Konzertbericht: Captain’s Diary live in Oberhausen

Freitagabend. Neues Album. Releaseparty. Grund genug für Sebastian Müller alias Captain’s Diary Freunde, Bekannte und Unbekannte in seine Stadt zu laden, um aus seinem Tagebuch zu erzählen. Eben dieses hat seit vergangenem Freitag ein neues Kapitel mit dem feinen Titel Als Munition die Illusion. Und so führte mich mein erstes (!) Konzert in diesem Jahr ins Oberhausener Druckluft.

Verspätet eingetroffen verpasse ich bis auf die letzten beiden Songs fast das komplette Set von Kukalaka. Bin enttäuscht, nicht wegen dieser beiden Songs, denn die waren gut. Vielmehr könnte ich mir grade selbst in den Hintern treten. Drängt sich doch schlagartig die Gewissheit in den Vordergrund etwas verpasst zu haben.

Gut, ich mache das Beste draus, applaudiere kräftig und laut, dies in der leisen Hoffnung, dass Still Waiting For Summer, so der Name des Herrn, der nun auf der Bühne steht, die Enttäuschung ein wenig zu mildern vermag. Doch wie das so ist, passiert genau das nicht. Mit seinen Songs über Herzschmerz und die vergangene Liebe werde ich nicht warm, was nicht an Herzschmerz und der Liebe liegt. Auf eine ganz bestimmte Art klingt das nicht echt, vielmehr frei erfunden und ohne Emotion. Da ist sie wieder, diese Enttäuschung. Denn nun erinnere ich mich wieder daran, warum ich zu spät gekommen bin und wünsche ich hätte mir dafür noch ein wenig mehr Zeit genommen.

Doch so spielt das Leben. Und davon erzählt der Captain, der bereits mit seiner Klampfe auf der Bühne steht. Erster Song und schon bin ich ganz Ohr. Es folgt ein buntes Set aus alten und neuen Songs des an diesem Tag veröffentlichten Albums. Zunächst allein auf der Bühne, sorgen die rein akustischen Songs für die gefühlvollen Momente an diesem Abend. Und ja, man nimmt dem Typen auf der Bühne ab, was er da erzählt. Das liegt nicht zuletzt an dem „wie“, dann das klingt frei von Pathos ehrlich und authentisch. So lässt man sich treiben und genießt den Augenblick. Dann ruft er die Band auf die Bühne. Herrschte bisher eine ruhige Atmosphäre in der alten Kammer des Drucklufts, wird nun ordentlich gerockt. Nun zeigten sich die anderen, die stürmischen Seiten und Geschichten aus dem Tagebuch des Captains. Diese sind nicht minder fesselnd, tragen gar einen Hauch von Punkrock, und ich frage mich des Öfteren, warum die vier Jungs nicht mal was zusammen auf die Beine stellen? Nach vielen Zugaben findet der Abend ein wie immer viel zu frühes Ende. Tief in Gedanken und Musik versunken werfe ich einen Blick auf die Uhr. Fast neunzig Minuten sind seit dem ersten Song vergangen, was ich irgendwie nicht glauben mag. Vielleicht, weil ich das Gefühl für Zeit kurzerhand vergessen hatte.

Ich überlege noch, ob mir die Songs nur mit Akustikgitarre oder doch mit Band besser gefallen haben. Komme jedoch zu dem Schluss, dass beide Varianten ihren ganz eigenen Charme hatten und der Auftritt insgesamt großartig war. Daher „Vielen Dank für diesen tollen Abend“.