reinhören: idle class – the drama’s done

Wir schreiben die Jahre der frühen Neunziger. Punkrock und Melodycore klopfen Hand in Hand an meine Türe. Lange Zeit sind insbesondere Bands amerikanischer Labels treue Weggefährten. Doch irgendwann war die Luft raus. Viele neue Bands konnten nicht mehr überraschen, Idle Class -The Drama's Done Frontcovernicht mehr mitreißen. Die Produktionen wirkten zu glatt, der raue Sound der Anfangstage wich immer mehr einer poppigen Seite und große Langweile machte sich auf meinem Plattenteller breit. Doch das ist Geschichte. Jetzt, hier in der Gegenwart, kommen fünf Jungs aus Münster daher, nehmen ihr Punkrockherz in beide Hände und hauen mir zehn Punkrockperlen um die Ohren, die alles mitbringen was ein melodisches Punkrockalbum braucht.

Nach der nicht minder beeindruckenden Stumbling Home EP veröffentlichen Idle Class auf dem schwedischen Label Blackstar Foundation ihr erstes Full Length Album The Drama’s Done. Um es vorweg zu nehmen, diese Debütalbum überzeugt von der ersten bis zur letzten Sekunde. Man kann diese Scheibe endlos laufen lassen und wird trotzdem nicht an den Punkt kommen, der sagt: „Aufhören! Es reicht!“ Im Gegenteil, man ist geneigt die Repeattaste nicht mehr loszulassen. Schon der Opener The Essence Of Every Night legt alles auf den Tisch was einen mitreißenden Punkrocksong ausmacht. Die ersten Zeilen werden mit rauer Stimme rausgeschrieen, die Instrumente noch dezent im Hintergrund, der erste Boundshout und dann wird das Gaspedal durchgetreten. Der passende Break, um dass Tempo rauszunehmen. Kurze Atempause und wieder ab noch vorne. Verpackt in schöne Melodien schaukelt sich der Song hoch und trudelt im Bandchor gemächlich seinem Ende entgegen. Die übrigen Songs folgen diesem Schema. Doch keine Panik, man bewegt sich fernab von eintöniger Langweile. Idle Class haben ein gutes Gespür für mitreißende Melodien und grandiose Momente, die jeden Song einzigartig machen. Die Songs wechseln zwischen ruppig und melodisch, ja teilweise hymnisch. Sind mal flott und treibend, mal wird das Tempo rausgenommen. Gesang und Instrumente harmonieren zudem perfekt miteinander. Doch diese Harmonie gestattet auch Freiräume. Steht der Gesang im Vordergrund, zieht er sich kurz darauf dezent zurück und gibt den Instrumenten Raum für Spielereien. Der Gesang ist dabei ein Wechselbad der Gefühle. Hier rau und wütend, dort klar und melodiös. Der ständige Wechselgesang, die eingängigen Refrains und Bandshouts geben jeden Song das gewisse Etwas. Das gewisse Etwas, das neugierig macht, das zum Hinhören und Mitsingen zwingt, das einfach Spaß macht. So werden die Songs interessant und bleiben nachhaltig im Ohr kleben.

Die Texte stehen dem in nichts nach. Meint man zunächst hier stehen Trink- und andere belanglose Geschichten im Vordergrund wird man schnell eines Besseren belehrt. Denn genau diese alltäglichen Geschichten, mit denen wir uns alle rumschlagen müssen, erzählen von guten Vorsätzen, die man wieder verwirft, von dem Gefühl nicht zu wissen wo man hingehört, vom Scheitern, von Zerrissenheit, von Fehlschlägen. Klingt melodramatisch und deprimierend. Doch weit gefehlt. Man setzt sich mit diesen Problemen auseinander, sucht nach Lösungen und Auswegen, ist optimistisch, schaut nach vorne.

Die liebevolle Artworkgestaltung weiß ebenso zu gefallen. Insbesondere die Vinylversion als Gatefold im weißen Vinyl ist ein echter Augenschmaus und wird das Herz eines jeden Vinylliebhabers strahlen lassen.

Idle Class - The Dramas Done Gatefold Vinyl

The Drama’s Done ist zweifelsohne ein ganzheitliches Werk voller Leidenschaft und Herzblut. Ein packendes, frisches, eindringliches und energiegeladenes Debütalbum einer jungen Band mit einer hoffentlich strahlenden Zukunft. Ein Zukunft, die schreit: „Uns kann keiner stoppen!“

Idle Class – The Drama’s Done

Label: Blackstar Foundation
VÖ: 31. Mai 2013

Tracklist
1. The Essence of every fight
2. Chances are for poets
3. Home? Prove it!
4. Han shot first
5. Pass on the bottle
6. Defiant kids
7. Last night I got drunk with Mark Twain
8. Bridges Blues
9. Angus one
10. Sometimes you eat the bear

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