Konzertbericht: Groezrock-Festival (der Freitag) Teil 2

Ohne große Pausen sauste das Groezrock-Festival an uns vorbei. Daher gibt es hier nun auch ohne große Vorrede die Fortsetzung (hier Teil 1) des Groezrock-Rückblicks.Groezrock - LogoHeader

Für Tränen war es nun jedoch zu spät und auch gar nicht weiter tragisch, denn jede Spur von Traurigkeit löst sich in Luft auf als Terror auf die Bühne kommen. Doch eine Terror Show mit Absperrung und Graben vor der Bühne? Auch dieser Gedanken ist schnell vergessen, denn schon nach den ersten und wie immer sympathischen Worten von Scott Vogel und den ersten Riffs bebt das Zelt, in dem es von nun an keinen ruhigen Platz mehr gibt. Terror reißen (beinahe) jeden mit, was nicht nur an der Musik sondern auch und insbesondere an Frontmann Scott Vogel liegt, der die Zuschauer immer wieder antreibt zu Tanzen und Mitzuschreien. Und das auf nette und freundliche Art und Weise, so dass man gar nicht nein sagen kann. Eine schweißtreibende Hardcoreshow, die ich so auf einer großen Bühne nicht erwartet habe. Daher bleibt nur: Terror sind immer und (fast) überall Adrenalin pur.

Um uns die Zeit bis zum Auftritt von La Dispute zu vertreiben, schauten wir anschließend noch kurz bei Boysetsfire vorbei. Kaum angekommen und schon trällern uns die ersten Akkorde von My Life As A Knife Trade entgegen. Die meisten würden jetzt wohl sagen „Oh, super und voll toll“. Ich hingegen werde jetzt wahrscheinlich Prügel beziehen, doch dieser Song ist trotz der beeindruckenden Lyrics einfach nur schmalzig und langweilig. Es ist nicht zu ändern und der Versuch ist da, doch das Interesse ist sofort bei null. Daran können die folgenden Stücke, Until Nothing Remains und auch Rise, nichts mehr ändern. So bin ich schließlich froh wieder vor der kleinen Bühne zu stehen, auf der nun La Dispute einiges zu erzählen haben.

Erst vor ein paar Wochen haben die Jungs aus Michigan ihr neues Werk Rooms Of The House rausgebracht und genau das stand an diesem Abend im Mittelpunkt. Während im Hintergrund teils skurrile und dunkle Bilder an die Wand geworfen wurden, zieht Jordan Dreyer die Zuschauer mit seiner ganz speziellen Art Geschichten zu erzählen wie gewohnt in den Bann. Das ist schlicht und einfach ergreifend. Da fällt es kaum auf, dass die Gitarristen einfach nur leblos auf der Stelle stehen und einen eher unbeteiligten Eindruck hinterlassen. Trotzdem hat man das Gefühl, alles steht und fällt mit Jordan Dreyer, auf den der gesamte Auftritt fokussiert ist. Dabei würden die Songs von La Dispute ohne die Jungs an den Instrumenten bei weiten nicht die Wirkung entfalten, die den Songs so eigen ist. Gut, damit kann man sicherlich leben und auch mit der Tatsache, dass viele Hits der ersten Scheiben fehlten, doch die ganz große Nummer war es das dann eben nicht. Aber dennoch beeindruckend.

Letzte kurze Pause und Ignite machen sich auf die Impericon Stage zu rocken. Und das trifft so ziemlich ins Schwarze, denn die Band aus Orange County haben sich für mein Empfinden nun dem Rock verschrieben. Wo ist die Energie, die Power, die Dynamik der 90ziger geblieben? Mir fehlen die Worte. Ganz große Enttäuschung. Wieder war ich froh einen Auftritt frühzeitig zu verlassen, was in erster Linie natürlich den Überschneidungen im Timetable geschuldet war. Doch genau in diesem Moment war ich alles andere als traurig, denn schließlich wollte ich die nächste Show im großen Zelt nicht verpassen.

Die folgende Show lässt sich mit wenigen Worten beschreiben. Descendents. Amazing. Herzklopfen. Ich liebe diese Band. Das lasse ich so stehen.

