reinhören: the tidal sleep – vorstellungskraft

The Tidal Sleep - VorstellungskraftNach ihrem 2012 veröffentlichten Debütalbum, einer nachfolgenden EP und Bewegungen im Bandkarussell steht nach zwei langen Jahren mit Vorstellungskraft nun das zweite Album von The Tidal Sleep in den Plattenregalen. Und der Albumtitel drückt dann auch aus, was schließlich zu einem richtig großen Album geführt hat. Jede Menge Phantasie, eben diese Vorstellungskraft, die in elf ergreifenden und abwechslungsreichen Stücken Ausdruck findet.

Andererseits ist dieses Album auch ein Motivator für die eigene Phantasie, denn The Tidal Sleep erschaffen durch ein intelligentes Songwriting fein nuancierte Bilder, die immer wieder neue Farben malen, neue Reize setzen, die sich immer weiter öffnen, eben diese Bilder die einen nicht mehr loslassen. Bereits mit dem ersten Song Old Youth passiert genau das, man ist wie gefesselt, saugt jede Silbe, jeden Ton in sich auf. Hält sich fest an diesen feinfühligen und blumigen Momenten, ehe diese sich in genialen Hardcoremomenten durch eine kompromisslose Brachialität in Luft auflösen. Doch auch wenn Wut und Verzweiflung allgegenwärtig sind, über Melodie und Hoffnung schweben, schaffen sie es jedoch zu keiner Zeit diese auch nur ansatzweise zu zerstören, denn immer wieder drängen sich zauberhafte Melodiebögen in den Vordergrund, so dass in jedem Song Zerbrechlichkeit und Aggressivität Seite an Seite stehen.

aggressiv und anmutig zugleich

Man hört kratzende Gitarren, schmetternde Drums, ein sich ins Mark grabendes Bassspiel. Instrumente. die gemeinsam aufwühlende Soundwände schaffen, die dann plötzlich wieder in sich zusammenbrechen. Sich zurückziehen, feine weiche Linien zeichnen, anmutig und verträumt wirken. Verdammt, so liebe ich auch Pop.

Dieser Faden zieht sich schließlich durch das gesamte Album. Durch verschiedene facettenreiche Elemente wird der atmosphärische Spannungsbogen jedoch immer wieder auf eine neue Ebene gehoben. Ein unglaublicher Basslauf in Thrive And Wither, der sich einen unermüdlichen Kampf, obwohl in Harmonie vereint, mit großen Gitarrenklängen liefert, Oder das instrumentale If You Build It, wohl palziert in der Mitte des Albums. Ein zartes Spiel zwischen einem treibenden Glass und einem kurzen aber kraftvollen They Will Come. Schließlich ein finales, das Epische suchende Lined Skin, Rotten Hull, das zunächst bedächtig beginnt, sich dann aber immer weiter aufbaut, sich schließlich kurz vor der Explosion wieder beruhigt, Ruhe findet, noch einmal zum Träumen einlädt. Dazu Texte, die fernab von Kitsch und Pathos, mehr als hörens- und lesenswert sind. Die von einer Stimme vorgetragen werden, die erzählt und schreit und brüllt, als wäre dies ihr letzter Tag. Dabei jedes Gefühl, jede Stimmung nervenzerreibend transportiert und vertont und so den Songs noch mehr Kraft verleiht als diesen ohnehin schon innewohnt.

ein Album mit wundervollen Momenten

Sicherlich könnte man all das auch mit wenigen einfachen Worten beschreiben. Doch wo wären da Vorstellungskraft und Phantasie. Ebenso kann man kostbare Zeit investieren und diese Scheibe oder diesen Hardcorestil mit Begriffen wie Post, Wave oder  Modern schmücken. Doch man sollte diese Schubladen gar nicht erst öffnen. Nein, vielmehr sollte man die Zeit nutzen und sich mit dieser großartigen Scheibe intensiv auseinander setzen. Und das wieder und immer wieder. Danke für dieses Album, danke für diese wundervollen Momente.

The Tidal Sleep – Vorstellungskraft

VÖ: 25. Juli 2014
Label: This Charming Man Records

Trackliste
01. Old Youth
02. Thrive & Wither
03. Angst
04. Flood Dreams
05. Glass
06. If You Build It
07. They Will Come
08. Fathomed
09. Smoke And Mirrors
10. Twentyone
11. Lined Skin, Rotten Hull

The Tidal Sleep by Matthias Haslauer

The Tidal Sleep by Matthias Haslauer

Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurden mir freundlicherweise von Backstage Broadcasting zur Verfügung gestellt.