Konzertbericht: Arliss Nancy live in Oberhausen

Nach dem im letzten Jahr veröffentlichen Album Wild American Runners und der leider abgesagten Tour im Frühjahr befinden sich Arliss Nancy der-zeit auf Deutschlandtour. Und so hatte Ich nun endlich die Gelegenheit, die fünf Jungs aus Fort Collins, Colora-do mal live zu sehen. Gemeinsam mit North Alone und Macky Messer schauten Arliss Nancy am 30. September im Oberhausener Druckluft vorbei.

Arliss Nancy, Macky Messer, North Alone – Oberhausen, Drucklift, 30.09.2014

Zu ungewohnt früher Stunde, zumindest für das Druckluft, standen North Alone auf der Bühne. Verdammt. Kennt Ihr das Gefühl „Den Kerl hab ich irgendwo schon mal live gesehen und kann mich weiß Gott nicht mehr daran erinnern wo. Dabei ist der echt gut, wie konnte ich das vergessen? Könnte daran liegen, dass er heute mit Begleitung auf der Bühne steht und an die Fidel kann ich mich erst recht nicht erin-nern. Na, auch egal, über das wann und wo denke ich später nach.“ All das ist jetzt auch nicht so wichtig, denn genau das sind nun die Songs von North Alone und die gefallen mir heute Abend wirklich gut. Ja, noch so ein Singer-/Songwriter, könnte man sagen. Passt auch, doch was soll’s? Es gefällt und nur das zählt. Mit einer rauen Stimme und in ständiger Begleitung von Gitarre und Fidel, erzählen North Alone kleine Geschichten aus dem Leben, die zumindest an diesem Abend meine volle Aufmerksamkeit haben.

Es folgen Macky Messer aus Dortmund. Auf Platte kann ich mit den Jungs nicht anfangen. Heute jedoch spielen Macky Messer ein halbakkustik-Set, ganz relaxt im Sitzen und zeigen so eine ganz andere Seite ihres Könnens. Und das gefällt mir in so mancher Hinsicht schon wesentlich besser, wobei ich bei den Songs des Öfteren an Queens Of The Stone Age denken musste. OK, der Vergleich hinkt zwar ein wenig, doch die Richtung passt. Aber ob das jedoch so gewollt war? Keine Ahnung. Fetter Sound, treibende Riffs, gutes Bassspiel. Eigentlich passte alles. Abgesehen vom Gesang, denn der konnte so gar nicht überzeugen. Vielleicht war das der Grund warum der Funke dann doch nicht hundertprozentig rüber-springen wollte.

Naja, so schlimm was es auch nicht. Zumal jetzt Arliss Nancy auf der Bühne standen und die hatten mich und wohl auch alle anderen (so um die 40) Zuschauer*Innen gleich mit ihrem ersten Song ge-packt. Verträumte Stimmung bei wundervollen Songs, melodieverliebt, immer rau dabei und zwei Whiskyge-tränkte Stimmen, denen man schlicht und einfach gerne zuhört. Und damit ist auch schon fast alles über den Auftritt gesagt. Viel besser, ja feinfühliger kann man Punkrock nicht in Melancholie und Molltöne packen als es Arliss Nancy an diesem Abend eindrucksvoll demonstrieren (für ihre Platten gilt das natür-lich auch).. Man war fast geneigt zur Theke zu gehen, sich auch einen Whisky zu bestellen und den Jungs von der Theke aus zuzuschauen. Doch das würde dieser Band nicht gerecht werden. Dann lieber vor der Bühne stehen, Songs und Atmosphäre aufsaugen, den Augenblick genießen, um sich nach gut 45 Minuten bei den Jungs zu bedanken: „Hey, vielen Dank für diesen schönen Abend. Vielleicht trifft man sich mal in einer schummrigen Kneipe auf ein oder zwei Gläser Whisky, eine coole Band, die im Hintergrund spielt, und ein paar nette Geschichten.“

Nachtrag: Ich habe übrigens bis heute nicht herausgefunden, wo ich North Alone schon mal über den Weg gelaufen bin. Irgendwie spielt mir mein eigenes Gedächtnis hier einen bösen Streich.