Interview mit Robert Ehrenbrand (BOYSETSFIRE)

Vor ein paar Tagen haben BOYSETSFIRE nach sieben langen Jahren ihr neues Album While A Nation Sleeps… via Endhits Records veröffentlicht.Robert Ehrenbrand - Boysetsfire live in Zwiesel #1 Ich hatte die Gelegenheit mit dem in München lebenden Bassisten der Band, Robert Ehrenbrand, ein ausführliches Interview zu führen, um ein wenig mehr über BOYSETSFIRE, die neue Scheibe und, was mir persönlich sehr am Herzen lag, über den Menschen Robert Ehrenbrand zu erfahren. Dabei ist mir, wenn auch nur auf digitalem Wege, ein überaus offener und sympathischer Mensch begegnet. Doch lest selbst was Robert, der sich übrigens seit vielen Jahren rein pflanzlich ernährt, Spannendes zu erzählen hat. Zudem gibt es noch ein paar tolle Fotos von Robert, die Norman von Reportink während des BOYSETSFIRE Konzerts im bayrischen Frauenau geschossen hat.

BOYSETSFIRE gibt es nun schon seit Mitte der Neunziger. Wie und wann bist du als Münchener dazugekommen, Bassist bei BOYSETSFIRE zu werden?

Robert: Ich war Mitte/Ende der Neunziger in einer Hardcoreband aus München namens MY HERO DIED TODAY. Wir haben europaweit getourt und hatten das Glück als Vorgruppe viele Gigs der ersten BOYSETSFIRE-Tour spielen zu dürfen…hier hat sich sehr schnell ein enges Freundschaftsband gebildet zwischen mir und den BOYSETSFIRE-Jungs, welches dann auch nach der Tour nie wieder abgerissen ist. Ich selbst bin dann nach dem Ende von MY HERO DIED TODAY nach Berlin gezogen (wie man das halt so macht als 20-jähriger bayerischer Musiker ohne Ausbildung, hahaha) und habe dort sehr schnell erkennen müssen, dass ich von Luft, Liebe und Musik nur bedingt gut überleben kann…so bin ich (etwas wiederwillig) in einen Job bei SONY MUSIC gestolpert, den ich dann nach ca. 1,5 Jahren aber hingeschmissen habe, einfach weil diese Bürowelt doch sehr wenig das war, was ich mit meinem Leben machen wollte. Achtung, jetzt wird es kitschig, aber ich schwöre, es war genauso:

Als ich gekündigt habe, waren meine Kollegen eher verwundert, denn in Berlin war es schon damals sehr schwer gut bezahlte Jobs in der Musikbranche zu landen…die dachten ich bin verrückt, besonders weil ich ja nicht einfach nur zu einer anderen Plattenfirma gegangen bin, sondern einfach aufgehört habe, weil mich das Büroleben nicht wirklich interessiert hat, hahaha…auf meine Frage was ich denn jetzt vorhabe, kam dann auch nur „äh…Musik machen“ hahaha

Und genau 1 oder höchstens 2 Tage nachdem ich den Job gekündigt hatte, kam ein Anruf von BOYSETSFIRE ob ich nicht Lust hätte für sie Roadie zu machen…unfassbares Timing aber wahr. Gesagt, getan…einige Wochen später saß ich bereits bestens gelaunt im Tourbus und habe die Jungs sowohl in Europa wie auch in USA als Stage-Techniker unterstützt. Dann stieg ziemlich plötzlich nach einer Show auf Rock im Park (oder Roch am Ring…bin mir nicht mehr sicher) Rob Avery aus…er konnte einfach das dauernde Touren nicht mehr ertragen. Und dann wurde ich sofort gefragt ob ich Bass spielen würde…erneut: gesagt, getan und 1 Tag später stand ich bei einem Festival vor 60.000 Menschen…es ging alles SEHR schnell.

Du bist ja auch für eine Weile wieder ausgestiegen und schließlich wieder eingestiegen. Was ist passiert?

