Konzertbericht: Ox25-Festival

25 Jahre OX-Fanzine. Seit einem Vierteljahrhundert, das muss man sich wirklich mal auf der Zunge zergehen lassen, quälen uns Joachim Hiller und Familie nun schon mit feinen Stories, Interviews und einer unfassbar großen Anzahl von Plattenreviews. Das alles in einer unverschämt kleinen Schriftgröße und zumeist trüber schwarz-weiß Optik. Nein, im Ernst. Ich lese das OX-Fanzine (erst) seit 22 Jahren, weit mehr als die Hälfte meines Lebens, und rückblickend kann ich mir nicht vorstellen wie die hiesige musikalische Undergroundlandschaft ohne das OX-Fanzine aussehen würde. Mit großer Wahrscheinlichkeit wäre diese nicht annähernd so bunt und lebendig, wie sie sich heute in all ihren Facetten zeigt.

25 Jahre! Grund genug für eine fette Geburtstagsparty. Diese fand am letzten Freitag in Solingen, der Heimat des OX-Fanzines, im Getaway statt. Mit vielen treuen Anhängern, Freunden und fünf Bands, die zumindest einen kleinen Teil des musikalischen Spektrums des OX-Fanzines abdecken, wurde einen Abend lang gefeiert.

Ox25-Festival, 07.02.2014, Solingen / Getaway

Pünktlich um 20.00 Uhr legten Love A los. Rotziger Rock, mit einer großen Prise Punkrock und einer kleinen Prise Pop. Dazu wortgewandte Geschichten über den Alltag und das Leben. Ja, das gefällt.

Woah, es gibt sie noch. Diese Hochgeschwindigkeitsattacken ala Drop Dead, Siege oder Infest. Vitamin X prügeln ähnlich ungezügelt mit kurzen prägnanten Songs alles nieder. Dabei immer gut gelaunt und mit einem Lächeln im Gesicht. So klappt auch der Versuch die ersten Reihen in Bewegung zu setzen. Das ist Power, das ist Adrenalin pur.

Asta Kask sind einer der Bands, die ich live nie verstanden habe. OK, auch kein Wunder. Der schwedischen Sprache bin ich schließlich nicht mächtig. Doch zum Glück haben die vier Schweden ihren Platten oftmals ein Textblatt in englischer Fassung beigelegt. Die Texte oder vielmehr deren Aussagen im Hinterkopf, konnte man so jede Show einfach nur genießen. So auch an diesem Abend. Melodiöser, eingängiger Punkrock, den man viel besser nicht bringen kann. Jeder Song ist ein Hit, ein Hit, ein Hit. Ganz groß und genauso meine ich das auch. Joachim Hiller schien ebenso begeistert, wünschte sich noch einen Song am Ende des Sets, der natürlich zur Freude aller Anwesenden auch gespielt wurde. Schließlich kann man dem Geburtstagskind ja keinen Wunsch abschlagen.

Anschließend ging’s mit einer feinen Mischung aus bratzigen Street- und melodischem Punkrock aus dem sonnigen Kalifornien weiter. Die Generators aus der City of Angels – für mich mittlerweile die besseren Social Distortion, doch lassen wir das – bieten eine gewohnt gute Show, einen bunten Querschnitt aus allen Alben und zum ersten Mal an diesem Abend erblüht das Leben vor der Bühne.

Zum Finale treten The Ruts DC auf die Bühne. Man, die drei Herren sind schon weit über sechzig und legen ein solch druckvolles Set hin, dass mir fast die Ohren weg fliegen. Treibende Rocksongs, mit leichten Punkeinflüssen und fetten Reggae-Beats, werden mit solch einer enormen Spielfreude, was man den Gesichtern auf der Bühne permanent ansehen kann, perfekt auf den Punkt gebracht. Eins wird bei diesem Auftritt klar, sollte man dieses Alter irgendwann auch mal erreichen, gilt es genauso lebendig und lächelnd das Leben zu leben und seine Punkattitüde nicht zu vergessen. Die Songs zünden alle samt gleich mit den ersten Akkorden. Auch die Texte sprechen, wenn auch schon über dreißig Jahre alt, immer noch eine aktuelle Sprache. Das ist sicherlich traurig – auf diesem Planeten hat sich nichts Wesentliches geändert -, spricht jedoch auch für den Weitblick der Band. Verdammt, sind die gut. Ein perfekter Abschluss für diesen großartigen Abend.

Danke OX-Fanzine. Danke für 25 Jahre und 112 Ausgaben. Danke für Leidenschaft, große Stories und all die ehrlichen Worte.

Hinweis: Neben den erwähnten fünf Bands spielten mit Blank When Zero, Ärger Now! und Church Of Cycology drei weitere Combos im kleinen Café des Getaway. Aufgrund der frühen Stunde und der beiden sich überschneidenden Timetables habe ich diese leider nur kurz sehen können bzw. in Gänze verpasst. Erwähnt werden sollen diese hier trotzdem.