H2O – live in der Zeche Carl

H20, Death By Stereo, Cruel Hand, First Blood, Get It Done! – 07.08.2012, Essen, Zeche Carl

H2O in der Zeche CarlRund zwei Monate sind seit dem letzten H20 Konzert im Kölner Underground vergangen. Eine quälend lange Zeit. Schließlich zählen H20 zu meinen Lieblingsbands. Daher kam das Konzert in der Zeche Carl in Essen gerade recht. Bis vor ein paar Jahren war ich hier noch ein häufiger Gast. Doch in der letzten Zeit fanden keine Bands mehr den Weg in die ehrwürdigen Hallen der Zeche Carl, die ich mir gerne live anschauen mag. H20 haben jedoch gleich vier weitere großartige Bands für diesen Abend eingeladen. Get It Done!, First Blood, Cruel Hand und Death By Stereo fanden neben H2O den Weg in die Zeche Carl an diesem Dienstagabend. Was blieb mir daher anderes übrig? Auf nach Essen.

Als erste Band des Abends betraten Get It Done! die Bühne. Hardcore aus der Nachbarschaft, denn Get It Done! kommen wie ich auch aus dem wunderschönen Ruhrpott. Erfrischend schneller punkiger Hardcore schallt während des Auftritts aus den Boxen, der ein wenig die alten Zeiten wieder aufleben lässt. Hier werden Erinnerungen an diverse DC-Bands und andere Bands der 80er wach. Nicht umsonst gehörten ein Dag Nasty und ein Black Flag Cover zum Set. Endlich mal kein dumpfes Macho-Gemosche. Leider konnten die meisten Zuschauer damit nicht viel anfangen und weilten während des Auftritts noch im Biergarten. Ich fand die fünf sympathischen Jungs aber super, zumal die fünf ihr musikalisches Handwerk durchaus verstehen. Get It Done! – ein kleiner Geheimtipp meinerseits.

Anschließend stehen mit First Blood und Cruel Hand eben zwei Vertreter des Mosh-Hardcores auf der Bühne. Ich persönlich mag beide Bands, da mich insbesondere die Livepower beider Bands immer wieder mitreißt. Hier drücke ich auch gerne ein Auge zu, wenn eine Band wie First Blood nicht den höchsten musikalischen Ansprüchen genügt. Dafür sind die Texte – oft werden Politik und Veganismus thematisiert – der fünf Kalifornier durchaus lesenswert bzw. hörenswert. Cruel Hand hingegen können auch musikalisch überzeugen. Grade die beiden letzten Songs Life in Shambles und Begin Descension zeigen dies recht deutlich. Wuchtige und präzise Riffs, die nichts zu wünschen übrig lassen. Aber leider kann sich eine Band ihre Fans nicht aussuchen. Jeder Song wurde von „Kickbox-Deppen“ – oder wie man das auch immer nennen mag – im Moshpit begleitet, die keine Rücksicht auf alle anderen nehmen. Es gibt immer wieder Idioten, die nicht verstehen wollen, dass eine Hardcoreshow nicht der Ort ist, um mit Tritten oder Schlägen andere zu gefährden. Schon mal drüber nachgedacht was hier passieren kann? Oder verdrängen Dummheit und Egoismus die Rücksicht auf diejenigen, die sich einfach nur die Bands ansehen wollen? Trauriger Schlussakkord war dann eine beinah-Schlägerei am Ende des Sets von Cruel Hand. Man, geht nach Hause und hängt euch einen Sandsack auf, den ihr bearbeiten könnt. Es nervt und ist völlig verantwortungslos. You lose!

Zum Glück mussten dann die erwähnten Kickbox-Herren den Pit verlassen, denn nun standen Death By Stereo auf der Bühne. Die Jungs aus Orange County bedienen sicherlich ein anderes Klientel als die beiden vorherigen Bands. Gemosche? Fehlanzeige. Vielmehr bekennt man sich zu den Wurzeln von Punkrock und Hardcore. Melodien und Metalelemente. in Kombination mit den durchaus guten musikalischen Fähigkeiten der Bandmitglieder, geben allen Songs zudem einen hohen Wiedererkennungswert. Insbesondere das Gitarrenspiel von Dan Palmer ist durchaus eine Augenweide (was nicht am Schnurbart von Mister Palmer liegt). Das Slayer-Cover am Ende des Sets hat mich durchaus überzeugt. Ganz nebenbei hat es auch Spaß gemacht der Band zuzuschauen, da die Jungs eine gute Show mit viel Witz und Ironie geboten haben. Auf der Bühne herrschte stets eine Menge Bewegung. Leider aber nicht vor der Bühne. Für Sänger Efrem Schultz ein Grund selbst Teil der Menge zu werden. Er rannte samt Mikro durch die Menge, sang mit den Leuten – zumindest versuchte er das – und animierte so das Publikum auf recht sympathischer Art und Weise sich ein wenig zu bewegen. Toller Auftritt. Death By Stereo sind live ein Garant für einen schönen Punkrockabend. Lediglich das Bad Religion Cover „Modern Man“ führte doch zu ein wenig Schmerz in meinen Ohren.

Die folgende übertrieben lange Umbaupause sorgte dann jedoch für ein wenig schlechte Laune. Lange Wartezeiten ist man von H20 eigentlich nicht gewohnt. Nach einer gefühlten Ewigkeit stehen H20 dann endlich auf der Bühne und schon nach den ersten Akkorden von 1995 ist die gute Laune wieder da. Wie immer werden H20 allen Ansprüchen gerecht. Eine durchweg positive Stimmung begleitet das komplette Set, das wie gewohnt fast die gesamte Schaffensphase der Band aus New York beinhaltet. Nothing To Prove, Family Tree, Fairweather Friend, Thicker Than Water und natürlich zum Abschluss What Happened. Alte wie neue Hits, was will man mehr. Die Menge feiert, singt mit und vereinzelt findet auch ein Stagediver den Weg auf die Bühne und wieder in die Menge. Lediglich einen Circlepit sucht man lange Zeit vergeblich. Erst als Toby Morse von der Bühne springt und die Leute zum Mitmachen animiert, finden sich auch ein paar Leute, die gemeinsam mit Toby Morse wild im Kreis rennen. Und der Unitygedanke war auch zu Gast. Bei Guilty By Association übernimmt Chris Linkovich von Cruel Hand zeitweise das Mikro und feiert mit den ersten Reihen des Publikums. Das Sick Of It All Cover Friends like you rundet einen gelungenen aber wie immer viel zu kurzen Auftritt ab.