reinhören: modern life is war – fever hunting

Mit den Worten „We are leaving soon… but the future is unwritten… so start writng it“ beendeten Modern Life Is War sechs Jahre Bandgeschichte. Modern Life Is War - Fever Hunting CoverSechs genreprägende Jahre  fanden ein plötzliches Ende und ließen eine nicht geringe Zahl trauriger Herzen zurück. Nach ihrem letzten Konzert in ihrer Heimatstadt Marshalltown am 20. April 2008 verloren sich die Wege der fünf Jungs in den Weiten Iowas. Was danach geschah entzieht sich weitestgehend unserer Kenntnis. Doch drei großartige Alben und zahlreiche Bands, die den Stil von Modern Life Is War weiterführten, hielten Modern Life Is War in bleibender Erinnerung.

Gewiss ist, dass sich die Wege der Gründungsmitglieder im letzten Jahr wieder kreuzten. Schnell war allen klar, das Feuer brennt nach wie vor. „Brother In Arms Forever.“ Aus ein paar Ideen wuchs Material für ein Album. Noch bevor das Wort Reunion in die Welt geschrien wurde waren die Aufnahmen abgeschlossen. Kritik und Vorwürfe von wegen einer billigen Wiedervereinigung wurden so im Keim erstickt. Das davon nicht die Rede sein kann beweisen Modern Life Is War mit elf neuen emotionalen Hardcorestücken, die eindrucksvoll den Prozess fortsetzen, der mit Midnight In America ein jähes Ende fand. Mit dem neuen Album Fever Hunting haben Modern Life Is War Worten Taten folgen lassen und ihre eigene Zukunft fortgeschrieben.

Bereits der Opener Old Fears, New Frontiers lässt vermuten warum dieser Prozess fortgeführt wurde. Denn diese vier Worte, die einzigen Worte dieses Songs, beschreiben kurz aber prägnant das Kernthema des Albums. Die Lebensumstände mögen sich verändert haben, die Rahmenbedingungen mögen sich verschoben haben. Doch das Leben zieht nach wie vor die selben dunklen Bahnen wie vor fünf Jahren. „Cause l’m still screamin‘ at the same walls I was screamin‘ at five years before“ (aus Blind Are Breeding). Somit gibt es immer noch eine Menge zu erzählen. Dies in einer Weise, die einen wohltuenden Schmerz entfacht, die fesselnd ist und bleibt bis zum letzten Wort. Und so dauert es etwas mehr als eine Minute, dann haben mich Modern Life Is War wieder. Ohne mich je losgelassen zu haben.

Erneut tauchen Modern Life Is War ein in eine düstere Atmosphäre. Reißen mich mit, tief hinein. So tief, dass ich mich der anstehenden Dramatik nicht entziehen kann. Dieser Dramaturgie, die sich in jedem Song mal langsam aufbaut, mal sofort präsent ist. Doch immer rechtzeitig explodiert diese erdrückende Last und verwandelt sich in unbändige Wut ohne jemals in Hass auszuarten. Eine Wut, die – wenn auch schmerzvoll – frei macht und den Gedanken an depressive Momente im Nu zerstört. So schleppt sich Health, Wealth & Peace zunächst gemächlich durch die Taktatur. Das Warten auf den Refrain ist wie gewohnt vergeblich. Auch Fever Hunting ist frei von althergebrachten gewöhnlichen Songstrukturen. „Accepting myself, accepting my conditions.“ Plötzlich verwandelt sich der Song in eine mitreißende Nummer, die jede Schwermut vergessen lässt, die Mut macht. Mut, die bitter nötig ist. Denn das folgende Chasing My Tail ist die vertonte Verkörperung tiefer Verzweiflung. Ein schmerzvoller Blick in tiefe Abgründe. Doch ein mitreißender finaler Sing-a-long wandelt den Schmerz in Zorn, der jeden negativen Gedanken in Luft auflöst. Diese positive Dynamik schiebt ein geniales Media Cunt hinterher. Sicherlich der Punkrocksong des Albums. Ein direkter angepisster Schlag mitten ins Gesicht, der sich mit einem „I’m so sorry about you.“ stetig wiederholt und einer tiefsitzenden Wut freien Lauf lässt. Zudem ein Songtitel, der in seiner Direktheit ein Volltreffer ist. In Cracked Sidewalk Surfer – eine raue und temporeiche Hardcorenummer – wird Wut zur Raserei und nimmt mich schließlich mit auf eine wilde und chaotische Achterbahnfahrt.

So könnte man durch jeden der elf Songs treiben, denn kein Song gleicht aufgrund zahlreicher Versatzstücke dem anderen. Modern Life Is War haben wieder ein kleines Meisterwerk geschrieben. Getrieben von dissonanten Harmonien, schleppenden und treibenden Parts, sowie einer unbändigen Wut, die jedem Akkord, jeden Wort innewohnt. Ein fokusiertes und bissiges Songwriting, vielleicht das Beste was die Jungs bisher abgeliefert haben, beweist zudem, dass Modern Life Is War nichts von ihrem Können verlernt haben. Das ist emotionaler Hardcore auf hohen Niveau.

Mit Fever Hunting liefern uns Modern Life Is War ein Album, das uns durch dunkle und triste Tage tragen wird. So verzweifelt und traurig diese Scheibe auch klingen mag. So ist diese auch eine Quelle der Inspiration und Motivation für das einzustehen, was für einen selbst von Bedeutung ist ohne irgendwelchen Erwartungshaltungen gerecht zu werden.

Randnotizen: Produziert wurde Fever Hunting von Kurt Ballou (Converge, Deathwish). Für das Artwork zeigt sich Jacob Bannon (Converge) verantwortlich. Die LP kommt im giftigen mintgrünen Vinyl und einem mehrseitigen großen Textblatt, dass ebenfalls von Jacob Bannon gestaltet worden ist.

Modern Life Is War – Fever Hunting

VÖ: 03. September 2013
Label: Deathwish

Trackliste
01. Old Fears New Frontiers
02. Health, Wealth & Peace
03. Chasing My Tail
04. Media Cunt
05. Blind Are Breeding
06. Fever Hunting
07. Dark Water
08. Brother In Arms Forever
09. Currency
10. Cracked Sidewalk Surfer
11. Find A Way

Modern Life Is War - Bandphoto (Deathwish)

Fotos / Bilder: Deathwish Promomaterial (http://www.deathwishinc.com/bands/36/)