reinhören: the flatliners – dead language

Es gibt Dinge, die brauchen Ihre Zeit. So hat es letztendlich 10 Jahre gedauert bis The Flatliners und ich die gleiche Sprache sprechen. Zuvor haben wir uns einfach nicht verstanden. Auf ihrer neuen Scheibe erzählen die vier Jungs aus Kanada nun ausgerechnet in einer toten Sprache. Flatliners - Dead Language CoverEiner Sprache, die ich zu Schulzeiten stets gehasst habe. Langweilig, öde, staubtrocken und man hat sich pausenlos gefragt warum man hier eigentlich sitzt. Mit Dead Language, dem nunmehr vierten Album von The Flatliners, sieht es hingegen völlig anders aus. Rau und ungehobelt. Kreativ, abwechslungsreich und voller Melodien in den richtigen Momenten. Diese Sprache, diese 13 Songs klingen alles andere als tot. Nun endlich sprechen wir eine Sprache.

Jeglichen Ballast – wie Off-Beat-Einlagen – über Bord geworfen, klingt diese Platte, als wäre sie direkt auf den Straßen Torontos aufgenommen worden. Zeigt sie doch die unterschiedlichen Facetten einer Großstadt. Hier die guten Seiten. Verpackt in wunderschöne Melodien und Mitsingparts. Auf der anderen Seite die schmutzigen Gegenden, der harte Alltag in den tristen Betonfassaden. Genau davon zeugt die bratzige Stimme von Sänger Chris Cresswell. Das sind die vertonten Gegensätze des Großstadtlebens, die dieses Album so reizvoll machen. Dabei ist der Gesang zweifelslos das prägnanteste Element auf Dead Language und lässt vermuten, dass das Leben der vier Jungs von den Schattenseiten Torontos geprägt worden ist. So ist auch von guter Laune nicht viel zu spüren. Stets schwingt ein Tropfen Wehmut mit und, nicht zu überhören, eine große Portion Wut und Aggressivität. Dennoch klingen die Songs frisch und spritzig. Trotzt der widrigen Umstände lassen die vier Jungs sich die Freude am Leben nicht nehmen.

All das mögen nur Vermutungen sein. Und auch wenn man das mit Worten nur schwer beschreiben kann. Genauso sollte eine Punkrockplatte klingen.

Jeder Akkord, jede Ton, einfach alles sitzt. Die Jungs verstehen ihr musikalisches Handwerk. Präzisionsarbeit mit viel Liebe zum Detail ohne sich darin zu verlieren. Vielmehr werden diese Feinheiten mit Sorgfalt bedacht in den richtigen Augenblicken eingesetzt und machen so jeden Song zu etwas Besonderen, ja Einzigartigen.

Der Opener Resuscitation Of The Year beginnt mit einem verschlafenen ruhigen Intro. Schmeißt dann aber alle müden Geister aus dem Schlaf. „Coming back to life again“. Jede Müdigkeit ist im Nu vergessen. Steht man doch plötzlich mitten in einem catchigen und quicklebendigen Punkrockgsong. Ein frecher Einstig in den Tag und in dieses Album. Bury Me nimmt Tempo raus, wird nachdenklich, zeigt Herzschmerz ohne kitschig zu wirken. Tail Feathers wirkt nahezu erdrückend. Schwermütig rockt die Rhythmusmaschine, doch verspielte Gitarrenriffs bauen den Song immer wie auf. Quitters und Young Professionals schreien nach Aufbruch und brettern rastlos nach vorne. Drown In Blood braucht ein wenig, um seine vertrackte Schönheit zu entfalten. Ein leidenschaftlicher Song mit einem großartigen Refrain, der sich so tief ins Ohr frisst, dass man sogleich mitschreien mag.

Insgesamt 13 Songs im stetigen Hin und Her zwischen treibenden Midtemponummern, gefühlvoll in Szene gesetzt, und straighten schnellen Songs, die mit viel Drive durch die Straßen fegen und jeden mitreißen, der ein Ohr riskiert oder zufällig im Weg steht.

Selten hat eine tote Sprache zu viel Spaß gemacht. Mit Dead Language haben The Flatliners in einer Sprache geschrieben, die sich deutlich von den Veröffentlichungen der letzten Jahre in diesem, wie sagt man doch so schön, Genre abhebt. Schlicht und einfach, weil diese Platte endlich mal wieder außergewöhnlich klingt. Das in einer Zeit, die genau das vermissen lässt. Außergewöhnliches.

The Flatliners – Dead Language

Label: New Damage Records / Uncle M
VÖ: 13.September 2013

Trackliste
01. Resuscitation Of The Year
02. Bury Me
03. Birds Of England
04. Drown In Blood
05. Sew My Mouth Shut
06. Caskets Full
07. Ashes Away
08. Hounds
09. Dead Hands
10. Quitters
11. Tail Feathers
12. Young Professionals
13. Brilliant Resilience

The-Flatliners Bandphoto by Scott Woods

Hinweis: Cover und Foto wurden mir freundlicher Weise von Uncle M zur Verfügung gestellt.