reinhören: kmpfsprt – jugend mutiert

KMPFSPRT - Jugend Mutiert CoverEine halbe Ewigkeit ist seit der Veröffentlichung der Das ist doch kein Name für eine Band-EP ins Land gezogen. Mit grade einmal sechs Songs im Gepäck folgten unzählige schweißtreibende Konzerte und Touren durch die Republik. Nun steht endlich das lang erwartete und mit reichlich Vorschusslorbeeren überschüttete Debütalbum Jugend Mutiert von KMPFSPRT in den Plattenregalen. Und da die vier Kölner nicht gerne um den heißen Brei reden, komme ich auch gleich auf den Punkt: Die Jungs haben nicht nur pausenlos auf der Bühne gestanden. Nebenbei haben sie vor allem eins gemacht, ein verdammt gutes Punkrock-Album aufgenommen.

Getrieben von einem druckvollen Schlagzeugspiel und fetten Gitarrenriffs brettern elf dynamische Songs mit viel Drive aus den Boxen. Verziert mit herrlichen Melodien, die sich für ein wenig Pop nicht schämen müssen, einem wundervollen Wechselgesang –meist rau und wütend, aber in den richtigen Momenten klar und melodisch – und packenden Refrains zünden die eingängigen Songs sofort und bleiben nachhaltig hängen.

Das liegt nicht zuletzt am Sound und am bestechenden Songwriting, vor allem aber an den intelligenten Texten. Richard und David singen und schreien nach wie vor in deutscher Sprache. Setzen sich mit viel Witz, Ironie und Wut mit ihrer eigenen Generation und den Erwartungen der Gesellschaft an eben dieser auseinander. Ohne sich plakativer Sprüche und Phrasen zu bedienen, nennen Sie die Dinge zumeist offen und direkt beim Namen, lassen uns jedoch einen weiten Spielraum für eigene Interpretationen. Scheitern hier viele Bands, liefern KMPFSPRT gleich elf große Momente ab.

„Zu taub das Elend zu hören, zu blind das Leben zu sehen, zu ignorant zu verstehen.“

Der Refrain aus Unter Kannibalen ist nicht nur einer der stärksten Sätze, die ich in puncto Tierrechte bisher gehört habe. Im gleichen Atemzug lassen sich diese Worte auf Umwelt- und Menschenrechte übertragen, ohne an Gewicht zu verlieren. Das geht wie das bittersüße Atheist einfach unter die Haut.

„Und so wie jedes Mal ist das Wort zum Sonntag schade. War das Wort zum Freitag Bier und das Wort zum Samstag Kater. Und immer so allein. Allein überbewertet. Dazwischen etwas Licht und gerade das erschwert es.“

Diese Qual kennt jeder, das sticht ins Herz. So könnte man aus jedem Song zitieren, denn ein jeder trifft ins Schwarze. Musikalisch wie textlich ist Jugend Mutiert ein mitreißendes Album, das unsere Aufmerksamkeit fordert und diese mehr als verdient. Eine gelungene Mischung aus erwachsener Reife und jugendlicher Frische.

Und so können wir froh sein, dass sich die vier Herren nicht dazu entschieden haben Makler oder Banker (aus All My Friends Are Dads) zu werden, sondern ihre Liebe mit Namen „Punkrock“ leben.

Und wenn als das die Welt nicht versteht, dann muss die Welt halt lernen. (aus Theorie der guten Chance)

KMPFSPRT – Jugend Mutiert

VÖ: 31.Januar 2014
Label: Uncle M

Trackliste
01. Nachtsicht
02. All My Friends Are Dads
03. Am Ende Hell
04. Halt. Nein. Anders.
05. Musikdienstverweigerer
06. Atheist
07. Theorie Der Guten Chance
08. Keiner Von Millionen
09. Unter Kannibalen
10. Herzattack-ack-ack
11. Gute Reise

Hinweis: Das Coverfoto und eine Promoversion des Albums wurden mir freundlicherweise von Uncle M zur Verfügung gestellt.