Interview mit David Schumann (KMPFSPRT)

Ende des Monats erscheint das Debutalbum Jugend mutiert von KMPFSPRT. Grund genug den Gitarristen der Band, David Schumann, ein paar Fragen über KMPFSPRT, Vegetarismus und den Menschen David Schumann zu stellen. Doch lest selbst was er über vier Freunde, die in einer Band spielen und noch lange nicht müde sind, über Yoko Ono, über den Zusammenhang von Menschen- und Tierechten und über Vieles mehr zu erzählen hat.

KMPFSPRT - Bandfoto


Nach über 18 Monaten Wartezeit kommt nun endlich euer erstes Album „Jugend mutiert“ raus. Man, warum hat das so lange gedauert?

Ohne Scheiß, uns geht es genau so! Wenn man bedenkt, dass wir schon im April 2013 im Studio waren, hat das Ganze einfach viel zu lange gedauert. Aber so ist das eben manchmal mit Labelsuche, Vorbereitung, usw. Außerdem wollten wir nicht einfach ein Album rausbringen, sondern das beste Album, zu dem wir in der Lage gewesen wären. Da lässt man sich besser etwas Zeit, ist aber hinterher mit dem Ergebnis umso zufriedener!

Ihr habt ja im letzten Jahr auch auf dem Uncle M Fest gespielt. War das der Ausgangspunkt für den Labelwechsel, denn Euer neues Album kommt ja nun auf Uncle M raus?

Das war auf jeden Fall der Zeitpunkt, als Uncle M für uns zu einer wirklichen Alternative geworden ist. All die großartigen Bands, die da gespielt haben: Nothington, Idle Class, Apologies I Have None… Das ist einfach eine tolle Labelfamilie, von der wir unbedingt Teil werden wollten!

Was sprach schließlich für den Wechsel von Redfield Records zu Uncle M?

Wir waren nie unzufrieden mit Redfield, die haben für unsere EP super Arbeit gemacht und sind auch einfach schon seit Jahren gute Freunde von uns. Auch jetzt noch! Aber wir haben einfach nicht mehr in den aktuellen Labelsound gepasst. Deswegen haben wir – auch nach rund 10 großartigen Jahren mit Fire In The Attic bei Redfield – uns mit KMPFSPRT dazu entschieden, mal neue Wege auszuprobieren.

Punkrock wird ja auch vom D.I.Y-Gedanken getragen. Wie sah das bei der Produktion der neuen Scheibe aus? Haltet Ihr immer noch einen Großteil in eigenen Händen? Oder seit Ihr eher froh, dass Euch auch jemand Aufgaben abnimmt, so dass Ihr Zeit habt Euch auf andere Dinge zu konzentrieren?

Wir halten eigentlich ALLES in den eigenen Händen. Von den Songs bis zum Design, das unser Sänger Richard macht. Auch beim Mixen und Mastern waren wir dabei. Klar, Dinge wie Booking und Promo geben wir gerne an Leute ab, die sich – im Gegensatz zu uns! – damit auskennen. Aber alles Kreative werden wir auch in Zukunft zu 100% selber machen.

Eure Texte sind in der Regel frei von Parolen und plakativen Sprüchen. Dafür bieten diese viel Spielraum für eigene Interpretationen. Für mich als Hörer macht das eine Band erst richtig interessant, weil man sich so umso intensiver mit Band und Songs auseinander setzen muss. Ist das so gewollt, d.h. wollte Ihr die Menschen zum Nachdenken animieren, oder ist das so einfach Euer Ding?

Ich bin natürlich immer froh, wenn sich die Leute ihre eigenen Gedanken machen, und ich halte die Szene auch nicht für so unmündig, dass ich ihnen alles haarklein erklären müsste. Die besten Texte waren doch immer die, bei denen man als Hörer seine eigene Interpretation im Kopf hat. Ging mir selbst vor allem bei meinen Lieblingsbands Lifetime und Mineral immer so. Allerdings ist das bei uns nicht explizit geplant, sondern einfach die Art, wie Dennis und ich Texte schreiben.

