reinhören: sick of it all – the last act of defiance

Sick Of It All - The Last Act Of Defiance (Frontcover)Es gibt Bands, die mich nun schon mehr als die Hälfte meines Lebens begleiten. Da fällt das Schreiben einer rein objektiven Review nicht nur schwer, vielmehr gestaltet sich das als nahezu unmöglich. Entweder man ist eigentlich total enttäuscht und sucht dennoch jeden noch so winzigen positiven Aspekt, nur um die geliebte Band wieder ins rechte Licht zu rücken. Oder man neigt zu wortreichen Übertreibungen, schließlich ist die Band über die Jahre hinweg Teil des eigenen Lebens gewesen. Doch ehrlich, wen interessiert das eigentlich? Eine Review ist immer rein subjektiv, alles andere ist theoretisches Gelaber und einfach nur langweilig. Genau das sind Sick Of It All seit ihrer Gründung im Jahr 1986 zu keiner Zeit gewesen. Für das vor kurzem veröffentlichte zehnte Album The Last Act Of Defiance gilt das erst recht.

Dabei lässt der Titel des neuen Albums fast vermuten, dass die vier New Yorker die Hoffnung auf bessere Verhältnisse auf diesem Planeten nun doch aufgegeben haben. The Last Act Of Defiance – Ein letztes Mal aufbegehren. Doch das täuscht, und wie. Wer glaubt, Sick Of It All würden sich nun die Decke über den Kopf ziehen und das Weltgeschehen einfach teilnahmslos weiter laufen lassen, wird mit diesem Album eines Besseren belehrt. Man, wir reden hier über Sick Of It All. Und diese vier Jungs sind immer energiegeladen und voller Tatentrang.

Get Bronx ist dann auch der Song, der genau das lautstark auf den Punkt bringt. „Stand up and fight“. Steh auf und unternimmt was gegen all den Scheiß, der tagein tagaus überall, auch vor deiner eigenen Haustür, abläuft. Und Sick Of It All machen genau das in fast schon unnachahmlicher Weise. Nun mit weniger Metal, dafür mehr Punkrock, aber immer noch wütend, ehrlich und unverwüstlich. Anders ausgedrückt, klassischer New York Hardcore wie man ihn besser nicht bringen kann.

Gleich der Opener Sound The Alarm stellt dies mit viel Drive und Tempo, harten Riffs, den gewohnt kreischenden Vocals von Lou Keller – definitiv einer der markantesten Stimmen überhaupt –sowie eingängigen Gangshouts eindrucksvoll unter Beweis. Songs wie Act Your Range, Facing The Abyss oder auch Outgunned stehen dem in nichts nach. Allesamt kraftvolle und angepisste Hardcoresongs, die mit viel Power aus den Boxen brettern und definitiv den Drang haben, den einen oder anderen Pit auf den Kopf zu stellen.

Never Back Down und das bereits angesprochene Get Bronx hingegen sind straighte Punkrocksongs, die direkt im Ohr hängen bleiben und wie Road Less Traveled – ebenfalls eine Punkrocknummer mit einem fetten Groove – auf mitreißende Art und Weise Herz und Seele der vier Jungs offenbaren.

„Live Your Life.. We did not choose this, passion drove us to it, Hardcore is our life now.“ (aus Road Less Traveled)

Kaum eine andere Band bringt diese Message so integer rüber wie Sick Of It All. Darüber hinaus zeigen diese Songs jedoch auch, zu welch variablen Songwriting die Band fähig ist.

Und natürlich verstehen Sick Of It All Hardcore auch weiterhin als lautstarken Protest. Schließlich ist Hardcore mehr als nur Musik. Soziale und politische Missstände werden schonungslos mit offenen Worten angeprangert und thematisiert. Ob Kritik an der stetig zunehmenden Einschränkung von Menschen- und Bürgerrechten oder der Missachtung individueller Freiheiten, ein jeder Song ist ein direkter Schlag ins Gesicht herrschender Institutionen und Organisationen.

Zum Schluss setzen Sick Of It All mit DNC (Do Not Comply) – eine treibende Oi-Nummer mit hymnenhaften Touch, die sicherlich das Potenzial für einen Liveklassiker hat – noch einmal ein deutliches und abschließendes Statement. „Liberty or death“. Somit wird jeder noch vorhandene Zweifel, dass The Last Act Of Defiance das letzte Aufbegehren einer großen Band gewesen ist, endgültig aus dem Weg geräumt.

Zu all dem gesellt sich erneut eine fette Produktion aus dem Hause Tue Madsen, die allen Songs einen extrem wuchtigen und massiven Sound verleiht. Der Kerl versteht sein Handwerk genauso gut wie die vier Jungs aus New York.

Würde ich etwas anderes schreiben, wenn Sick Of It All nicht seit 20 Jahren zu meinen Lieblingsbands gehören würden? Ja, vielleicht. Doch eins kann Ich mit Gewissheit zeigen. The Last Act Of Defiance ist ein verdammt gutes Hardcorealbum, das sicherlich eines der besten Alben ihres gesamten Schaffens ist.

Sick Of It All – The Last Act Of Defiance

VÖ: 26. September 2014
Label: Center Media

Trackliste
01. Sound the Alarm
02. 2061
03. Road Less Traveled
04. Get Bronx
05. Part of History
06. Losing War
07. Never Back Down
08. Facing the Abyss
09. Act Your Rage
10. Disconnect Your Flesh
11. Beltway Getaway
12. Sidelined
13. Outgunned
14. DNC

Hinweis: Das Cover ist ein Bild meiner eigenen LP.