reinhören: coliseum – coliseum deluxe reissue

Coliseum - Coliseum FrontcoverColiseum gehören zu den wenigen Bands, die mich bereits mit ihrem ersten Album begeistern konnten und darüber hinaus diese Begeisterung in den folgenden Jahren noch steigern konnten. Was im Jahr 2004 mit dem Debütalbum Coliseum seinen Anfang nahm, ist nun durch das in Boston ansässige Label Deathwisch um Jacob Bannon (Converge) in die Gegenwart transportiert worden. Zehn Jahre nach der Veröffentlichung des Originals auf Plane Records wurde das Album nicht nur neu aufgelegt., sondern auch von Joel Grind (Toxic Holocaust) neu abgemischt und von John Dyer Baizley (Baroness) in ein neues Artwork gekleidet. Zudem gibt es auf dieser Reissue-Version noch acht Bonustracks aus den Anfangstagen der Band. Doch all das sind nur Randnotizen. Denn in erster Linie gibt es alle Songs des Originalalbums nun endlich wieder auf Vinyl.

Auch wenn Coliseum mit diesem Album noch nicht die Klasse der späteren Werke wie No Salvation (2007) oder Sister Faith (2013) erreichen, so zeigt dieses Album schon den Weg, der Jahre später konsequent weiter geführt und perfektioniert werden sollte. Und dieses Album zeigt vor allem eins, Coliseum sind und waren schon immer etwas Besonderes. Denn eine derart mitreißende Mischung aus frühen englischen D-Beat–Punk, klassischen Motörhead Charme und frischer D.C.-Energie hatte man bislang nicht gehört. Dabei beweisen die Jungs um Ryan Patterson, dass man mit wenigen Mitteln einen unglaublich kraftvollen und dynamischen Sound kreieren kann, der kein Stein auf dem anderen lässt. Es kommt schlicht und einfach darauf an, diese Mittel so effektiv einzusetzen wie nur möglich. Und diese Effektivität, ja Kreativität schütteln Coliseum mit einer lockeren Leichtigkeit aus dem Ärmel. Eine gute Basis für ein sehr gutes Album.

Mit schmetternden Riffs, einer treibenden D-Beat-Dampfwalze, einer verdammt angepissten Stimme und einem textlich jederzeit erhobenen Mittelfinger haben die Jungs bereits mit ihrem Debut einen energiegeladenen Rohdiamanten auf Band gepresst, der in den folgenden Jahren Stück für Stuck verfeinert worden ist. Insgesamt ein aggressives, weil roh und wütend, ein durchweg eingängiges, weil bis dato einzigartig, und ein enorm abwechslungsreiches Album, das über die gesamte Spielzeit zu überzeugen weiß. Ein echter Hammer.

Über die Bonustracks hingegen kann man durchaus geteilter Meinung sein. Die Demosongs aus den Anfangstagen lassen erahnen, welchen Weg die Band schließlich einschlagen sollte. Daneben gibt es eine Coverversion von Judy Is A Punk, die sicherlich zu den besseren Ramones-Coversongs zu zählen ist, und den Song No Salvation, den man als Wegweiser für das zweite Album der Band aus Louisville ansehen kann. Die weiteren Songs hingegen kommen mehr als Füllmaterial für eine Doppel-LP daher, zeigen jedoch bereits in Ansätzen die Aggressivität und Power der späteren Werke. Insgesamt Stücke mit nostalgischem Wert für Fans der Band oder einfach Zeitzeugen der Vergangenheit.

Wer das Album in der Originalversion noch nicht im Plattenregal stehen hat, sollte auf jeden Fall zuschlagen. Zudem sind Artwork und Aufmachung, wie man es von Deathwish-Outputs gewohnt ist, echte Hingucker. Enttäuscht wird hier sowohl musikalisch als auch visuell definiv niemand. Ich zumindest liebe diese Scheibe.

Coliseum – Coliseum (Reissue)

VÖ: 19. August 2014 / Original: 08.06.2004
Label: Deathwish

Trackliste:
01. Detached
02. Children Of Our Own Creation
03. Hostage Of Privilege
04. Burn Out Bright
05. F.F.P
06. In Time
07. This Mind Locked Inside This Body
08. Mire
09. Claim Control
10. Give Up and Drive
11. Pretty Situation
12. The Simple Answer Is
13. No Salvation
14. Born To Hang
15. I Don’t Care About
16. Judy Is A Punk
17. Detached (Demo)
18. This Mind (Demo)
19. In Time (Demo)
20. Pretty Situation (Demo)

Coliseum - Band

Hinweis: Das Bildmaterial habe ich dem Pressekit auf www.deathwishinc.com entnommen.