Konzertreview: Dave Hause live in Köln

Handelt das aktuelle Album Devour von Dave Hause von der Illusion des American Dreams, so scheint Dave Hause dieser Illusion zu trotzen und den American Dream mit jedem Song, mit jedem Auftritt wahrhaftig zu leben. Nach zahlreichen Konzerten im Rahmen der Revival Tour oder als Support für Gaslight Anthem, zwei von Fans und Kritikern gefeierten Soloalben, nun endlich die erste Headlinertour des Mannes aus Pennsylvania. Das Konzert im Kölner Gloria Theater sollte dann auch einer der Höhepunkte dieser Tour werden. Bereits im Vorfeld restlos ausverkauft war diese Show mit 800 Zuschauern die größte Headlinershow in der noch jungen Solokarriere von Dave Hause.

Dave Hause + Northcote, Köln – Gloria, 26.11.2013

“Hi, I’m Matt from Canada.” Mit diesen Worten eröffnete Northcote als Support-Act diesen Abend. Mit Akkustikgitarre und einer gewaltigen Stimme ließ dieser „Zwei-Meter-Hüne“ aus Kanada mich für die nächste halbe Stunde fast vergessen warum ich eigentlich eine Karte für dieses Konzert gekauft hatte. Zum einem ist dieser Kerl von Grund auf sympathisch. Man hatte irgendwie das Gefühl Matt Gaud schon seit Ewigkeiten zu kennen. Zum anderen spielt er einfach mitreißende Songs und erzählt dabei kurze aber bewegende Geschichten. Dies mit solch einer Leidenschaft, dass man jederzeit die Gewissheit hat „Hey, das sind Songs, die von Herzen kommen.“ Und genauso verabschiedete sich Northcote auch. Sichtlich gerührt mit der Faust auf dem Herzen. Großer Auftritt.

Um ehrlich zu sein hatte ich meine Zweifel, ob Dave Hause den Auftritt von Matt Gaud noch toppen könnte. Doch der Frontmann der Loved Ones bot nicht nur eine emotionale und überaus stimmungsvolle Show, er überraschte auch mit einem Set, mit dem wohl niemand an diesem Abend gerechnet hatte. Ohne Schlagzeug, ohne Bassgitarre spielte er alle Songs nicht in der Albumversion, sondern in ihrer ersten ursprünglichen Version, die so nicht auf Platte gepresst worden sind, Damit musste man zwar erst einmal warm werden. Doch schließlich machte diese permanente Ungewissheit diesen Auftritt umso reizvoller und interessanter. So wirkten die Songs zwar insgesamt weniger druckvoll, dafür jedoch weitaus rauer und lebendiger als auf den Studioalben, was sicherlich auch an dem eindrucksvollen Gitarrenspiel von Mitchell Townsend gelegen hat, der Dave Hause an diesem Abend an den Saiteninstrumenten begleitete. Dies und das gewohnt herzliche Auftreten von Dave Hause sorgte für eine Riesenstimmung im Saal. Zumal Dave Hause mehrmals betonte, dass er nicht hier sei, um als Solokünstler ein paar Songs zu spielen. Vielmehr sei er hier, um gemeinsam mit dem Publikum einen schönen Abend zu verbringen. Die Zuschauer nahmen diesen Gedanken gerne auf und sangen fast jeden Song von der ersten bis zur letzten Zeile mit, so dass während des gesamten Auftritts eine sehr emotionale Atmosphäre im Saal zu spüren war. Insbesondere das Set aus Bricks, C’mon Kid und The Shine sorgte für eine lang andauernde Gänsehautstimmung. Da steht Dave Hause plötzlich auf dem Publikum, wird von den Menschen getragen und schreit gemeinsam mit diesen die Worte „Shine On“ in den Abend hinein. Das sind diese Momente, die sich ganz tief festsetzen, die man nicht vergisst. Ein wunderschöner Abend endet schließlich mit einer gemeinsamen Zugabe Dave Hause und Northcote und einer wundervollen Version von Benediction.

In Erinnerung bleiben ein großartiger Abend mit drei ebenso großen Musikern und zudem die Vorfreude auf die kommende Tour von Dave Hause im nächsten Jahr. Dann, so sein Versprechen, mit allen Songs in der Albumversion. OK, wir sehen uns 2014.