Robert: Ich liebe BOYSETSFIRE und der einzige Grund warum ich nach unseren schönen & erfolgreichen Reunion-Konzerten ausgestiegen bin ist, dass ich (anders als der Rest der Band) hier in Deutschland lebe samt Familie & Hund. Es war also logistisch sehr anspruchsvoll, gerade was einzelne Shows in den USA betroffen hat. Ich musste dazu ja immer rüberfliegen etc., was sich als logistischer Alptraum erwiesen hat. Daher musste ich immer wieder Pläne der Band ungewollt behindern oder einschränken, was auf Dauer das Letzte ist was ich tun wollte…es sind ja nicht nur meine Bandkollegen, sondern vor allem meine besten Freunde und hier habe ich also einfach gesagt, dass ich es leid bin Ihnen so oft im Weg zu stehen, wenn es um geplante Bandaktivitäten ging…ich habe die Band also nicht einfach so verlassen, sondern darum gebeten „zurücktreten“ zu dürfen, um nicht permanent meinen besten Freunden ein Klotz am Bein zu sein…sie haben dann unter Protest zugestimmt, hahaha…irgendwie hat das mit dem Nachfolger aber nicht so geklappt und plötzlich kam ein Anruf, ob ich wieder mitmachen wolle…und klar wollte ich das, aber ich war ja nach wie vor in München…ich musste also schweren Herzens ablehnen…das wollten sie aber nicht so hinnehmen und ca. 30 Min später haben mich Nathan und Josh erneut angerufen und mir einen Plan präsentiert, der so „bullet proof“ war, dass ich nicht mehr Nein sagen konnte, hahaha…sie haben Chris Rakus (einen unserer engsten Freunde und langjähriger Techniker der Band) in die Band geholt und er und ich teilen uns nun die Bass-Aufgaben…grob ist es so, dass ich hier in Europa alles mache und er den Rest, aber das ändert sich auch mal…klingt verrückt, ist es ja auch, aber es funktioniert toll! Chris und ich waren auch gemeinsam im Studio und haben die neue Platte zusammen eingespielt…ein echtes Team also. Nur halt nie zusammen auf der Bühne, haha.

Robert Ehrenbrand - Boysetsfire live in Zwiesel #2

Sieben Jahre sind seit der The Misery Index Scheibe vergangen. Was hast Du und auch der Rest der Band seitdem gemacht? Nach der Auflösung im Jahr 2006.

Robert: Wir haben uns alle unterschiedlichen Dingen zugewendet, die durch die intensive Studio- und Tour-Arbeit von BOYSETSFIRE zu kurz gekommen sind…ich selbst hatte 3 feste Ziele: Rückkehr in meine Geburtsstadt München, Boxen lernen und nochmal ein Studium absolvieren…alle 3 Dinge habe ich in der BOYSETSFIRE-Auszeit verwirklicht. Ich habe mich intensiv meiner großen Liebe dem Kampfsport gewidmet und Wirtschaftspsychologie studiert. Und natürlich 2008 auch die Liebe meines Lebens geheiratet, was dann zu 2 großartigen Kindern und einem sehr trotteligen aber süßem Hund geführt hat…

2011 dann die Reunion. Hat es wieder in den Finger gejuckt oder seid Ihr einfach der Meinung gewesen wieder etwas sagen zu müssen.

Robert: Beides. Wir haben definitiv unterschätzt wie sehr wir das Miteinander-Musik machen und auch zusammen abzuhängen vermisst haben…mir wurde in der Auszeit einfach klar, dass ich einfach wie dafür geschaffen bin in BOYSETSFIRE zu spielen…das ist (unpraktischerweise, weil ich ja hier in München lebe) nicht durch eine andere musikalische Betätigung ersetzbar. Ich spiele auch sehr gerne mit anderen Leuten und habe auch andere Projekte, aber die Chemie mit Nathan, Josh und Chad ist einzigartig und nicht ersetzbar in meinem Leben. Mit diesen Jungs zu spielen und auch zu Touren ist einfach perfekt. Aber natürlich war es uns ebenso wichtig das Gefühl zu haben immer noch (oder noch mehr) Feuer für unsere Musik und unsere Text zu verspüren…eine Wiederkehr nur weil wir zusammen spielen wollen ohne das Gefühl zu haben, dass die neuen Songs zu dem besten gehören was wir je gemacht haben, wäre für uns auf Dauer nicht in Frage gekommen. Lahme Reunions ohne neue Inhalte und neue gute Musik gibt es ja bereits genug, da braucht man uns eher nicht auch noch…daher war es schnell klar. Wenn wir es wieder machen, dann richtig und mit vollen Herzen…und das ist zu 100% der Fall.

