reinhören: city light thief – vacilando

City Light Thief - VacilandoPost-Hardcore? Was war das doch gleich? War ich bisher der Meinung, dass dieser Begriff mittlerweile für fast alles herhalten muss, was irgendwie Ansätze aus Hardcore, Indie und Rock in sich trägt und daher in den letzten Jahren völlig weichgespült worden ist, musste ich mich nun eines Besseren belehren lassen. Denn nun schmeißen sechs Jungs aus Grevenbroich mit Vacilando einen Rettungsanker hinaus, der die guten frühen 2000er wieder ans Tageslicht holt.

Nach dem ersten Hördurchgang weiß man nicht so recht was man damit anfangen soll, mit diesen elf Songs von City Light Thief, die mich verwirrt, aber neugierig zurück lassen. Denn irgendwas hat sich im Ohr festgesetzt. Hartnäckig schreit eine Stimme nach mehr. Was bleibt? Die Platte wieder auflegen. Ein neuer Versuch. So wühlt man sich langsam durch dieses Wirrwarr, auf der Suche nach dieser unbekannten Stimme. Doch bevor sich das große Ganze in all seiner Komplexität, diese unbekannte Stimme, dem Hörer offenbart, findet man diese zauberhaften und eingängigen Gitarrenriffs, diese vertrackten Bassläufe, dieses mächtige Gitarrengebretter und dieses süße Zusammenspiel der oft mehrstimmigen Vocals. Dann entdeckt man diese Widersprüche zwischen krachig explosiv – der plötzliche Aufbruch ins Ungewisse- und bedächtig, ja verträumt – diese Sehnsucht nach ein wenig Halt. Diese Widersprüche, die sich immer wieder in schlüssiger Harmonie auflösen. Das sind diese vielen kleinen verspielten Details, die sich genau zu diesem großen Ganzen entwickeln. Diese Details, die diese Reise so spannend und interessant machen. Eine Reise, die mit den Worten der Band einfach so passiert ist. Ohne großen Plan, ohne Konzept. Oder um den Albumtitel beim Wort zu nehmen: Hier ist jemand um des Reisens willen auf Reisen, jemand der nicht wissen möchte, wo genau sein Ziel liegt und den es nicht schert ob er nun dort ankommt oder nicht. Doch wer sich diesem Album hingibt und mit auf Reisen geht wird schnell feststellen, dass die Jungs von City Light Thief genau wissen wohin die Reise gegen soll. Ein wundervolle Reise in elf Etappen, die von Tag zu Tag schöner wird. Eine Reise ohne Heimweh, nach der man die Koffer gar nicht auspacken mag. Im Gegenteil, man mag sofort wieder aufbrechen und die Scheibe noch einmal auflegen.

Was bleibt? Keine Scheibe für zwischendurch. Vielmehr ein dynamisches und vielschichtiges „Post-Hardcore“ Album voller Prog- und Indieanleihen, das sich jedoch erst voll entfaltet, wenn man sich die Zeit nimmt sich darauf einzulassen. Und dann wird dies eine schöne Zeit werden, die man so schnell nicht wieder loslassen mag.

City Light Thief - Band

City Light Thief – Vacilando

Label: Midsummer Records
VÖ: 31. Mai.2013

Trackliste:
01. Battue
02. Of Armistice
03. Bones
04. Panica
05. Portland, Maine
06. In Full Swing
07. Helicopter Youth
08. Make
09. Travelogue
10. Omori
11. Cloudburst~Torrent

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