clash und die Beatles sowieso. Mindestens ein Album aus meiner musiksozialisatorischen Frühphase in der Grundschule. Mindestens ein Album aus der nicht nur musiksozialisatorischen Pubertät. Mindestens eins aus der Emo-Phase. Hardcore, Posthardcore, Postrock. Mindestens ein elektronisches Album. Mindestens eine Hiphop-Platte. Oder doch eine deutsche und eine us-amerikanische? Oder gleich eine von der Ost- und eine von der Westküste?

Schnell wurde klar, dass mein bisheriges Vorgehen nicht zielführend war. Also schrieb ich einfach drauf los. Doch dann kamen die nächsten Probleme: Kann ich Nevermind auf die Liste setzen? Kann ich The Shape Of Punk To Come nicht auf die Liste setzen? Muss ich mich nicht für Weezers Pinkerton, statt für das blaue Album entscheiden, wenn ich von den Kollegen von VISIONS noch ernst genommen werden will? Pünktlich zur Deadline brachte der Postbote auch noch Pet Sounds von den Beach Boys. Soll ja auch ganz gut sein…

Die Lösung hab ich letztendlich in meinem CD-Regal gefunden. Da war sie die ganze Zeit, in Form von zehn durchgenudelten Alben, die mich zu ganz unterschiedlichen Phasen ganz unterschiedlich prägten. Klar wäre In Utero die coolere Wahl als Nevermind, klar würde Pinkerton kredibler rüberkommen als das blaue Album, klar hätte es keines der zehn Alben ohne St. Peppers Lonely Hearts Club Band gegeben. Aber was hat das mit mir zu tun? Eben.

Hier also meine zehn liebsten Alben – ohne Coolnessfaktor und Rockgeschichtsstunde:

 

01. Death Cab For Cutie – Transatlanticism

02. Brand New – The Devil And God Are Raging Inside Me

03. Foo Fighters – The Colour And The Shape

04. Nirvana – Nevermind

05. Weezer – Weezer (Blue Album)

06. Turbonegro – Apocalypse Dudes

07. Wu-Tang Clan – Enter The Wu-Tang – 36 Chambers

08. Randy – You Can’t Keep A Good Band Down

09. Sublime – 40 Oz. To Freedom

10. Die Kassierer – Männer, Bomben, Satelliten

 

Und wer jetzt aufschreit von wegen: „Ja genau, Die Kassierer unter den Top10, das macht der doch nur des Witzes wegen“, dem sei gesagt: Männer, Bomben, Satelliten ist das einzige mir bekannte Album, das sich nicht tothören lässt. Versucht es selbst. Übrigens ist dieses Meisterwerk auch das einzige meiner Top10, das ich auf Vinyl besitze. Soviel zum Coolnessfaktor.