Nun seid ihr endgültig wieder aus dem „Dornröschenschlaf“ erwacht. Die neue Platte While A Nations Sleeps… steht in den Plattenregalen. Was hat es mit dem Titel auf sich? Bezieht der sich mehr auf Euch oder auf die USA bzw. Staaten allgemein?

Robert: Der Titel kann sich auf unterschiedliche Dinge beziehen…ich selbst sehe einerseits den Kontext, dass Menschen immer wieder trotz oder gerade wegen unwegsamer Rahmenbedingungen und ausbeutenden Strukturen zusammenhalten und gemeinsam positiven Wandel erschaffen…nur auf die USA bezieht es sich somit in meinen Augen nicht, aber durchaus auch…negative Rahmenbedingungen sind oftmals nicht ausreichend positiven Wandel komplett zu unterdrücken, was ich sehr inspirierend finde.

Wer hat die Texte zum neuen Album geschrieben? Ausschließlich Nathan oder alle Mitglieder der Band?

Robert: Weitestgehend Nathan, wobei wir alle Input geben und mithelfen, aber meines Wissens war es vornehmlich Nathan, der eine unglaublich dunkle und intensive Stimmung erzeugt auf dieser Platte…ich hätte nicht gesagt, dass ich das jemals sagen würde, aber diese Platte ist gegebenenfalls noch wütender und verzweifelter und hoffnungsloser als THE MISERY INDEX, hahaha…und die ist ja bereits keine Ausgeburt der Fröhlichkeit…aber WHILE A NATION SLEEPS… ist schon sehr dunkel und intensiv und angepisst.

Hast Du selbst auch einen oder gar mehrere Songs zum neuen Album beigesteuert (unabhängig von den Texten)? Zumindest bei Heads will roll hört man doch sehr ausgefeilte Basslinien raus.

Robert: Klar, ich bin immer am Songwriting beteiligt…diesmal aber (wie gesagt) nicht an den Texten…wir starten meistens mit einem Riff und bauen darauf den Song auf…das ist sehr viel Zusammenarbeit. SAVE YOURSELF z.B. war eine komplette Songidee von mir, die Nathan dann mit dieser super Melodie und dem noch tolleren Text versehen hat. Ich habe mich sehr intensiv auf den Studiotermin vorbereitet und sehr daran gearbeitet, dass dieses Album auch was mein eigenes Instrument (Bass) betrifft ein echter Fortschritt ist für die Band…ich wollte auf keinen Fall einfach machen, was ich halt mache, sondern mich auch als Musiker weiterentwickeln, was mir (so hoffe ich) auch gelungen ist…wir haben ein paar abgefahrene Bass-Sachen auf der Platte, die ich vor wenigen Jahren so noch nicht hätte spielen können…Robert Ehrenbrand - Boysetsfire live in Zwiesel #3

Nathan schreibt ja gerne sehr kritisch über religiöse Themen. Wie stehst Du als Teil der Band dazu?

Robert: Das ist eine sehr interessante Frage, weil (wie Du vielleicht weißt) ich eine sehr spirituelle Person bin…genau wie Josh und auch Reverend Rakus glaube ich an Gott und dies nimmt durchaus auch einen Teil meines Lebens ein z.B. in Form von täglicher Meditation…das hat aber nicht direkten Eingang in unsere Musik (das mache ich dann mit Projekten wie LIFELINE, ein Projekt mit dem Spudmonsters-Sänger Don Foose, das komplett Indien gewidmet war)…Nathan ist in einem sehr religiösen Umfeld aufgewachsen und hat somit zum Teil sehr negative Erfahrungen mit Religion gemacht…ich teile seine Abneigung gegenüber organisierter Religion, allerdings glaube ich halt (anders als er) an Gott…Religion ist mir aber eher weniger wichtig, weil das ja viel mit Hierarchien und starren Strukturen zusammenhängt, was ich ablehne…vielmehr interessiert mit Meditation und ein positives spirituelles Leben und Erleben…BOYSETSFIRE sind hier wie gesagt ein Zusammenschluss von freidenkenden Menschen, die hier durchaus Ihre eigenen Ideen haben…aber natürlich ziehen sich die Gedanken des Sängers hier mehr in die Musik…ich selbst stehe aber durchaus hinter den Texten, denn Dinge und Sachverhalte nicht kritisch zu hinterfragen, nur damit man nicht reflektieren muss halte ich für falsch…und das Ausnutzen oder Instrumentieren von spirituellen Gedanken für Geld, Macht, Sex, etc. ist abscheulich und dagegen singe ich gerne auf jeglicher Bühne der Welt. Prinzipiell halte ich Spiritualität einfach für etwas sehr persönliches…es sollte sich raushalten aus Schulen und wir wollen alle ohne Dogma von außen unseren eigenen Weg finden…dafür stehen wir.

