Der Eisenmythos

Vor ein paar Wochen habe ich hier ein paar Zeilen zum Vitamin B12 – Problem geschrieben. In diesem Artikel habe ich kurz geschildert, dass die Vitamin B12 Versorgung für vegan lebende Menschen tatsächlich ein Problem ist, das aber lösbar ist. Allerdings gibt es einen Mythos, der sich immer noch recht hartnäckig hält, wenn es um die Versorgung von lebenswichtigen Nährstoffen von vegan oder vegetarisch lebenden Menschen geht. Richtig, die Rede ist von der Eisenversorgung.

Vor rund zwei Wochen habe ich einen Artikel in der Süddeutschen gelesen, dessen Überschrift „Vegetarier müssen keinen Eisenmangel fürchten“ bereits eine positive Tendenz andeutete. Nach dem Lesen des Artikels konnte man dann nahezu in Begeisterung ausbrechen. Hatte doch soeben eine der wichtigsten deutschen Tageszeitungen mit dem Mythos „Eisenmangel“ aufgeräumt.

Schon der erste Satz der Einleitung stellt klar, dass Vegetarier in Industrieländer seltener unter Eisenmangel leiden als gemeinhin angenommen. Dies wird dann anschließend noch weiter konkretisiert:

„In Industrienationen leiden Vegetarier jedoch nicht häufiger an einer Eisenmangelanämie als Fleischesser. Lediglich ihre körpereigenen Eisenspeicher sind weniger gut gefüllt. „Allerdings liegen die Eisenspeicherwerte von Vegetariern immer noch im Normbereich und stellen nur ein Risiko etwa bei großem Blutverlust oder erhöhtem Bedarf, wie in der Schwangerschaft, dar“, sagt Cem Ekmekcioglu, Ernährungsmediziner an der Universität Wien.“

Das ist schon mal eine schöne und wichtige Kernaussage des Artikels. Zudem führt die Autorin des Artikels, Kathrin Burger, noch einmal auf, wofür der menschliche Körper Eisen benötigt (Energiegewinnung, Sauerstoffstransport, Entgiftungsreaktionen), wie die Symptome eines Eisenmangels (z.B. Abgeschlagenheit) aussehen und wie der menschliche Körper Eisen aufnimmt. Zudem gibt es noch ein paar Tipps zu eisenhaltigen pflanzlichen Lebensmittel, wie man das dort enthaltene Eisen besser verwerten kann (der kleine Vitamin C – Trick) und welche Nahrungsmittel die Eisenverwertung behindern. Hier wird auch noch einmal darauf hingewiesen, dass auch Milchprodukte die Eisenaufnahme hemmen.

Trotz allem ist die ausreichende Versorgung mit Eisen ein globales Problem, da fast ein Drittel der Wellbevölkerung davon betroffen ist (Angaben der WHO). Somit ist der Eisenmangel der häufigste Nährstoffmangel überhaupt. Besonders prekär ist die Lage in den Entwicklungsländern. Jedoch hat sich herausgestellt, dass die Eisenzugabe in Form von Eisentabletten bzw. die generelle Eisenzugabe zu völlig kontraproduktiven Ergebnissen geführt hat. Eisen ist halt nicht nur lebenswichtig, es kann auch toxisch werden. Daher ist auch in Industrienationen die Eisenzugabe umstritten. Verbraucherschützer warnen sogar vor einer Eisenüberversorgung. Das Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) empfiehlt sogar, auf den Zusatz von Eisen in Lebensmitteln zu verzichten.

Dieser Artikel hat somit hoffentlich dazu beigetragen ein klein wenig den Eisenmythos aus den Köpfen vieler Menschen zu verbannen. Eine vegane oder vegetarische Lebensweise muss nicht zwingend zu einem Eisenmangel führen. Allerdings sollte man sich jetzt nicht zurücklehnen, nach dem Motto „Ach, ist doch alles in Ordnung“, und die Füße hochlegen. Eine vegane oder vegetarische Lebensweise funktioniert nur bei einer ausgewogenen, vielfältigen veganen bzw. vegetarischen Ernährung unter Berücksichtigung pflanzlicher Eisenlieferanten.

Den kompletten Artikel „Vegetarier müssen keinen Eisenmangel fürchten“ der Süddeutschen findet man hier.