Konzertbericht: Groezrock-Festival (der Freitag) Teil 1

Groezrock-Infoheft-FrontcoverDas Kapitel „große Outdoor-Festivals“ hatte ich eigentlich vor langer Zeit geschlossen. Der Grund hierfür ist auch ganz einfach: zu groß, zu viele Menschen und in der Regel ist der Typ mit Namen Alkohol wichtiger als Musik und Bands.. Dann gehe ich doch lieber in kleine Clubs und schaue mir ein paar Bands an. Zudem sind die Ticketpreise für die großen Festivals in den letzten Jahren dermaßen in die Höhe geschossen, dass das in vielen Fällen schon unverschämte Züge angenommen hat. Doch nun war es wieder soweit, einer dieser typischen „kleinen“ Ausnahmen im Leben, kennt wohl jeder, und so ging es Anfang des Monats für einen Tag nach Meerhout / Belgien zum diesjährigen Groezrock -Festival. Das Lineup war einfach zu verlockend, da konnte ich auch die 75,- Euro für das Ticket verschmerzen. Doch für insgesamt 16 Bands, die ich schließlich gesehen und gehört habe, ist das umgerechnet auch wieder ein guter Schnitt.

Los ging es um 12.00 Uhr mit Astpai aus Österreich. Solider Punkrock einer noch jungen Band, der auf der Mainstage (Monster Stage) vor noch wenigen Zuschauern, es ist ja noch früh am Tag, etwas untergeht, doch das ist der Größe der Bühne und nicht der Band selbst geschuldet. Die vier Jungs wissen dennoch zu überzeugen und so nimmt der Tag einen erfrischenden Auftakt.

Auf der kleinen Bühne (Ethnies Stage) machen umgehend die Tourbuddies von Astpai weiter. The Restorations, auf Platte die perfekte Hintergrundmusik für einen gemütlichen und verträumten Abend, zeigen, dass ihre Interpretation von Punkrock und Alternativerock live wesentlich krachiger aus den Boxen knallt als im heimischen Wohnzimmer. Das rockt und der letzte Hauch von Müdigkeit ist verschwunden. Ein erstes kleines Tageshighlight.

Auf dieses folgt sogleich die erste Enttäuschung des Tages. Atlas Losing Grip spielen zwar mehr als guten melodischen 90ziger Punkrock, wie er seinerzeit in Schweden ganz groß war, und insbesondere die vielen Heavylicks zeugen vom Können der Gitarristen. Doch insgesamt wirkt das dann auch wieder zu aufgesetzt und bisweilen auch langweilig. Zumal sich Sänger Rodrigo Alfaro wieder einmal keinen Meter bewegt. Musikalisch top, die Show dann doch eher das Gegenteil. Zum ersten Mal an diesem Tag sagt mir eine innere Stimme, dass Punkrock nicht für diese großen Bühnen gemacht ist.

Doch der Tag war noch jung und nun tratenPUP auf der kleinen Bühne auf. In der letzten Zeit wurde oft behauptet, dass die vier Jungs die beste LIveband Torontos sein sollen. Ob das nun der Wahrheit entspricht? Keine Ahnung, ist jedoch auch nicht wichtig. Auf jeden Fall war das hier und heute eine fetzige Punkrockshow. Auf und vor der Bühne ging es hin und her, die ersten Stagediver flogen auf die Zuschauer und musikalisch passt auch alles. Zumindest eine Sache kann ich bestätigen, PUP sind eine wahnsinnig gute LIveband. Treffer.

Nach der ersten kurzen Frühstückspause, der Tag war ja noch lang, boten Red City Radio, die ich wie auch Atlas Losing Grip erst vor zwei Tagen auf dem Uncle M Fest in Münster gesehen habe, eine ähnlich schweißtreibende Show wie kurz zuvor PUP. Das kleine Zelt war nun auch schon bis zum Rand gefüllt, während vier strahlende Gesichter auf der Bühne zum Tanzen, Mitschreien und Stagediven einladen. Diese Einladung wird auch ohne großes Zögern angenommen und für eine gute halbe Stunde herrscht erstmalig an diesem Tag eine ausgelassene Stimmung bei allen Anwesenden. Da vergisst man auch die kühlen Temperaturen, denn hier ist es grade richtig heiß. Die Band aus Oklahoma mussten zwar vor ein paar Wochen den Ausstieg von Sänger und Gitarrist Paul Pendley verkraften, konnten jedoch mit Ryan Donovan von Nothington recht schnell einen neuen Mann am Mikro und an der Gitarre gewinnen, der ein geborener Livemusiker ist und wie der Rest der Band Punkrock lebt. Genau das zeigen die vier Jungs an diesem frühen Nachmittag. Einfach herrlich.

Nach nur kurzer Wartezeit stehen auch schon The Wonder Years auf der gleichen Bühne. Sänger Dan Campell fordert auch sogleich zum Stagediven auf, es gab auf der kleinen Ethnies-Bühne übrigens keine Absperrung und die Security griff nur recht selten ein, was zur Folge hatte, dass neben der sechsköpfigen Band zahlreiche Kids über die Bühne fegten und Platz auf der Bühne Mangelware war. So macht eine Hardcore- / Punkrockshow Spaß und da ist sie wieder, diese innere Stimme. Hier gehört diese Musik hin, auf diese kleinen Bühnen. Es geht also auch auf Festivals. Und The Wonder Years bieten dafür auch den perfekten Soundtrack. Schnelle eingängige Songs mit diversen Spielereien, die das Blut zum kochen bringen. Leider waren die Songs trotz dreier Gitarristen nur wenig abwechslungsreich und ja, auch etwas eintönig. Doch für einen kurzen Auftritt, gut 40 Minuten, passt das durchaus. Die meisten Zuschauer waren auch mehr als zufrieden. Ich ebenfalls.

Zurück zur Monster Stage, wo bereits The Menzingers durch die Setlist brettern. Nach wie vor steht diese Band für hymnenhaften und mitreißenden Punkrock, spielten auch zahlreiche Hits, doch an diesem Tag fehlte ein wenig Biss und zudem die Dynamik der Anfangstage. Doch das sind Eindrücke aus der Ferne, da wir in dem gut besuchten Zelt recht weit hinten standen. Dieser Auftritt in einem kleinen Club und ich würde höchstwahrscheinlich andere Worte finden. Definitiv nicht schlecht, aber eben auch nicht große Klasse.

Wenig später geht es auch schon mit The Lawrence Arms weiter, auf die ich mich im Vorfeld richtig gefreut habe, da ich das neue Album Metropole nach langer Durststrecke, in der sich die Band rar gemacht hat, recht schnell in mein Herz geschlossen habe. Es folgt ein grundsolider, ein guter, aber kein mitreißender Auftritt, den wir jedoch nach halber Spielzeit wieder verlassen mussten, da in wenigen Minuten Terror die Impericon Stage niederreißen sollten. Da ich mit ein wenig Wehmut zurückschaue, muss ich mir selbst eingestehen, dass mir The Lawrence Arms doch sehr gut gefallen haben.

Fortsetzung folgt… (mit Terror, H20, La Dispute, Descendents, Nofx und vielen mehr)

Update: hier ist Teil 2

Hinweis: Das Bild ist ein Foto des Groezrock.Infoheftchens