Für den Titel des neuen Albums gilt das ebenso. Welche Jugend mutiert? Ein Ruf an die Punkrockszene, deren Teil ihr ja nun schon lange seit? Oder an die heutige Jugend allgemein, der in zunehmenden Maße alles egal zu ein scheint („Mach’s dir schön einfach und bequem“ aus Unter Kannibalen)?

Auch das ist frei interpretierbar. Für mich persönlich geht der Titel eigentlich eher um meine eigene Jugend, die sich zu etwas anderem entwickelt: Ich bin ja keine 18 mehr, fühle aber trotzdem noch dieselbe Wut, dieselbe Unzufriedenheit, wie am Anfang. Man wird älter, Dinge verändern sich, Jugend mutiert. Aber die Gefühle bleiben dieselben. Darum geht es für mich bei dem Titel. Von oben herab die „Jugend von heute“ zu be- oder verurteilen, wäre nicht so mein Ding. Klar finde ich Vieles Scheiße, aber jede Generation hat doch das Recht auf ihre eigenen Fehler und Ansichten.

Ihr seit ja nun auch schon soweit ich weiß Mitte dreißig (so wie ich auch). Was inspiriert Euch und treibt euch immer wieder an auf Tour und auch ins Studio zu gehen? Ist es einfach der Drang Musik zu machen oder auch der Welt zu sagen „Passt auf, hier läuft immer noch nicht alles rund.“?

Im Prinzip beide Dinge: Wir lieben einfach Punkrock. Wir lieben die Musik, die Attitüde, die Konzerte, die Szene, die Alternative zum „normalen“ Leben, die Punk uns irgendwann gezeigt hat. Dazu kommt, dass ich nur die Zeitung aufschlagen muss, um zu sehen, wie beschissen es auf der Welt überall zugeht. Umso krisenhafter sich der Kapitalismus zuspitzt, umso mehr leiden die Menschen allerorts darunter. Wie könnte ich da den Mund halten und das alles geschehen lassen?

Da Ihr ja nun schon lange dabei seit, wie hat sich die Punkrockwelt in den letzten zwei Jahrzehnten aus eurer Sicht gewandelt? Kommerzialisierung, Fashion,… Ein kritischer Blick zurück…

Vor gut 20 Jahren erschienen Platten wie „Dookie“ und „Smash“, die auf einmal massiv in den Charts stattfanden. Dann kamen Blink 182 und Konsorten. Punk wurde gesellschaftsfähig und auch der Bankangestellte hörte Rage Against The Machine auf seinem Weg zur Arbeit. Das war vorher mit Sicherheit nicht so, da war Punk kleiner, schmutziger und gefährlicher. Aber es gibt auch heute noch eine Vielzahl von großartigen Bands und Labels, die den ursprünglichen Gedanken weitertragen. Und solange das so ist, wird Punk auch immer relevant bleiben. Auch wenn man das Publikum einer Elektroparty und einer hippen HC-Show inzwischen optisch kaum mehr auseinanderhalten kann.

Wie sieht der Rest des Jahres für Euch aus? Albumveröffentlichung, Tour mit A Wilhelm Scream, was kommt noch? Ein Blick in die Zukunft…, denn „die Frage ist nicht wo ich steh – die Frage ist wohin du gehst“ (aus Nachtsicht).

Album-Veröffentlichung und Tour klingt für mich schon mal ganz gut! Ich nehme mal an, dass nach der Tour vor der Tour ist, und es noch mindestens eine weitere bis zum Sommer geben wird. Dann kommen die Festivals, und dann – wenn es kälter wird – werden wir uns wahrscheinlich wieder verstärkt im Proberaum einfinden, um an neuen Songs zu arbeiten. Diesmal dauert es hoffentlich nicht so lange bis zum nächsten Album…

Ein Blick zurück ins letzte Jahr lässt vermuten, dass Ihr sehr viel Zeit für die Band geopfert habt. Nebenbei habt Ihr bestimmt auch noch andere Jobs. Bleibt da auch noch Zeit für die Menschen, die hinter KMPFSPRT stehen, also für Euch persönlich und Euer privates Umfeld?