Diskutiert Ihr generell über die politischen und gesellschaftskritischen Themen in Euren Songs? Immerhin läuft ja in Deutschland vieles anders als in Amerika. Von daher habt ihr doch bestimmt unterschiedliche Blickwinkel auf bestimmte Themen (zum Beispiel Krankenversicherung).

Robert: Ja, aber es ist schon so, dass wir mittlerweile auch sehr daran interessiert sind, den Leuten nicht alles vorzukauen, sondern vielmehr Themen oder Themengebiete anzuschneiden, aber genug Raum zu lassen, damit die Hörer sich Ihre eigenen Gedanken machen können…wir wollen inspirieren, aber nicht durch Dogma erschlagen.

Auf dem Album habt Ihr Teile aus Charlie Chaplins „Der große Diktator“ eingebaut, die je recht gut auf die Songtexte passen. Wie seid ihr auf die Idee gekommen? Wohl nicht weil Ihr alle große Chaplin Fans seid, oder?

Robert: Ich finde auch, dass die Rede großartig passt und den Songs einen tollen Rahmen bietet…ich glaube das war Chad’s Idee, bin aber nicht mehr sicher…

Die Aussagen aus Chaplins Rede sind ja, wenn auch schon über 70 Jahre alt, immer noch, zumindest in vielen Teilen, aktuell und beschreiben einige heutige Missstände recht gut: Traurige Wahrheit. Worauf wolltet ihr insbesondere hinweisen?

Robert: Unter anderem genau wie Du sagst…ist doch verrückt, dass Worte die schon so lange her sind immer noch dieselbe Brisanz haben…uns hat das unglaublich erstaunt und wir fanden es einfach passend dem Album diesen verbalen Rahmen zu geben, gerade weil unsere Songs ja traditionsgemäß immer so klingen als sollten sie nicht auf ein und derselben Platte zu finden sein, hahaha…da hat die Rede sehr geholfen alles zusammenzuführen.

Euer neues Album habt Ihr nun auf End Hits Records veröffentlicht. Zumindest für Europa. Das Label gehört einem guten Freund von Euch. Wie kam es dazu? Nur der DIY-Gedanke oder steckt mehr dahinter?

Robert: Das Label ist unser eigenes, wobei Oise (ein weiterer engster Freund und langjähriger Tourmanager) die Hauptarbeit übernommen hat…es ist gegründet worden, um BOYSETSFIRE und anderen verwandten Projekten (wie z.B. I AM HERESY) eine Heimat zu geben in Europa…einfach weil wir mit Labels immer wieder Probleme hatten in der Vergangenheit. Natürlich gab es auch diesmal Angebote, aber wir wollten es lieber selber machen…gerade hier in Europa, wo Oise (und ja auch ich) wohnen…für den Rest der Welt haben wir uns mit BRIDGE 9 RECORDS einen tollen Partner gesucht, der uns nichts vorgibt, sondern das was wir erarbeiten und machen wollen unterstützt. Wir arbeiten so einfach besser…wir sind eine sehr schwierige Band, in dem Sinne, dass uns scheissegal ist was zu mehr oder weniger „Erfolg“ führt…wir sind einfach sehr enge Freunde, die genau das machen was sie für richtig halten…leider hat die Vergangenheit bewiesen, dass dies durchaus oftmals das genaue Gegenteil von dem ist, was der jeweilige Produkt Manager oder A&R wollte, hahaha…uns wurde oft genug kommerzieller Selbstmord vorgeworfen und siehe da: wir sind immer noch da…

Vielleicht noch ein paar Worte zur Zusammenarbeit mit der Hardcore Help Foundation und der Rettung des Jugendcenters im bayrischen Zwiesel. Wie kam es dazu?

Robert: Wir versuchen (nach unseren Möglichkeiten) durchaus die Band auch als ein aktives Vehikel für positiven Wandel zu sehen…natürlich sind uns Musik und unsere Texte das Wichtigste, aber wo wir nur können möchten wir auch helfen und gute Dinge supporten…das wird immer ein wichtiger Bestandteil von BOYSETSFIRE bleiben.

