reinhören: more than life – what’s left of me

More Than Life - What's Left Of Me ArtworkVor vier Jahren sorgte Love Let Me Go für viel Aufsehen im Hardcore-Underground und sollte zugleich das letzte Kapitel in der kurzen Geschichte von More Than Life sein. Doch in der Folgezeit ist scheinbar viel passiert im Leben von More Than Life. Anlass genug die Geschichte fortzuschreiben. Das neue Kapitel trägt den Titel What’s Left Of Me und ist am 18. April 2014 auf Holy Roar Records erschienen.

Und das klingt zunächst einmal nach den Alben der Vergangenheit. Dunkler, melodischer Hardcore mit melancholischer Stimmung steht weiterhin im Vordergrund. Doch die fünf Briten haben den Schritt über die Genregrenzen gewagt und ihr Repertoire um eingängige Alternativ- und Indieelemente, mehrstimmigen Gesang und Akkustikparts erweitert. Tempo und Härte wurden mit wenigen Ausnahmen wie im wütenden You’re Not Alone gedrosselt, sind jedoch, wenn auch dezenter, weiterhin vorhanden. Im gleichen Atemzug haben die fünf Briten die Intensität, die allen Songs innewohnt, noch einmal steigern können. Ein gewachsenes Songwriting, die Fähigkeit Spannungsbögen in den richtigen Momenten aufzusetzen und viele kleine Details wie der Wechsel zwischen cleanen und schreienden Gesang transportieren die Atmosphäre auf eine ganz neue emotionale Ebene, die nicht nur authentisch wirkt, sondern Herz und Nerv vollends trifft.

Verzweiflung und Leiden können so schön klingen

Geblieben sind alte Stärken wie treibende Gitarrenriffs und ein druckvolles Schlagzeugspiel, denen nun jedoch weitaus mehr Freiraum zugestanden wird. So ziehen sich Gitarren und Drums vermehrt dezent in den Hintergrund zurück, spielen mit sanften und bezaubernden Klängen, erschaffen eine gefühlvolle Stiimung und verstärken so den Gesang und die Texte von Frontmann James Matthews. Der leidet und verzweifelt nach wie vor mit jeder Silbe, mit jedem Wort. Er weiß wie man auf bewegende Art und Weise persönliche Geschichten erzählt, die dem Hörer das Gefühl geben echt zu sein, so dass man geneigt ist es im gleichzutun. Leiden, verzweifeln, sich selbst immer wieder anzuklagen. Von diesen Gefühlen erzählen alle Songs auf diesem Album, wobei insbesondere die Vorabsingle Do You Remember und das bittersüße More Than Life für einen Hauch von Gänsehaut sorgen.

„I love you more than life, but you are killing yourself.”

Doch auch das ist einer der Stärken von More Than Life. Melancholie, Traurigkeit und bisweilen auch Wut werden in ein schönes Gewand gekleidet. Man spürt Hoffnung, den Blick nach vorn. Man lernt zu vergeben, vor allem sich selbst. Insgesamt ist What’s Left Of Me ein sehr emotionelles Album geworden, dass mit schönen aber auch traurigen Momenten zu überzeugen weiß und keine Genregrenzen kennt. Ein harmonischer Mix aus Härte und Gefühl. Genauso mag ich Hardcore. Und deswegen mag ich dieses Album.

More Than Life – What’s Left Of Me

VÖ: 18. April 2014
Label: Holy Roar Records

Trackliste
01. Asleep
02. Weight of the world
03. What’s left of me
04. You’re not alone
05. Threshold
06. Seasons change
07. Do you remember
08. Sometimes
09. Love is not enough

Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurde mir freundlicherweise von Backstage Broadcasting zur Verfügung gestellt.