Das gute ist ja: Wir sind selbst unsere besten Freunde! Gäbe es diese Band nicht, würden wir wahrscheinlich ähnlich viel Zeit zusammen verbringen. Klar, es ist mega schwierig, das ganze zu planen. Wir arbeiten alle, haben teilweise Freundinnen, usw. Aber die Band ist uns eben so wichtig, dass wir alles dran setzen, das Privatleben damit unter eine Decke zu bekommen. Zum Glück ist unser Umfeld sehr verständnisvoll und es gibt auch keine Yoko Ono weit uns breit 😉

Der Songs „All my friends are dads“ lässt vermuten, dass Ihr dieses Leben trotz all der Strapazen nicht missen wollt. Passt das, oder denkt Ihr nicht auch manchmal „Man, bald werde ich 40, ich hau mich nun doch lieber auf die Couch anstatt auf der Bühne zu stehen.“?

Nicht eine verfickte Sekunde.

KMPFSPRT - Bandfoto (schwarzweiss)

Auf der neuen Scheibe befindet sich mit Unter Kannibalen auch ein Song, der sich mit Tierrechten bzw. Vegetarismus / Veganismus beschäftigt. Ich hoffe mit meiner Interpretation liege ich hier richtig. Ihr seid ja auch alle vier Vegetarier bzw. Veganer. Allerdings lasst Ihr das – mit Ausnahme von Shirts auf Konzerten und Interviews für PETA – nicht immer offen raushängen. In Euren Texten wird das auf den ersten Blick auch nicht immer deutlich. Warum keine direkten Aussagen wie „Fleisch ist Mord? (Ich persönlich halte von diesen direkten Aussagen zum Beispiel nicht viel, da diese, auch wenn Sie der Wahrheit entsprechen, eher das Gegenteil bewirken).

Ich denke, der Fakt, dass wir mit Peta zusammenarbeiten, macht deutlich genug, dass wir Tierrechtler/Vegetarier/Veganer sind. Wer sich etwas mit der Band beschäftigt, wird das schnell rausfinden. Phrasen wie „Fleisch ist Mord“ sind zwar inhaltlich richtig, würden sich in einem unserer Songs aber schnell platt und dumm anhören. Außerdem ist mir die Tierbefreiungs-Thematik schon allein aus „strategischen“ Gründen weniger wichtig: Ohne befreite Menschen kann es keine befreiten Tiere geben, da diese ja auf uns angewiesen sind. Deswegen lege ich als Texter mein Hauptaugenmerk auf den Kampf der Menschen gegen Unterdrückung und Kapitalismus. Sich vorher auf die Tierrechts-Thematik zu stürzen, wäre – aus meiner Sicht – aus taktischen Gründen falsch.

Engagiert Ihr Euch eigentlich neben PETA und natürlich durch Eure Songs noch anderweitig für Tierrechte?

Nein, nicht wirklich.

Punkrock bedeutet ja in der Regel auch, dass man sich mit dem Geschehen auf dieser Welt auseinandersetzt und sich so auch eine eigene Meinung bildet und diese auch vertritt. Damit stößt man manchmal ja auch anderen Leuten (oft unbewusst) vor den Kopf. Besonders kompliziert wird es, wenn man dann noch Vegetarier / Veganer ist und diesen Standpunkt auch nach Außen vertritt. Hast du in Deinem Umfeld damit auch schon Probleme gehabt? Wie gehst Du damit um?

In meinem Umfeld sind eigentlich selbst fast alle Vegetarier. Aber selbst wenn es mal zu den seltenen Diskussionen mit Fleischessern kommt, passiert das immer mit respektvollem gegenseitigen Umgang. Bringt ja nichts, die Leute zu beleidigen. Positiv vorleben ist immer die bessere und überzeugendere Variante.