Robert Ehrenbrand - Boysetsfire live in Zwiesel #4

OK, lass uns das Thema wechseln. Vielleicht hast Du schon drauf gewartet. Wenn ich richtig informiert bin, lebst Du, wie ich selbst, vegan. Seit wann und was waren Deine Beweggründe?

Robert: Wie ich ja bereits angeschnitten habe, bin ich seit ich ca. 16 Jahre alt bin (also mehr als mein halbes Leben lang bereits) sehr Interessiert an dem kulturellen Erbe des alten/vedischen Indiens. Damals bin ich (wie so viele andere Hardcore Kids zu der Zeit) durch Shelter, 108, Prema, etc. auf dieses Gedankengut gekommen und war von einem Moment auf den Anderen total gefesselt. Hier war Vegetarismus ein wichtiges Thema und ich habe das dann relativ schnell verinnerlicht, einfach weil es Sinn gemacht hat, dass wenn man über Themen wie die Zusammengehörigkeit aller „Seelen“ meditiert, nicht einfach (aus Egoismus und Gier) bestimmte Seelen hier ausschließen kann…das es dann auch noch ökologisch, gesundheitlich und geschmacklich besser ist, kam mir erst später, hahaha…erst war ich aber „nur“ Vegetarier und später dann Veganer, wobei das Wort doch recht „von oben herab“ klingt…daher sage ich lieber ich ernähre mich pflanzlich. 🙂

Grade in der Hardcore-Szene begegnet man recht vielen Menschen, die vegan leben. Wie schaut das in der Deiner Alltagsumgebung aus?

Robert: Ich bewege mich kaum in einer Szene…ich arbeite, spiele in BOYSETSFIRE, gehe Boxen/Thaiboxen und verbringe jede freie Minute mit meiner Frau und meinen Kindern…das ist meine Welt. Meine Frau lebt auch vegan und somit ist der hübscheste und einer der wichtigsten Teile meiner Umgebung „plant-powered“.

Wie machst Du das mit der veganen Ernährung, wenn Du mit der Band unterwegs bist? Wo klappt das gut? Und wo eher schlecht und wie gehst Du dann damit um?

Robert: Unser Manager & Tourmanager Oise (wie gesagt einer meiner besten und ältesten Freunde) lebt auch vegan und somit habe ich einen „Verbündeten“ auf Tour, was nett ist…ich lebe aber nicht nur vegan sondern vermeide auch Gluten, somit ist es schon kompliziert…aber ich habe eine kleine Schuhschachtel mit frischem Obst und veganen-glutenfreien Snacks dabei, um auch in Situationen, wo gerade nichts für mich zu Essen da ist, zu überleben 😉 Vorbereitung ist hier alles…ich gehe auf Tour auch gern in den Supermarkt und kaufe für mich ein, grade frische Sachen, außerdem helfen vegane Sportshakes sehr, die ich nach dem Training einnehme…grade auf Tour ist Bewegung sehr wichtig, weil man sonst so viel rumsitzt und danach mache ich mir einen Smoothie mit einem Pulver von VEGA oder SUN WARRIOR etc.

Veganismus ist bei BOYSETSFIRE bisher kein Thema gewesen? Oder sehe ich das falsch? Mit Ausnahme des Videos zu Bled Dry ist mir das zumindest noch nicht aufgefallen.

Robert: Wir versuchen einfach nur Themen zu behandeln, die uns alle gleichermaßen betreffen…gerade weil unsere spezifischen Interessen so abweichen…einen Tribute-Song an Krishna (Ich) oder Anton La Vey (Nathan) wird es somit in nächster Zeit nicht geben, hahaha…Im Ernst: Veganismus ist mein Ding und die anderen unterstützen mich und respektieren das völlig…Josh ist z.B. Vegetarier und Chad eigentlich auch, etc.

Somit kann man sagen, dass uns das Thema Tierrechte und gerade das Ablehnen von Massentierhaltung durchaus alle interessiert und betrifft, aber Veganismus als Maßnahmen gegenüber diesen Themen halt derzeit nur mich, wenngleich ich Chad sehr bald „überlaufen“ sehe, hahaha.

