mein musikalischer Jahresrückblick 2013 #1

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Zeit zurückzuschauen. Zurückschauen auf ein ereignisreiches musikalisches Jahr. Ob es in musikalischer Hinsicht ein gutes Jahr war überlasse ich anderen Geistern. An dieser Stelle ist dies nur mein persönlicher Rückblick auf die Momente, auf die Alben und Bands, die mein Herz in diesem Jahr bewegt haben.

Vorweg die größte Überraschung, die zum Glück alles andere als nur ein Aprilscherz war. Am ersten April gaben Modern Life Is War nicht nur ihre Reunion bekannt sondern kündigten auch gleich ein neues Album an. Beides sollte sich bewahrheiten. Und wie. Ebenso erwachten Boysetsfire nach sieben langen Jahren nicht minder beeindruckend aus ihrem Tiefschlaf und Shai Hulud zeigten mit neuem alten Sänger, warum sie über die Jahre hinweg eine Ausnahmeband geblieben sind. So sehr mich diese drei Wiedersehen freuten, umso trauriger stimmte mich die Rückkehr von Black Flag. Einer der Bands, die mein Denken und meine Sicht auf diese Welt maßgeblich mit beeinflusst haben, versank in einem Wirrwarr aus Rechtsstreitigkeiten, stellte persönliche Eitelkeiten und Interessen vor die Musik, und brachte schließlich ein Album in die Plattenregale, das außer einem grandiosen Gitarrenspiel nichts mehr mit der Band zu tun hat, die Generationen von Bands inspiriert hat. Das tat richtig weh.

Ein Sache, die ich fast nicht mehr für möglich gehalten habe, doch die Musik meiner Jugend vermag mich immer noch mitzureißen. A Wilhelm Scream, The Flatliners und The Heartsounds haben gleich drei Alben auf meinen Plattenteller gebracht, die den Geist der 90ziger Jahre in puncto melodischen Punkrock in das Jahr 2013 katapultiert haben. An dieser Stelle muss ich auch fünf junge Münsteraner erwähnen, die mich auf ähnliche Weise auf jeder Show und auch mit ihrem Debutalbum The Drama’s Done beeindruckt haben. Idle Class wurden oft als die deutsche Punkrockhoffnung betitelt. Man mag von Titeln halten was man will. Die Zukunft dieser Band steht zumindest unter mehr als nur einem guten Stern. Dies wage ich auch von KMPFSPRT aus Köln zu behaupten, die mir auf insgesamt fünf Konzerten immer ein Rätsel aufgaben. “Wie kann man mit lediglich einer veröffentlichen EP und somit gerade einmal sechs Songs so wahnsinnig gute Shows abliefern?” Das Rätsel blieb ungelöst, doch in Erinnerung blieben genau diese wunderbaren Abende.

So auch ein durchweg emotionaler Hardcorespätsommer. Nicht nur die bereits erwähnten Modern Life Is War zeigten eindrucksvoll welch intensive Emotionalität Musik ausdrücken kann. Auch Defeater erzählten ihr Familiendrama auf rührende, ja bedrückende Weise weiter. Und schließlich warfen Touche Amore jedweden Selbsthass über Bord und drückten mit einfachen Worten aus, warum ich von Punkrock und Hardcore nicht loslassen kann.

„There’s people that changed me. There’s songs that saved me from all of this. There’s days that defined me. There’s nights that gave me strength from all of this.”

Weitaus dunkler und bisweilen richtig finster sorgten die Scheiben von Deafheaven und Crusades – jede auf ihre ganz eigene Art – für ein permanentes Gänsehautfeeling und eine derart fesselnde Atmosphäre, in der man stundenlang abtauchen mag. Wunderschöne düstere Melodien ziehen mich in ihren Bann, während die eigenen Gedanken im freien Raum dahin zu schweben scheinen.

One Of Us Is The Killer hingehen war der Befreiungsschlag schlechthin. Oder doch eher der direkte Arschtritt in die Irrenanstalt. The Dillinger Escape Plan beherrschen weiterhin das Chaos und die harmonische Disharmonie sowieso. Jeder Song ist ein Schlag ins Gesicht. Ich frage mich pausenlos warum ich diese Scheibe immer wieder auflege. Weniger komplex, ja geradezu minimalistisch kamen Coliseum daher. Deren Sister Faith schert sich einen Dreck um Genres und Klischees, entwickelt dabei ganz eigene Klagwelten – irgendwie altbacken, aber unglaublich agil und lebendig -, so dass man diese Scheibe einfach lieben muss.

Und dann waren da noch die Alben von Kylesa, Turbostaat, I Am Heresy, Dave Hause, The Moth, All Pigs Must Die, Tocotronic, Adolescents, Red Fang, Oathbreaker, Terror und, ach, ich weiß gar nicht wo ich aufhören soll.

Das war nun nicht die übliche und vielleicht nicht die erwartete Top Ten. Doch zumindest eine kleine kurze Einleitung… für das was folgen wird.