reinhören: all pigs must die – nothing violates this nature

All Pigs Must Die - Nothing Violates This NatureMit Superbands ist das ja so eine Sache. Die Erwartungen sind hoch, die Versprechungen groß. Doch in der Regel ist die Enttäuschung umso größer. Im Falle von All Pigs Must Die wird man hingegen alles andere als enttäuscht. Kevin Baker (Hope Conspiracy), Ben Koller (Converge), Matt Woods und Adam Wentworth (beide Bloodhorse) liefern mit Nothing Violates This Nature ein derart mächtiges Brett, das mit einem brutalen Rundumschlag einfach alles in Schutt in Asche legt.

All Pigs Must Die erschaffen hier ein Soundmonstrum, dessen Gerippe aus düsterem Hardcore besteht. Daran hängen zerfetzte Reste von Crust, Black-Metal, Sludge, Death-Metal und fetten D-Beat-Rhythmen, die mir mal in schnellen und brachialen Stücken, mal in treibenden und vor sich hin wälzenden Stücken um die Ohren fliegen. Bereits der Opener Chaos Arise ist die vertonte Umsetzung des Songtitels. Ein musikalisches Chaos, das einen Trümmerhaufen zurücklässt und in den beiden folgenden Nummern Silencer und Primitive Fear gnadenlos weiter wütet. Schwer und in tiefen Abgründen suhlend nehmen Bloodlines und Of Suffering das Tempo raus, sind jedoch so erdrückend, dass man sich der beklemmenden Wirkung nicht entziehen kann. Kurz darauf wird in fünf Hassattacken wieder alles was im Weg steht nieder gewalzt, ehe sich das Finale von Articles Of Human Weakness noch einmal tief und schmerzvoll ins Mark gräbt.

Dabei verlieren die vier Jungs zu keiner Zeit die Orientierung in diesem Trümmerfeld. Verstehen sie es doch aus all den unterschiedlichen Stilrichtungen ein komplexes Gebilde zu errichten, das in sich keineswegs einen solch chaotischen Kern trägt, wie es die Songs auf den ersten Blick vermuten lassen. Dieses Quartett kontrolliert das Chaos und weiß seine Stärken präzise in den richtigen Augenblick einzusetzen. Ein atemberaubend peitschendes Schlagzeug, wild schrubbende Gitarren- und Bassriffs, die sogar ein paar Melodien in diese Verwüstung bringen, und eine Stimme, die mit jeder geschrienen Silbe die düstere Stimmung der Texte auf den Punkt bringt.

Ein erbarmungsloses und aggressives Album, das eine tiefschwarze und enorm intensive Atmosphäre erschafft und bisweilen sogar unter die Haut geht. Abwechslungsreich und vielschichtig dazu, den kein Song klingt wie der andere. Das ist intelligenter Krach mit extrem viel Biss, der an Härte nur schwer zu überbieten ist. Und genau das braucht man an manchen Tagen.

Dabei würde ich mir wünschen, dass Nothing Violates This Nature für nur einen Durchlauf im täglichen Radiopragramm zu hören wäre. Vielleicht würden ein paar mehr Menschen zu dem Schluss kommen, dass diese Welt nicht nur aus einem Wir-haben-uns-alle-lieb-Programm besteht.

Für den fetten, brachialen und erstklassigen Sound zeichnet sich übrigens Kurt Ballou (u.a. Converge, Deathwish) verantwortlich, der das Album in den Godcity Studios aufgenommen und abgemischt hat.

All Pigs Must Die – Nothing Violates This Nature

Label: Southern Lord
VÖ: 19.07.2013

Tracklist
01.Chaos Arise
02. Silencer
03. Primitive Fear
04. Bloodlines
05. Of Suffering
06. Holy Plague
07. Aqim Siege
08. Sacred Nothing
09. Faith Eater
10. Articles Of Human Weakness

Hinweis: Das Cover ist ein Foto meiner LP.