Robert Ehrenbrand - Boysetsfire live in Zwiesel #5

Veganismus bringt ja irgendwie auch einen friedvollen und gewaltfreien Gedanken mit sich. Hardcore hingegen oftmals Wut, Aggression und Härte. Man bewegt sich hier zwischen zwei Gegensätzen. Daher verstehen viele Menschen oft nicht. wie man das unter einen Hut bekommt. Wie siehst Du das? Provokation…

Robert: Ich habe mich seit sehr früher Jugend, eigentlich seit ich ca. 10 Jahre alt war, also noch ein Kind, zu harter Musik hingezogen gefühlt…einfach als „Outlet“ für meine Gefühle als unverstandenes Kind etc…Ich denke so ein Outlet funktioniert sogar sehr gut in Balance mit einer friedvollen Lebensweise…ich bin kein Pazifist, aber ich versuche tatsächlich in meinem Alltag und durch mein Verhalten so wenig Leid wie möglich zu verursachen…dazu gehört für mich die vegane Ernährung unbedingt, genau wie auch Selbst-Reflektion in Form von Meditation…aber ich LIEBE es dennoch immer noch (genau wie meine 10-Jahre-alte-Inkarnation) harte Musik zu machen…diese Energie widerspricht meinem friedvollen Leben nicht, im Gegenteil, es gibt mir die Möglichkeit „die Sau rauszulassen“ ohne dabei jemandem zu schaden…das geht für mich also Hand in Hand…genau wie ich ja als Veganer auch mit Leidenschaft boxe und ja auch hier durchaus ein Gegensatz besteht, aber ich zwinge ja niemanden in den Ring mit mir, hahaha…

Wie gehst Du generell mit Deiner Ernährung um? Achtest Du auf die vielen wichtigen Details wie Kombination von Getreide, Hülsefrüchten und Vitamin C? Oder steht bei Dir der Spaß am Kochen im Vordergrund? Falls Du überhaupt gerne am Herd stehst.

Robert: Ich bin ein sehr eingeschränkter Koch, weil ich eigentlich immer nur indisch essen will, hahaha…Natürlich koche ich für die Kids auch mal was anderes…italienisch oder so, aber mein Herz gehört der indischen Küche, die ich dann halt vegan abändere…also anstatt Ghee dann eben vegane Butter schmelze oder Sonnenblumenöl verwende etc. Dadurch habe ich auch immer meinen Proteinhaushalt gut im Griff, da ich ja stetig Hülsenfrüchte und Reis kombiniere…Als jemand der sehr aktiv Sport treibt behalte ich aber natürlich schon im Auge, dass ich neben der indischen Küche, auch viel Rohkost esse, gern auch in Form von Juicing und auch Shakes/Smoothies…hier habe ich einige abgefahrene Shakes, wo gefrorenes Obst, Mandelmus, Algenpulver, etc. reinkommen…meine Frau findet es das ekligste Getränk der Welt, aber ich gönne mir einen solchen Supershake täglich. 🙂

Die Band kommt spontan bei Dir daheim vorbei und bringt einen Riesenhunger mit. Was würdest Du, ebenso spontan, in der Küche zaubern?

Robert: Meine absoluten Standards sind Kitcheri (indisches, sehr einfach zuzubereitendes Gericht mit Reis, Kartoffeln, Linsen, Karotten, etc…) oder einfach Dhal mit Basmatireis. Wenn die Jungs bei mir zu Besuch sind gibt’s aber oft auch vegane Bratwürste und Brezen und süßen Senf, hahaha….Bayern muss ja auch ein bisschen repräsentiert werden.

Verrätst Du uns zum Schluss noch Dein Lieblingsrezept (inkl. Zubereitung)?

Robert: Check das neue KOCHEN OHNE KNOCHEN Heft vom OX-fanzine, da bin ich vertreten samt meinem Lieblingsgericht…

Vielen Dank für das „Interview“ und für Deine Zeit. Hat mich tierisch gefreut.

Robert: Ich habe zu Danken. Hat mich sehr gefreut. Haribol!

Die Fotos wurden mir freundlicher Weise von Norman von Reportink zur Verfügung gestellt. Die Bilder stammen allesamt vom BOYSETSFIRE Konzert im bayrischen Frauenau zur Rettung des Jugendcafes Zwiesel. Weitere tolle Fotos von diesem Konzert findet Ihr ebenfalls auf Reportink. Schaut vorbei. Es lohnt sich.

Ein mehr als dickes Dankeschön geht an: Robert, Norman und Mirko

 

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