Konzertbericht: Sick Of It All – Nord Open Air

Das Nord-Open-Air in Essen ging am letzten Freitag in die 23. Runde. Wie auch in den Vorjahren gab es zwei Tage lang einen bunten Mix aus Hardcore, Punkrock und Metal. Und wie gewohnt alles umsonst. Ein bunter Mix bedeutet jedoch auch, dass nicht unbedingt jede Band den persönlichen Geschmack trifft. Doch mit Peter Pan Speedrock, The Real McKenzies und Sick Of It All standen am Freitagabend gleich drei Bands hintereinander auf der Bühne, die wir uns auf keinen Fall entgehen lassen wollten. Dazu gab es herrliches Sommerwetter bei durchaus angenehmen Temperaturen. Beste Voraussetzungen für einen, wenn auch nur kurzen Open-Air-Abend.

Nord-Open-Air, Essen, Cafe Nord – 25.07.2014

Pünktlich zum ersten Song von Peter Pan Speedrock standen wir dann auch vor der kleinen Festivalbühne. Ich hatte die drei Jungs nun schon seit längerer Zeit nicht mehr live gesehen. Die letzten Konzerte vor ein paar Jahren haben jedoch bleibenden Eindruck hinterlassen und Peter Pan Speedrock zeigt dann auch innerhalb weniger Minuten, warum man sich auf jeden Auftritt der Jungs freuen kann. Temporeicher (Speed eben) Punkrock mit Spielwitz und extrem viel Wums. Gewohnt gute und krachige Instrumentalparts, fetter Sound, beste Stimmung auf und vor der Bühne, insgesamt genau das was eine Punkrockshow braucht. Ohropacks vergessen, naja, nicht wirklich schlau, dafür gefühlt umso intensiver. Herrlich. Warum schaue ich mir diese Band eigentlich nicht öfter an?

Anschließend dann eine kurze Reise in traditionelle schottische Modewelten. The Real McKenzies besangen im stylischen Highlander-Outfit, das, glaubt man Wikipedia, ein Ausdruck jugendlichen Protests ist, den Untergang des britischen Königreiches. Das passt zum dynamischen Punkrock-Sound, der mit netten Folkelementen und Duddelsackspiel einfach nur Spaß macht. Dazu gehören zwar auch diverse Trinksprüche und –lieder, die jedoch nicht plump und dumm daherkommen, sondern nett und fröhlich wirken. Klar, man muss die Texte nicht unbedingt mögen, aber man nimmt das mit einem Augenzwinkern sowie einem leichten Schmunzeln. Zudem freut man sich über die positive, insgesamt fröhliche Grundstimmung und insbesondere über die Ansagen von Sänger Paul McKenzie, der nun immerhin schon seit 20 Jahren 39 Jahre alt ist (Anm.: das waren seine eigenen Worte). Dabei ist er immer noch ein begnadeter Frontmann mit einer unverkennbaren Stimme – was nicht zuletzt am charmanten schottischen Akzent liegt – und jemand, der seinen jugendlichen Protest überzeugend bis ins „hohe“ Alter bewahrt hat. Nicht weniger herrlich.

Ach, und dann Sick Of It All. Erster Song und die vier New Yorker haben mich. Lou Koller kreischt und schreit (immer noch einer der besten Stimmen im Hardcore-Zirkus), sein Bruder Pete rennt und springt samt Gitarre wie ein Derwisch über die Bühne und die Rhythmusmaschine (Craig Setari am Bass und Armand Majidi an den Drums) ist dermaßen fett, dass selbst in fünf Metern Entfernung zur Bühne der Körper jeder Bassschlag im Blut spüren kann. Und wie gewohnt haben die Jungs auf der Bühne durchweg gute Laune, eine Eigenschaft, die mich neben großartigen Songs seit nunmehr 20 Jahren immer wieder mitreißt. Sick Of It All sind und bleiben einer der großen Hardcorebands, die ihr Ding kompromisslos durchziehen und sich selbst und ihren Fans treu bleiben. Das im September erscheinende neue Album The Last Act Of Defiance wird das sicherlich erneut unter Beweis stellen. Der heutige Abend hat jedoch auch gezeigt, dass Sick Of It All niemanden mehr etwas beweisen müssen. Über 25 Jahre Bandgeschichte, zahlreiche wegweisende Alben und unzählige Konzerte sagen alles. Genau wie dieses.

Drei großartige Bands an einem Sommerabend für lau. Vielen Dank an Bands und die Crew vom Cafe Nord. Super Sache. Immer wieder gerne.