reinhören: bane – don’t wait up

Bane - Don't Wait Up - CoverEin Sternenhimmel über der den düsteren Häusern einer Vorstadt. Es ist dunkel geworden, der Tag hat sich verabschiedet, ist der dunklen Nacht gewichen. Und vielleicht wollen Bane mit dem Cover ihres neuen Albums Don’t Wait Up genau das ausdrücken. Alles neigt sich irgendwann dem Ende entgegen und es ist an der Zeit Abschied zu nehmen. Glaubt man den Worten der Band machen Sie genau das, Abschied nehmen, denn Don’t Wait Up soll nach 20 Jahren das letzte Album der Bandgeschichte sein. Die Tatsache, dass seit dem letzten Album True Note beinahe neun Jahre vergangen sind zeigt wieder einmal, dass Bane in einer Zeit, in der die meisten Bands in immer kürzeren Abständen eine Scheibe nach der anderen rausbringen und dann alsbald wieder in Vergessenheit geraten, Ruhe und Beständigkeit vermitteln. Eigenschaften, die bisher zu drei großartigen Alben geführt haben und nicht nur aus diesem Grund die Band, auch wenn der Vorhang längst gefallen ist, noch lange in Erinnerung bleiben wird. Und Don’t Wait Up ist auch ein solches Album, nämlich ein großartiges.

Auch auf ihrer neuen Scheibe sind Bane sich und ihrer Linie treu geblieben, spielen kompromisslos und entschlossen ihre eigene Art, ihre eigene Interpretation von Hardcore. An Schubladendenken sollte man keinen Gedanken verschwenden, da man die passende nicht finden wird. Bane sind und bleiben Bane.

Scheppernder klassischer Oldschool-Hardcore und dynamische Punkrockriffs fügen sich zu einem düsteren Werk zusammen. Man spürt die Wut, die Frustration, den Schmerz, der allen Songs innewohnt und insbesondere in den Texten von Aaron Bedard allgegenwärtig ist. Es geht immer noch um Zusammenhalt, um Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Themen, die in der heutigen Zeit immer mehr an Bedeutung zu verlieren scheinen, obwohl doch so immens wichtig. Darüber hinaus verarbeitet Aaron Bedard in einer unnachahmlichen Weise persönliche Erfahrungen, welche die emotionelle Note der Songs noch steigern. Und all diese Worte schreit und brüllt er atemlos mit seiner markanten und eingängigen Stimme durch die Songs, die nicht nur einen einzigartigen Charakter hat, sondern sich auch ganz tief in Ohr und Herz frisst.

Eine treibende und stampfende Rhythmusfraktion, sowie eine wuchtige teils brachiale Gitarrenarbeit von Ex-Converge-Gitarrist Aaron Dalbec und Zach Jordan verleihen den Songs jederzeit eine Intensität, der man sich nur schwer entziehen kann. Eine Intensität, welche die textliche Gefühlswelt gekonnt untermalt. Mal geht es schnell und straight nach vorne, dann zieht man sich in den richtigen Momenten in den Midtempobereich zurück, nimmt das Tempo raus, wird melodieverliebt, ohne jedoch auch nur einen Funken an Aggressivität zu verlieren. So sind nicht nur die Songs, so ist das Album in Gänze sehr abwechslungsreich und zudem ein enorm wuchtiges Hörerlebnis. Gleich der Opener Non-Negotibale oder auch What Awaits Us Now sind erstklassige Hardcoresongs, die zunächst einfach und ohne große Spielereien geradeaus brettern, dann in einen treiben Groove übergehen und mit Bandshouts nur so um sich werfen. Wrong Planet hingegen mag s ruhig und zeigt ungemein viel Gefühl. Das Herzstück des Albums ist schließlich Calling Hours, das nicht nur Dank der Stimme von Reba Meyers (Code Orange Kids) zuckersüß daherkommt und – mit Blick auf das Coverartwork – wie ein Stern in dunkler Nacht am Himmel glänzt. Man spürt nicht nur ein Gefühl von Hoffnung unter all der Wut und Frustration, sondern blickt auch mit glücklichen Augen auf die Vergangenheit zurück.

„But what we had we will always have, I’m not afraid because I know that it was pure and stands forevermore.“

Mit Don’t Wait Up haben Bane ein weiteres großes Album geschrieben, das mit großer Sicherheit noch lange in Erinnerung bleiben wird.

“This is my final backward glance I’ve never been much good at saying goodbye.” (aus Final Backward Glance)

Dieser finale Satz passt im übertragenen Sinne schließlich nicht ganz, denn mit diesem Album ist Bane definitiv ein großer Abschied gelungen.

Bane – Don’t Wait Up

VÖ: 09.Mai 2014
Label: End Hits Records

Trackliste
01. Non-Negotiable
02. All The Way Through
03. Calling Hours
04. Park St
05. What Awaits Us Now
06. Hard to Find
07. Lost at Sea
08. Post Hoc
09. Wrong Planet
10. Final Backward Glance

Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurde mir freundlicherweise von Uncle M zur Verfügung gestellt.