Konzertbericht: Uncle M Fest 2014

Das Münsteraner Liebhaberlabel Uncle M ist ein Jahr älter geworden – wir dürfen nun schon bis zwei zählen und natürlich gratulieren – und hat daher am 30. April zum Uncle M Fest in den Skaters Palace in Münster geladen. 400 treue Zuschauer und acht Bands sind der Einladung gefolgt, um gemeinsam mit der Uncle M Crew zu feiern. Nachdem das Label im Laufe des letzten Jahres gewachsen ist, allein in diesem Jahr wurden Scheiben von KMPFSPRT, Chuck Ragan und Tim Vantol veröffentlicht, ist auch das Uncle M Fest im Vergleich zum Vorjahr wesentlich größer geworden. So spielten nun auch auf einer kleinen Außenbühne mit Stumfol, Dan Fairhurst und Turbobart drei Bands bzw. Singer-/Songwriter, der Merch- und Infobereich war richtig gut gefüllt und zur Freude aller Veggies gab es jede Menge vegetarische und vegane Leckereien. Die perfekten Rahmenbedingungen für einen tollen Abend.

Pünktlich um 18.30 legten Perdition aus Texas im kleinen Café des Skaters Palace los. Die Tourbuddies von Red City Radio spielen ebenfalls modernen rauen Punkrock, der für eine gute halbe Stunde zu Gefallen weiß. Im Vergleich zu anderen Bands sind die Songs jedoch insgesamt zu eintönig und wenig eingängig, so dass die Begeisterung sich noch in Grenzen hält. Nicht der ganz große Start in den Abend, aber dennoch ein guter. Doch das sollte sich nun ändern und zwar gewaltig.

Auf Drug Church habe ich mich im Vorfeld am meisten gefreut, denn die Band ist schließlich ein weiteres Projekt oder auch nur ein weiteres Sideprojekt, wer weiß das schon so genau, von Patrick Kindlon, Mastermind oder auch nur Teil, wer weiß das schon so genau, der Self Defense Family oder auch End Of A Year, was auch irgendwie ein und dasselbe ist. Doch lassen wir das, bevor wir uns in Kleinigkeiten verlieren. Drug Church stehen den genannten Bands in der Qualität, insbesondere visuell, in nichts nach. Musikalisch geht es  zwar schneller und härter zur Sache. Hier gibt es richtig guten Hardcore alter Schule mit bratzigen Punkrockelementen, der mit viel Dynamik und Energie um sich schlägt. Doch die Musik bildet auch hier und heute nur den Rahmen für eine erneut extravagante Bühnenpräsenz von Patrick Kindlon. Abgefahren, und so werden die Songs umso lebhafter und intensiver. So sollte Musik sein. Erlebnis pur. Volltreffer. Mein Highlight am diesem Abend. Punkt.

Apologies I Have None reisten nach dem Ausstieg von Dan Bond mit neuem Gitarristen und neuer EP an, die erst kürzlich via Uncle M veröffentlicht worden ist. Nun fehlt zwar die zweite Stimme, doch der Gesang von Josh McKenzie ist derart markant und eingängig, dass sie Songs auch weiterhin eine mitreißende Wirkung entfalten. Die neuen Songs machen da keine Ausnahme, obwohl sie insgesamt wesentlich düsterer und melancholischer ausfallen, was jedoch einen ganz besonderen Charme mit sich bringt. Die meisten Zuschauer sind auf jeden Fall begeistert und singen jeden Song lauthals mit. Der Funke springt auf die Bühne über, sicherlich nicht notwendig, und Josh McKenzie lässt es sich nicht nehmen, die Gitarre beiseite zu legen und einen Song im und auf dem Publikum zu singen. Das macht Spaß und trifft ins Herz. Großartig.

Nun sollte jedoch die Enttäuschung des Abends folgen. Atlas Losing Grip haben mit ihren bisher veröffentlichen Alben den Punkrock der 90ziger mit viel frischen Wind wieder aufleben lassen. Nun legten die fünf Jungs zunächst einmal den mit Abstand längsten Soundcheck auf die Bühne, nur um dann doch einen miesen Sound, insbesondere am Mikro, aus den Boxen scheppern zu lassen. Sicherlich macht es Spaß den Jungs an den Gitarren zuzuschauen, was bisweilen auch beeindruckend ist, denn die drei verstehen ihr Handwerk ohne Wenn und Aber. Doch leider ging der Gesang während des gesamten Sets im Gitarrengewitter fast völlig unter. Zudem stand Sänger Rodrigo Alfaro wie angewurzelt auf der Stelle, was auf Dauer doch ein wenig Langeweile aufkommen ließ. Auch wenn vor der Bühne jede Menge Bewegung zu sehen war, hatte ich aufgrund der guten Studioalben doch mehr erwartet und war schließlich doch sehr enttäuscht. Doch belassen wir es dabei, denn nun standen Red City Radio auf der Bühne.

Auch die Jungs aus Oklahoma mussten im Frühjahr den Weggang eines Gitarristen verarbeiten. Nach dem Ausstieg von Paul Pendley konnte jedoch Ryan Donovan als zweiter Gitarrist und Sänger gewonnen werden. Und das passt. Musikalisch hat sich nichts, rein gar nichts geändert. Wie auch bei Apologies I Have None fehlt nun lediglich die zweite Stimme, denn Ryan Donovan und Garrett Dale klingen gesanglich recht ähnlich. Doch dieser Umstand fällt live fast nicht ins Gewicht, denn Ryan Donovan ist schlicht und einfach ein super Livemusiker, der Punkrock lebt und das kann jeder Band nur zugute kommen. Die vier Jungs spielen Hit auf Hit – davon gibt es, obwohl bisher nur zwei Alben veröffentlicht, eine Menge – und laden zum Mitsingen, Tanzen und Stagediven ein. Das Publikum macht dann auch genau das. Tanzen und vor allem mitschreien. Dazu ein prima Sound und eine Band, die arbeitet, schwitzt, offenbar Spaß hat auf der Bühne zu stehen und sich dafür nicht nur bei Mirko von Uncle M bedankt. Band und Zuschauer feiern gemeinsam eine riesige Party, auch das ist Punkrock, und beenden dieses kleine aber im übertragenen Sinne große Festival.

Vielen Dank Uncle M für diesen wunderschönen Abend. Wir sehen uns im nächsten Jahr

Leider habe ich alle Bands auf der Außenbühne verpasst. Jaja, unverzeihlich. Doch die Pausen habe ich für ein wenig Smalltalk und natürlich für die eine oder andere vegane Leckerei genutzt. Sorry hierfür.