Yuppicide, live im MTC

Yuppicide, Last Hope, 13.09.2012, MTC, Köln

Yuppicide Tourflyer 2012Ich konnte es kaum glauben. Aber da stand es schwarz auf weiß. Yuppicide waren im Studio und haben eine neue 6-Song EP aufgenommen. Und nicht nur das. Die neuen Songs sollten nun auch im Rahmen einer kleinen Europatour der treuen Fangemeinde präsentiert werden. Man, nach drei Hammeralben in den Neunzigern gab es kaum ein Lebenszeichen der Band. Dann 2010 eine Reuniontour quasi aus dem Nichts. Das Konzert im Bochumer Zwischenfall war immerhin ein Jahreshighlight. Und nun endlich auch neues Material. Nicht groß nachdenken, Tickets holen, den nächsten Tag frei nehmen und auf nach Köln ins MTC. Denn dieses Ereignis konnten wir uns auf gar keinen Fall entgehen lassen. Und wir sollten nicht entäuscht werden.

Als Support standen Last Hope aus Bulgarien um kurz nach halb neun auf der Bühne. Man, die Band existiert nun schon seit fast 20 Jahren. Trotzdem war mir die Band noch völlig unbekannt. Die fünf Jungs aus Sofia legten dann einen sympathischen und durchaus überzeugenden Auftritt hin, der einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Wieso habe ich diese Combo vorher noch nie gesehen oder gehört? Hier wurde solider Old School Hardcore geboten. Dazu eine Menge Spaß, gute Laune und viel Leidenschaft, was man der Band auch deutlich ansehen konnte. Der Spaß ging auch nicht verloren, als kurzfristig der Bass in die Knie ging. Naja, dann spielt man halt einen Song ohne Bass, Geht auch.

Nach kurzer Umbaupause, das Drumset von Last Hope blieb fast in Gänze stehen, standen auch schon Yuppicide auf der Bühne. Ohne viel Tralala verwandelten die vier Jungs aus New York mit dem Opener Fist Full Of Credit Cards das MTC sofort in einen Hexenkessel. Es war eng, es war schweißtreibend, es war einfach eine mitreißende Show. Jesse Jones – zu Beginn des Auftritts mit schwarzer Maske, dann mit gestreifter Stoffmaske (oder war das ein Socken???), dann ohne Maske – war natürlich mit seiner exzentrischen, theatralischen und künstlerischen Performance der Fixpunkt auf der Bühne. Dazu der schwer treibende Beat der Rhythmusmaschine, die heavy Gitarre, der einzigartige Gesang und die durchweg sarkastischen und kritischen Texte. All das macht Yuppicide zu einer außergewöhnlichen Band und jedes Konzert zu einem wahren Erlebnis. So auch an diesem Abend,

Die vier Jungs spielten zudem alle sechs Songs der neuen EP American Oblivion. Puh, jeder Song ein neuer Hammer. Die doch recht lange kreative Schaffensphase ist den Songs nicht anzumerken, Im Gegenteil. Die Songs reihen sich nahtlos zwischen den alten Klassikern ein. Neben den neuen Songs lag der Focus vorrangig auf den ersten Demos der Band und der Fear Love Scheibe. Doch Follow Your Leader (bei diesem Song läuft mir immer noch ein Schauer über den Rücken) und Meat Packer ließen auch die anderen beiden Alben nicht vergessen.

Fast während des gesamten Auftritts wurde fröhlich gepogt, getanzt, mitgesungen und die zahlreichen Stagediver nach hinten geschoben. Lediglich in die ersten zehn Minuten war das Publikum etwas träge. Doch Sänger Jesse hatte den passenden Vorschlag „More dancing, less smoking“. Danach gab es bis zum Ende kein Halten mehr.

Nach siebzig Minuten war dann leider auch schon wieder alles vorbei. Verschwitzt und erschöpft traten wir den Heimweg an. Ah, natürlich wurde vorher am Merchstand noch fix die neue EP im farbigen Vinyl für einen fairen Zehner eingepackt. Die Platte dreht sich seitdem jeden Tag auf meinem Plattenteller. Was soll ich sagen? Holt euch diese Scheibe.

Einziger Wermutstropfen an diesem Abend war eine Beinahschlägerei in den ersten Reihen. Leider gibt es immer wieder ein paar Deppen, die nicht verstehen, dass ein Hardcore- / Punkrockkonzert ein friedliches Happening für alle Anwesenden sein sollte. Zum Glück konnte Sänger Jesse Jones die Sache recht schnell wieder beruhigen. Die Drohung eines Konzertabbruchs von Bassist Joe Keefe unterstützte das Bemühen von Jesse Jones zudem recht eindrucksvoll. Hoffentlich denkt der eine oder andere mal ein paar Minuten über diesen Vorfall nach. Könnte hilfreich sein.