reinhören: Fjørt – D’accord

Fjort - D'accord CoverVon finsteren Träumen verfolgt, von einer inneren Verzweiflung zerrissen, stellt man sich den eigenen Ängsten, sucht Antworten auf die existenziellen Fragen, sehnt sich nach Halt und Hoffnung in all der Hoffnungslosigkeit, kämpft mit der eigenen unbändigen Wut. Ein Kampf bis zur völligen Erschöpfung, ohne Atempause, bis schließlich alles in sich zusammen bricht. Bis da nichts mehr ist. Und aus diesem Nichts entsteht plötzlich Neues. Daraus schöpft man Kraft. Daran wächst man, gewinnt man Größe, sprengt Grenzen, baut Brücken, hört auf Trost zu suchen, fängt an Trost zu sein.

Bildgewaltige Worte und Stimmungen, die das Debütalbum von Fjørt jedoch nur ansatzweise beschreiben. Auf D’accord spielen und experimentieren Fjørt mit Worten und Emotionen, mit Ängsten und Akkorden auf eine derart effektive Weise, dass sich das Hören dieses Albums zu einem Nervenkitzel entwickelt. Zu einem spannenden Spiel. Zu einem intensiven Gefühlserlebnis. Und das immer und immer wieder aufs Neue.

Chris, David und Frank beweisen hier ein feines Gespür für fesselnde Songstrukturen und schaffen es in jedem Song einen Spannungsbogen aufzubauen, der zu keiner Zeit auch nur ansatzweise zerbricht. Im Gegenteil, man ist gefesselt, kann und mag nicht mehr loslassen. Will verstehen, muss verstehen, denn die düsteren Bilder, die die drei Jungs hier malen, sind schlicht ergreifend, sind bewegend. Offenbaren auf den ersten Blick jedoch nur wenig. Machen im Gegenzug jedoch neugierig. Spürt man doch sogleich den Drang sich mit diesen Bildern auseinanderzusetzen und hinter die Farben zu schauen. Dies in der Gewissheit, dass jedwede Interpretation, jeder Blick einem Drahtseilakt gleicht.

„Das ist nicht was Du denkst. Das ist nicht was Du meinst. Das ist nicht was sein kann.“ (aus Schnaiserkitt)

Währenddessen pendelt der Gesang von Chris zwischen klar und schreiend, pendeln die Instrumente zwischen sanften anmutigen Melodien und wütenden zerstörerischen Ausbrüchen. Trotz zahlreicher Versatzstücke, gebrochener Akkorde und fernab gängiger Songstrukturen ist das alles in sich stimmig, wirkt niemals anstrengend oder gar ermüdend. Trotz der Wut und der Verzweiflung scheint man mit sich im Reinen. Und so trifft D’accord von der ersten Sekunde an in Nerv und Herz. Ein verdammt großes Album. Und genauso meine ich das.

Fjørt – D’accord

VÖ: 21. März 2013
Label: This Charming Man

Trackliste
01. D’accord
02. Schnaiserkitt
03. Valhalla
04. Von Welt
05. Hallo Zukunft
06. Für Elise
07. Gescholten
08. Fauxpas
09. Atoll
10. Passepartout

Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurden mir freundlicher Weise von Backstage Broadcast PR zur Verfügung gestellt.