Konzertbericht: Touché Amoré live in Dortmund

Vor einigen Monaten spielten Touché Amoré bereist hier im Ruhrgebiet im Bochumer Riff (Bericht), um ihre neue Scheibe Is Survived By hierzulande live vorzustellen. Bei ihrer zweiten Europatour innerhalb eines halben Jahres war nun das Dormunder FZW eine Station der fünf Jungs aus Los Angeles. Die entgegengesetzte Richtung auf der wunderschönen A40 wäre mir zwar lieber gewesen, doch allzu weit ist Dortmund nun auch nicht entfernt. So machten wir uns an einem sommerlichen Frühlingstag bei strahlend blauem Himmel auf zum FZW.

Touché Amoré, Birds In Row – Dortnund, FZW – 20.05.2014

Das schöne Wetter war dann auch dafür verantwortlich, dass wir die erste Band des Abends verpasst haben. Anders gesagt. wir haben schlicht und einfach die Zeit vergessen. Das Schaffen von No Omega ist aber eh nicht so mein Ding, daher ließ sich dieses Missgeschick auch leicht verschmerzen.

Der anstehende Auftritt von Birds In Row zog uns dann jedoch in die kleine Halle des FZW. Von den drei Franzosen, die wie Touché Amoré nun auch in der Deathwish-Familie ein Zuhause gefunden haben, kannte ich bisher nur ganze drei Songs. Um es vorwegzunehmen, nach dem Auftritt musste ich mich pausenlos fragen, warum ich nur diese drei Songs kenne und nicht die gesamte Birds In Row Diskographie. Birds In Row bewegen sich mit nur wenigen Ausnahmen in Moll-Tönen durch die Songs, die über brachiale Soundwände und Klangteppiche eine derart schmerzhafte Atmosphäre aufbauen, die pausenlos und ohne Rücksicht an der eigenen Seele nagt und für Chaos im persönlichen Gefühlsleben sorgt. Das ist ein tiefer Blick in die Abgründe menschlichen Seins in vertonter Form. Dieser Auftritt war Karthasis pur, denn die frostige Gänsehaut, die meine Arme ziert, verlässt mich nur langsam. So mag ich Hardcore, so liebe ich Musik.

Wenig später stehen Touché Amoré auf der Bühne. Kurz vor dem Ende ihrer Tour machen die sympathischen Kalifornier einen leicht müden Eindruck. Einer Tatsache, der sich zumindest Jeremy Bolm bewusst ist, da er mehrmals erwähnt, dass er völlig erschöpft und müde sei. Nichtsdestotrotz liefern Touché Amoré erneut eine mitreißende Show ab und scheinen den Tourstress mit jedem Song ein wenig mehr zu vergessen. Lediglich die beiden Gitarristen wirken wirklich ausgepowert und bewegen sich nur selten. Jeremy Bolm hingegen nutzt wie eh und je einen Großteil der Bühne, steht nur selten still und ein Dauerstrahlen in seinem Gesicht zeigt, der Mann ist trotz der Strapazen ein glücklicher Mensch. Da fragt man sich wirklich wie er in der Vergangenheit derart pessimistische Texte zu Papier bringen konnte. Doch genau dieser Wandel war auf Is Survived By (Review) ja bereits deutlich zu spüren. Dabei sucht er immer wieder den Kontakt zum Publikum, das zwischen zahlreichen Stagediveinlagen in diesen Momenten gemeinsam mit Jeremy Bolm ins Mikro schreit. Währenddessen zeigt Elliot Babin im Hintergrund nicht nur lautstark, dass er begnadeter Schlagzeugspieler ist. Was Elliot Babin aus diesem kleinen Schlagzeug rausholt ist wirklich beeindruckend. Um die Show mit wenigen Worten zu beschreiben: Hier stehen positive Werte im Vordergrund. Keine Machogehabe, keine Kickboxeinlagen. Hier wird gemeinsam erlebt und gefühlt. So sollte eine Hardcoreshow aussehen. Nach einer kurzen Zugabe findet dieser Abend, der nachhaltig in Erinnerung geblieben ist, schließlich ein schönes Ende.

Dank an zwei großartige Bands.