Konzertbericht: Restorations live in Düsseldorf

Vor zehn Tagen habe ich Astpai und Restorations noch live auf dem Groezrock Festival (Bericht) in Belgien gesehen und insbesondere den Auftritt von Astpai verließ ich mit dem Gefühl, dass Punkrock für diese großen Bühnen einfach nicht gemacht ist. Daher habe ich mich umso mehr auf den gemeinsamen Gig der beiden Bands im kleinen Tube in der Düsseldorfer Altstadt gefreut. Denn dieser Club ist dafür gemacht, für diese kleinen schweißtreibenden Punkrockabende. Begleitet wurden Astpai und Restorations an diesem Abend von Crazy Arms und The Smith Street Band. Es konnte daher nur ein guter Abend werden.

Restorations Konzertflyer - Tube Düsseldorf

Restorations, The Smith Street Band, Astpai, Crazy Arms – Düsseldorf, Tube – 19.05.2014

Doch wie es das Schicksal so will, sollte ich zunächst einmal enttäuscht werden. In der Vergangenheit haben Konzerte im Tube immer erst recht spät angefangen. Zeitangaben auf der Tube-Homepage waren, zumindest bisher, schlicht ohne Bedeutung. Daher habe ich mir auf dem Hinweg auch ein wenig Zeit gelassen, denn bei sonnigem Wetter ist die Rheinpromenade immer einen gemütlichen Spaziergang wert. Doch genau an diesem Abend ging es natürlich zeitig los, so dass ich mit Ausnahme der letzten drei Songs das Set von Crazy Arms verpasst habe. Diese drei Songs waren dann auch mehr als überzeugend, so dass ich mir selbst die Frage gefallen lassen musste, warum ich von dieser Band bisher keinen blassen Schimmer hatte? Schöner Punkrock, der mit feinen Melodien und Hooks zu Gefallen weiß und für ordentlich Stimmung im gut besuchten – auch eine Überraschung – Tube sorgt. Dabei steht mit PJ Shepherd, Bassist von Apologies I Have None, sogar ein mir bekanntes Gesicht auf der Bühne – die Liste der Überraschungen wird zunehmend größer –, was sicherlich auch für die Qualität von Crazy Arms spricht. Eine Band, mit der ich mich definitiv näher beschäftigen werde.

Wenig später stehen dann Astpai auf der Bühne. Wie bereits vermutet, kommen die Songs der drei Österreicher in diesem kleinen Club wesentlich intensiver und dynamischer daher als auf einer großen Festivalbühne. Das liegt sicherlich nicht an den Songs, vielmehr verleiht die Nähe zur Band den Songs eine ganz andere Wirkung. Zudem trotzen Astpai den Umstand sich auf dieser kleinen Bühne kaum bewegen so können und liefern eine erstklassige Show ab. So haben auch die meisten Anwesenden eine Menge Spaß, allen voran PJ Shepherd, der sich für den Rest des Abends in der ersten Reihe rumtummelte. Astpai machen an diesem Abend alles richtig und hinterlassen einen bleibenden Eindruck.

The Smith Street Band konnten mich bisher auf ihren Platten nicht wirklich überzeugen. Doch die Australier haben definitiv Livequalitäten, legen einen packenden Auftritt hin, die Temperatur im Tube steigt merklich an und ich bin einer der wenigen, der die Songs nicht mitsingen kann. Nicht weiter schlimm. Vielmehr freue ich mich über die tolle Atmosphäre, von der auch Sänger Wil Wagner sichtlich begeistert ist. Mehr als einmal betont er, dass es ihm und der Band unheimlich viel bedeutet nicht nur hier und heute auf der Bühne zu stehen und er genau weiß, dass man diese Momente all den Menschen vor der Bühne zu verdanken hat. Das klingt nicht nur so daher gesagt, nein, man nimmt ihm das auch genauso ab. Solider und schweißtreibender Auftritt, mit dem mich die Jungs, zumindest an diesem Abend, doch noch packen.

Genau das haben Restorations mit ihrem aktuellen Album LP2, das im letzten Jahr auf SideOneDummy Records erschienen ist, schon längst geschafft. Nun sind die Jungs auf ihrer ersten Tour durch Deutschland und können die dichte Atmosphäre ihres Album live noch steigern. Im Gegensatz zu den ersten drei Bands steht nun weniger Punkrock, dafür jedoch komplexer und treibender Alternativerock im Vordergrund. Dabei geht es nicht minder laut und krachig zu Werke. Das Tube ist zwar nicht mehr so gut gefüllt wie zuvor, doch die verbliebenen Zuschauer werden mit einem großen Auftritt belohnt. In den meisten Gesichtern sieht man ein Lächeln oder verträumte Blicke, denn trotz der Lautstärke laden die Songs mit immer wieder wundervollen Melodien zum Träumen ein. Zudem spielten die Jungs aus Philadelphia auch erste Songs des neuen Albums, das im Herbst veröffentlicht werden soll. Und das scheint wieder ganz groß zu werden. Genau wie dieser Auftritt und dieser Abend im Tube.

HInweis: Das Bildmaterial wurde mir freundlicherweise von Backstage Broadcasting zur Verfügung gestellt.