Von vielen „Hardcore“-Veganer hört man oft, dass Vegetarier auch nicht besser seien als Fleischesser. Gibt es innerhalb der Band auch hin und wieder mal Konflikte oder Diskussionen zwischen den beiden Sichtweisen innerhalb der Band? Und wie stehst du zu diesem Standpunkt „nur Veganer machen’s richtig“?

Mir und auch den anderen in der Band ist das alles ziemlich egal, muss ich sagen. Diese Art von Grabenkämpfen hat noch niemandem geholfen, am allerwenigsten den Tieren. Es geht uns auch nicht darum, „alles richtig zu machen“, sondern gesellschaftliche Grundvoraussetzungen zu schaffen, die einen respektvollen Umgang mit Tieren überhaupt erst möglich machen. Ob jetzt jemand Milch trinkt oder nicht, ist für mich viel weniger wichtiger, als ob er sich für den Kampf der Arbeiter gegen den Kapitalismus einsetzt. Ist ja nicht so, als würde für jeden weniger getrunken Liter Milch eine Kuh weniger ausgebeutet. Die Milch wird sowieso produziert und dann eben weggeschüttet, um die Preise stabil zu halten. Remember Milchseen und Butterberge?

Was waren Deine Gründe, die dazu geführt haben, dass du nun vegetarisch / vegan lebst? Waren die Musik bzw. spezielle Bands Auslöser?

Ja, auf jeden Fall! Ich hatte mir über das Thema nie Gedanken gemacht, bis „Start Today“ von Gorilla Biscuits mit dem Song „Cats & Dogs“ erschien. Da machte es auf einmal „Klick“ und ich habe angefangen, mich damit zu beschäftigen, Bücher zu lesen, usw. Und als ich dann noch „Meat is Murder“ von The Smiths in die Finger bekam, wusste ich: nie wieder Fleisch. Das ist jetzt 20 Jahre her. Ich bin also länger Vegetarier als ich vorher Fleischesser war.

In anderen Regionen dieser Welt, insbesondere Nordamerika und Australien, steht man einer veganen Ernährungsweise ja mittlerweile recht positiv gegenüber. Hier in Deutschland betrachtet man das ja immer noch als Gefahr für das eigene Leben. Was meist Du woran das liegen könnte? Lobbyismus und traditionelles Denken?

Wie heißt es so schön? Die herrschende Meinung ist immer die Meinung der Herrschenden. Für jeden Euro, den Tierrechtler in die Aufklärung stecken, steckt die tierverarbeitende Industrie 10000 Euro rein. Deswegen denke ich auch nicht, dass es in diesem System je zu einer Befreiung der Tiere kommen kann.

Wie macht ihr das, wenn ihr auf Tour seit? Vegetarische Gerichte findet man ja mittlerweile an jeder Ecke. Mit veganen Gerichten ist das ja immer noch so eine Sache, auch wenn sich das zunehmend ändert.

Auf unserem Rider steht: Vegetarisch, wenn möglich vegan. Bisher hat das eigentlich auch immer ziemlich gut geklappt! Klar, Ausnahmen gibt es immer („Wie, auch kein Speck?!“), aber die sind zum Glück selten.

Trefft Ihr Euch eigentlich auch privat (ohne KMPFSPRT im Kopf), um mal in der Küche gemeinsam was zu zaubern? Wer ist denn DER Koch in der Band?

Zusammen gekocht haben wir in der Tat noch nie, da saufen wir eigentlich lieber. Wenn ich mir jemanden aussuchen müsste, wäre das aber mit Sicherheit Dennis. Von dem weiß ich, dass er ein hervorragender Koch ist.

Zum Schluss. Verrätst du uns noch dein (veganes) Lieblingsrezept, das ich dann mal für meine Familie kochen könnte.

Nimm Tofu, Nudeln, Paprika, Brokkoli, Zwiebeln, Tomaten, Salz und Pfeffer. In beliebiger Art kombinieren: fertig. Immer gut.

 

Vielen Dank an David Schumann für das Interview und Mirko von Uncle M, der das Interview erst möglich gemacht hat.

Hinweis: Die Fotos wurden mir freundlicherweise von Uncle M zur Verfügung gestellt.