Konzertbericht: Code Orange Kids live in Essen

Kleiner Club, intime Atmosphäre, meist ein guter Sound und immer auf Augenhöhe mit den Bands. Konzerte im Essener Café Nova waren in der Vergangenheit immer etwas Besonderes. Letzten Freitag besuchten nun die Code Orange Kids das Café Nova, die seit ihrem Debutalbum Love Is Love / Return to Dust, das 2012 auf Deathwish erschienen ist, zu meinen Lieblingsbands gehören und nun auf ihrer ersten Headlinertour, so dachte ich zumindest, mit Twitching Tongues durch Europa unterwegs sind.

Code Orange Kids - Essen / Cafe Nova

Code Orange Kids, Twitching Tongues, Kings Of Forlorn Lands, No Respite
21.03.2014 – Essen / Café Nova

Wie so oft war nur via Facebook veröffentlicht worden welche lokalen Bands den Abend eröffnen werden. Für alle diejenigen, die sich nicht in der Facebookwelt verlieren, ist das pünktliche Eintreffen an der Location daher auch immer ein kleines Glücksspiel. Mal wird man positiv überrascht, mal ärgert man sich seine Zeit nicht anderweitig genutzt zu haben. Wie dem auch sei. Um kurz nach acht legten No Respite los und und meine Stimmung pendelte zwischen den Extremen. Ja war ganz nett, aber haut mich jetzt auch nicht vom Hocker. Recht temporeicher Punkrock mit einigen guten Gitarrensoli, doch irgendwie wirkt das recht gekünstelt und zerfahren. Daher nicht wirklich mein Ding. Doch die vier Jungs auf der Bühne und einige wenige Zuschauer hatten offensichtlich ihren Spaß.

Über die aktuelle Scheibe der Kings Of Forlorn Lands bin ich vor längerer über deren Bandcampseite gestolpert, daher wusste ich auch, wohl im Gegensatz zu vielen der nun Anwesenden, was mich in den nächsten gut 25 Minuten erwarten würde. Düsterer Hardcore, der mit jedem Song eine nicht weniger beklemmende Atmosphäre aufbaut. Intelligente und anspruchsvolle Songstrukturen voller Disharmonien sorgen jederzeit für überraschende Momente und für ein intensives Liveerlebnis, das einem musikalischen Drama gleicht. Erschreckend wütend, schwer und erdrückend. Vor allem aber erschreckend gut. Ein Blick in die Runde zeigt fassungslose und missmutige, aber auch viele staunende und begeistere Gesichter. Meine Wenigkeit zumindest war und ist begeistert. Und so zählt dieser Auftritt definitiv zu den anfangs erwähnten positiven Überraschungen.

Die nächste Überraschung folgte umgehend, denn nicht Twitching Tongues sondern die Code Orange Kids betraten nun die Bühne. So viel zur ersten Headlinertour. Das Café Nova war nun auch richtig voll und ich hatte mich schon damit abgefunden von den üblichen Mosh- und Kickboxmachos verschont zu bleiben. Doch die Realität holte mich recht schnell wieder ein. Wo kein Raum für ist für diese egoistischen Einlagen wird eben dieser kurzerhand geschaffen, indem man wahllos in die Zuschauer rennt und springt. Doch warum schon wieder aufregen? Lieber lasse ich das Chaos auf der Bühne auf mich niederbrechen, denn genau das zelebrieren die vier „Kids“ in der nächsten halben Stunde. Mit anderen Worten, zumindest wenn man sich auf wenige beschränken mag, kann man die Musik der Code Orange Kids auch nicht beschreiben. Wie auf Platte gleichen die Songs auch live einer brutalen Abrissbirne, die selbst in ruhigen Momenten schonungslos um sich schlägt. Und wieder einmal begeistert Jami Morgan an den Drums, während er nebenbei ein perfektes Gesangsspiel mit Gitarristin Reba Meyers abliefert. Nur eins von vielen kleinen aber eindrucksvollen Bruchstücken eines souveränen und großartigen Auftritts, der in Zukunft ruhig ein wenig länger ausfallen könnte, nein sollte. Die anschließende Umbaupause diente dann übrigens durchweg dazu das Chaos im eigenen Kopf wieder zu sortieren

Nun waren also Twitching Tongues die Headliner an diesem Abend. Um es vorweg zu nehmen oder um es auch dabei zu belassen, ich habe mich während des kompletten Sets gefragt, warum diese Band eigentlich so gehypt wird. Sorry, aber die selbsternannten Massakrierer der Melodie (siehe Bandpage) waren überhaupt nicht mein Ding. Eine Mischung aus Type O Negative, Danzig und Hardcore waren meine ersten Gedanken. Jedoch eine Mischung, die alles andere als ansprechend war. Das permanente Wechselspiel zwischen ruhigeren Parts und immer gleichen zumeist eintönigen Mosh- und Doublebassprügeleien wirkte nie als homogene Einheit. Im Gegenteil. Auf Dauer war das ermüdend und schlicht langweilig. So kamen die Moshparts eher als verzweifelter Versuch daher den Songs eine extrem harte Seite aufzwingen zu wollen, um nicht aufgrund des eher ruhigeren Gesangs und der erwähnten ruhigen Momente zu soft und zu weich rüberzukommen. Nach einem ebenfalls sehr kurzem Auftritt beendeten die fünf Jungs aus Kalifornien den Abend, der sich aufgrund zweier großartiger Bands – Code Orange Kids und Kings Of Forlorn Land – wieder einmal gelohnt hat.

Hinweis: Das Bildmaterial wurde mit Genehmigung von Positiv Records in diessen Beitrag eingebunden.