reinhören: boysetsfire – while a nation sleeps…

Die Suche nach… Eine etwas andere Plattenreview. Vor gut zwanzig Jahren bin ich BOYSETSFIRE zum ersten Mal begegnet. Ob Wut oder Verzweiflung, mit offenen Herzen lauschte ich lange Zeit ihren Worten. Doch plötzlich ging etwas verloren. Es fehlte nicht an ehrlichen Worten.Boysetsfire - While A Nation Sleeps Frontcover Doch die mitreißende Art und Weise diese zu transportieren hatte sich geändert. Ein wichtiger Baustein, das Fundament war nicht mehr vorhanden. So verloren wir uns aus den Augen. Dingen ändern sich. Das wie und wann entscheidet ein jeder für sich selbst. Unsere Ansichten blieben zwar die gleichen. Doch unsere Wege kreuzten sich nur noch selten. In unregelmäßigen Abständen versuchten wir das zerrüttete Verhältnis wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Doch trotz aller Mühen, das Feuer war erloschen. Hier gab es nichts schön zu reden. So läuft das Leben. Akzeptieren und auf die Zukunft hoffen war was blieb.

2013 dann plötzlich ein lauter Wutschrei. Bled Dry ließ mich aufhören. Nur ein paar Minuten. Doch da war es wieder, dieses Gefühl. Nun treffen wir uns nach sieben langen Jahren wieder. While A Nation Sleeps…

Das Album beginnt mit düsteren Klängen. Schlägt um in einen wütenden Hardcore-Part. Doch bevor die Wut in Hass umschlägt, wird diese von einem melodischen Part im Zaum gehalten, nur um wenig später wieder die Oberhand zu gewinnen. Auf der einen Seite entwickelt sich Until Nothing Remains so zu einem schönen Intro für diese Platte. Auf der anderen Seite ist dieser Song neben Heads Will Roll der Baukasten für die übrigen Songs. Brachialer angepisster Hardcore und melodiöser emotionaler Punkrock stehen hier in wundervoller Harmonie nebeneinander.

Closure, Save Yourself und Let It Bleed sind einfach catchige Punkrocksongs, die mit Singalongs und großartigen Refrains zum Mitsingen und Bewegen einladen. Daneben stehen brutale Hasstiraden wie Everything Went Black und Far From Over, die mächtig brettern und jeden Mosh-Pit in ein wüstes Chaos verwandeln. Für die ruhigen, ja schmusigen Momente sorgen Phone Call und Reason To Believe, die einen Hauch von Verzweiflung und Sehnsucht in sich tragen. Never Said hingegen ist ein verträumter melancholischer Punkrocksong, der die ruhige und melodieverliebte Seite von Boysestsfire zeigt. Doch ein fieses Wolves Of Babylon zerreißt diesen Traum und erinnert daran, dass Träume oft nur von kurzer Dauer sind. Ein Grund diese umso stärker festzuhalten. Diese beiden Songs stehen eindrucksvoll für die beiden musikalischen Wesen auf dieser Platte. Ein ruhiges und bedächtiges, aber dennoch wütendes Altar Of God entwickelt sich langsam über einen druckvollen Instrumentalpart zu einem komplexen Stück, das mit vielen kleinen Details noch einmal die vielfältigen Facetten des Albums unterstreicht. Schwermütig schlägt Prey schließlich ein bewegendes Finale eines beeindruckenden Albums ein.

Da ist es wieder. Das Feuer. Es brennt wieder.

Die Lyrics bieten erneut einen enorm großen Interpretationsspielraum. Hier werden keine Dogmen in den Welt geschrien. Im Gegenteil. Die Texte animieren zum Nachdenken und alles und jeden kritisch zu hinterfragen. Neben einer tiefen Abneigung gegen religiöse Auswüchse jeder Art – Fuck your prophets, fuck your holy war, fuck your laws. Fuck what you kill for. (Heads will Roll) – setzen sich die Lyrics mit der politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Realität auseinander. Erneut kompromisslos und aggressiv, ohne ein Blatt vor dem Mund zu nehmen. I’m still fucking angry (Far From Over). Daneben stehen persönliche Geschichten – My mind beckons on to kill the pain. But my heart still bleeds your name (Phone Call) – und der tägliche Kampf mit eben diesen. Dem Gegenüber steht die Hoffnung, dass es sich weiterhin lohnt für das Morgen zu kämpfen – I believe our lives are still worth fighting for (Never Said) – und optimistisch nach vorne zu schauen. Untermauert werden die Texte dabei durch Auszüge aus Charlie Chaplins „Der große Diktator“, die nach über 70 Jahren immer noch traurige Realität sind.

Was bleibt? Oh, kein neues After the Eulogy. Das ist auch gut so. Immer wieder die gleiche Leier braucht kein Mensch. While A Nations Sleeps… ist ein explosives, vielfältiges und zeitgemäßes Album einer ehrlichen Band, das einfach nur gut ist.

BOYSETSFIRE – While A Nations Sleeps…

Label: Endhits Records
VO: 07.06.2013

Tracklist:
01. Until Nothing Remains
02. Closure
03. Heads Will Roll
04. Phone Call
05. Everything Went Black
06. Save Youself
07. Reason To Believe
08. Far From Over
09. Let It Bleed
10. Never Said
11. Wolves Of Babylon
12. Altar Of God
13. Prey

Boysetsfire - Bandphoto

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