Konzertbericht: I Am Heresy und Wolves Like Us live in Essen

I Am Heresy - Cafe Nova Essen - Tour 2014Im Februar haben I Am Heresy ihr zweites Album Thy Will veröffentlicht. Dieses wurde im Gegensatz zu den Vorgängerscheiben nicht auf End Hits Records sondern auf Century Media veröffentlicht. So gab es in diesem Jahr auch keine Headlinertour wie noch im Vorjahr, vielmehr begleiteten die Jungs um Boysetsfire-Sänger Nathan Gray die Norweger Wolves Like Us auf ihrer Europatour. Ob das nun eine Entscheidung des neuen großen Labels gewesen sein mag? Nein, das wäre jetzt wirklich zu ketzerisch. Wie dem auch sein, am 12. April besuchten beide Bands das Cafe Nova in Essen. Das ist hier ganz in der Nähe, daher irgendwie schon ein Muss, also hin.

Der Veranstalter des Abends war wie so oft in der jüngeren Vergangenheit Positive Records und daher eröffneten zwei lokale Bands den Abend. Den Beginn machten Mayak aus Bielefeld, die mit einem düsteren Mix aus Hardcore und Metal – nein, kein Metalcore – für eine klirrende Kälte im gut besuchten Cafe Nova sorgten. Treibende Doomparts, griffige Sludgeriffs und ein paar gute Punkrockhooks verleihen den Songs Ecken und Kanten ohne wüst und chaotisch zu klingen. Vielmehr kommen die Songs recht abwechslungsreich daher und hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Kleiner Tipp: unbedingt mal in die Songs auf der Bandcampseite der Band reinhören. Die geben schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf das kommende Album. Lohnt sich.

Weniger düster machen dann Forever Young Viktoria aus Gelsenkirchen weiter. Mehr Rock, mehr Punkrock und immer noch jede Menge Hardcore. Flottes Tempo und eine prima Show insbesondere der beiden Gitarristen, ja das macht Spaß. Leider fiel der Gesang einem sehr miesem Sound zum Opfer, worunter der Auftritt insgesamt zu leiden hatte. Schade, denn die vier Jungs boten wirklich eine schweißtreibende Nummer sowohl auf als auch vor der Bühne.

Die folgenden dreißig Minuten waren dann eine Lehrstunde in puncto Glaubensunterricht. Nathan Gray bereitet diesen höchstpersönlich vor, zündet Räucherstäbchen an, bringt den Plastiktierschädel in Position. Im Hintergrund malt ein düsteres Bild die Umrisse eines Waldes. Das Licht wird gedämmt und I Am Heresy sagen Religionen, ihren Gottheiten und ihren heiligen Versprechen einen unerbittlichen Kampf an. In dreizehn Hasstiraden prügeln die sechs Jungs aus Delaware den Zuschauern jeden Funken Glauben, insofern vorhanden, aus der hintersten Ecke der Seele. Leider versteht sich der Mann am Mischpult immer noch nicht mit dem Sound am Mikro, denn der ist weiterhin recht bescheiden. Sogar so bescheiden, dass Nathan Gray sein Mikro wutentbrannt auf den Boden schmettert. Passt irgendwie. Zum Glück versteht man in der ersten Reihe auch ohne Mikro jedes Wort, zumal er seine Texte mit den entsprechenden Gesten und Posen gekonnt in Szene setzt. Die technischen Probleme nehmen die Jungs schließlich mit Humor und erschaffen auch so ein musikalisches Gewitter, das insbesondere in dieser kleinen Location den Körper zum Beben bringt. Ein teuflisch guter Auftritt (in doppelter Hinsicht), der leider viel zu kurz ausfällt und auf eine weitere Tour als Headliner hoffen lässt. Nach dem Auftritt steht Nathan Gray wie verwandelt am Merchtisch. Eben noch hasserfüllt, nun everybody‘s Darling bei Fotoshooting und Smalltalk.

Wolves Like Us kannte ich bisher nur auf Platte. Ehrlich gesagt nicht so mein Ding. Zumindest bisher, daher waren meine Erwartungen auch nicht so groß. Gut, denn so war die Überraschung umso größer, denn live wissen die vier Norweger durchaus zu überzeugen. Enorm druckvoll geht es zu Sache, der Sound ist super, was am eigenem Mann am Mischpult liegen könnte, Bass und Drums sind laut und schwer und beide Sänger untermalen mit ihrem Gesang die dunkle Grundstimmung der Songs, die mit richtig viel Wums ordentlich rocken. Die vier beherrschen ihr Ding. Der insgesamt gute Auftritt findet in einer interessanten Zugabe ein ungewöhnliches Finale. Bass und Gitarren werden kurzerhand den völlig überraschten Zuschauern um die Schultern gehangen, während Sänger und Gitarrist Larsh Kristensen das Schlagzeug bearbeitet. Prima, noch was zum Schmunzeln am Ende eines tollen Abends. Doch das Cafe Nova sollte sich mal Gedanken über die Männer am Mischpult machen. Es hätte auch ganz groß werden können…

Hinweis: Das Bildmaterial wurde mit Genehmigung von Positiv Records in diessen Beitrag eingebunden.