Konzertbericht: A Wilhelm Scream live in Bochum

A Wilhelm Scream - KMPFSPRT - TourplakatIm letzten Jahr bewiesen A Wilhelm Scream mit ihrem neuen Album Partycrasher, dass sie trotz langer Auszeit weiterhin zur Speerspitze in Puncto melodischer Punkrock gehören. Nun sind die Jungs auch endlich wieder hierzulande unterwegs, um neue wie alte Songs live zu präsentieren. Und wer die fünf Amerikaner schon mal live gesehen hat weiß, dass man jede Gelegenheit nutzen sollte eine A Wilhelm Scream Show zu besuchen. Daher war auch alles klar, als die Termine für die Tour gesetzt waren. Nur wenig später stand im Kalender in dicker schwarzer Schrift:

A Wilhelm Scream + KMPFSPRT, 21.02.2014, Bochum / Riff


Beginn sollte um 20.00 Uhr sein. In der Regel ist das ja nicht mehr als ein schlechter Witz. Doch ein netter Hinweis von Uncle M (das neue Label von KMPFSPRT) via Twitter sorgte dankenswerter Weise für Klarheit. 20.00 Uhr war kein Scherz, sondern, nahezu unmöglich, Realität. Also früher losfahren, entspannt im Feierabendverkehr stehen, macht ja Spaß, diverse Verkehrsregeln in Bochum missachten, man will ja schließlich doch noch rechtzeitig vor der Bühne stehen, nur um dann trotzdem den ersten Song vom Parkplatz aus hören zu müssen. Denn KMPFSPRT eröffneten diesen Abend pünktlich auf die Minute und, war ja klar, mit einem der besten Songs des neuen Albums. Doch Unter Kannibalen kommt auch ohne die Band zu sehen richtig gut. Guter Song eben.

KMPFSPRT habe ich im letzten oft, sogar sehr oft, gesehen und war stets begeistert. Nun das erste Konzert in diesem Jahr und es hat sich nichts geändert. Stimmt nicht wirklich, denn die Jungs haben ja ein neues Album draußen und daher gibt es nun mehr als nur sechs „offizielle“ Songs zu hören. Die scheppern live genauso gut wie auf Platte, dazu die gewohnt schweißtreibende Bühnenshow und der Abend findet einen mehr als überzeugenden Beginn. Lediglich die Stimme des Geburtstagskindes David Schumann geht aufgrund eines miesen Sounds ein wenig unter. Schade, da so das sonst so harmonische Wechselspiel am Gesang fast völlig verloren geht. Ok, ist ja eine Punkrockshow und bei den vier sympathischen Kölner sieht man da auch mal gerne drüber hinweg. Darüber hinaus fällt auf, dass das neue Album Jugend mutiert sich nicht nur gut verkauft sondern auch recht gut angekommen ist. In den ersten Reihen wird zumindest ziemlich textsicher und laut mitgesungen. Insgesamt wieder ein gewohnt großer Aufritt, der leider nach nur 45 Minuten mit Affengeld ein viel zu frühes Ende findet.

Nur recht kurzer Umbaupause standen auch schon A Wilhelm Scream auf der Bühne, legen mit Boat Builders los und hatten die Zuschauer im Riff, zumindest in den ersten Reihen, sofort im Griff. Die Jungs aus New Bedford entfachen von der ersten Sekunde ein virtuoses Feuerwerk, das zu keiner Zeit auch nur ansatzweise abflacht. Im Gegenteil. Was auf Platte schon richtig gut rüberkommt, löst live einfach nur pures Staunen aus. Die Finger fliegen über die Saiten, sowohl an den Gitarren als auch am Bass. Dabei wird auch noch gesungen und gesprungen. Musik hin oder her. Es macht einfach Spaß diesen Jungs zuzuschauen, denn was hier abgeliefert wird ist einfach beeindruckend. Ebenso viel Spaß scheint an diesem Abend Nuno Pereira zu haben, denn der singt, schreit und rennt mit einem Dauergrinsen im Gesicht über die Bühne. Um kurz nach zehn ist dann leider schon Schluss. Die Enttäuschung über das recht frühe Ende ist sowohl den Zuschauern als auch der Band auf der Bühne anzusehen, was man dem traurigen, fast fassungslosen Gesicht Nuno Pereiras deutlich ansehen kann. Ein verzweifelter Blick zum Mischpult und schließlich dürfen A Wilhelm Scream noch eine Zugabe spielen. Ganz großer Auftritt voller Spielfreude, Dynamik und technischer Klasse.

Danke KMPFSPRT. Danke A Wilhelm Scream.

Ein toller Abend mit dem bitteren Beigeschmack, dass ein Konzert den Betreibern des Riffs weniger wichtig ist als das Discotreiben am Freitagabend. Anders lässt sich das frühe Ende und der straffe Zeitplan nicht erklären. Ein Konzertbesuch im Riff wird daher für mich die Ausnahme bleiben. Sollte es eine Alternative geben, wird es keinen Konzertbesuch im Riff mehr geben.