Noch schnell rüber zur kleinen Bühne, um die letzten Songs von H2O erleben zu können. Wie gewohnt brauchen die Jungs aus New York nur wenige Augenblicke, um mich zu begeistern. Während ich mich mühsam nach vorne durchschiebe, scheint es keinen Unterschied mehr zwischen „auf und vor“ der Bühne zu geben, denn vor der Bühne ist oftmals auf der Bühne. Insbesondere beim abschließenden What Happend zeigt sich mal wieder, dass die Begriffe Hardcore, zumindest in dieser Form, und Family unzertrennbar sind, denn H2O und die Zuschauer führen die Show nunmehr gemeinsam auf der Bühne fort, während weiterhin pausenlos Stagediver von der Bühne fliegen. Das ist eine Hardcoreshow. Allerdings kann man so auch nur erahnen, dass Matt Skibba von Alkaline Trio seinen Part heute selbst übernimmt. Die Stimme passt, doch sehen kann man ihn nicht. Nach der Show verlasse ich in Gedanken versunken das Zelt und freue mich schon jetzt auf das neue Album dieser mehr als sympathischen Band und auf die darauf folgenden Touren hierzulande.

Nach über zwölf langen Stunden standen schließlich NOFX als Headliner des Tages auf der Bühne. Bereist im Vorfeld ließen die vier Jungs aus dem sonnigen L.A. verlauten, dass anlässlich des 20. Geburtstags von Punk In Drublic alle Songs des 1994 veröffentlichten Albums gespielt werden sollten. Gewohnt unmotiviert machten NOFX mit Ausnahme der noch unmotivierteren Zugabe dann auch genau das. NOFX mögen auf der Bühne nicht mehr die Spritzigkeit der Anfangstage auf die Bretter legen, doch nach all den Jahren macht eine NOFX-Show immer noch Spaß, was natürlich an den guten Songs liegt – Punk In Drublic ist auch eine klasse Scheibe -, aber auch an den witzigen Floskeln zwischendurch, zumindest wenn man denn auf diesen bitteren schwarzen Humor von Fat Mike und El Hefe steht. Der Sound passt, die Stimmung ist gut, das Zelt ist in Bewegung und zudem lässt es sich Milo (Sänger der Descendents) nicht nehmen für zwei Songs das Mikro zu übernehmen. Mit Kill All The White Men sorgen NOFX um kurz nach eins letztendlich für ein fröhliches Ende eines langen Tages.

Was habe ich verpasst: Madball, Devil In Me, INVSN, Brand New, Deez Nuts, I Am The Avalanche, Alkaline Trio, Tim Barry und Iron Chic. Alle Bands hätte ich gerne gesehen und gehört. Doch leider hat es die Natur nicht vorgesehen, dass der Mensch sich teilen kann. Grrh, doch das Leben geht weiter und wird noch viele tolle Konzerte bringen. Darüber hinaus spielten an diesem Tag noch- es war wirklich nur ein Tag – Wisdom in Chains, The Tramps, Still Bust, Gamface, Bayside, Fathoms, Bodyjar, My Extraordinary, Saves The Day, Kids Insane, Chunk! No. Captain Chunck! Paint It Black, Taking Back Sunday, Larry And His Flask und Everlast. Sicherlich alles Bands und Künstler, die ich mir bei jeder anderen Gelegenheit anschauen würde, doch irgendwann muss man anfangen den Rotstift aus der Tasche zu holen und über den Timetable zu ziehen…

Abschließen möchte ich diesen Rückblick mit den Worten von Toby Morse (H2O): Es ist unglaublich, all diese großartigen Bands spielen an einem einzigen Tag an einem Ort. In den USA ist das ein Traum. Daher ist das hier was ganz besonderes. Viel mehr muss nicht gesagt werden. Das war ein wundervoller, wenn auch anstrengender Tag mit vielen großartigen Bands.

Hinweis: Das Bildmaterial habe ich der Groezrock-Presseseite entnommen (http://www.groezrock.be/info/press).