Konzertbericht: The Tidal Sleep live in Essen

Seit der Veröffentlichung der aktuellen Scheibe Vorstellungskraft im Juli dieses Jahres habe ich sehnlichst auf eine Tour von The Tidal Sleep gewartet. Immerhin zählt dieses Album zu meinen bisherigen Alben des Jahres und daher war ich sehr gespannt, ob die Songs live eine ähnliche Atmosphäre erschaffen können wie auf Platte. Am 07. November spielten die Jungs zusammen mit Frameworks und The Saddest Landscape im Essener Cafe Nova, also hier im Ruhrgebiet. The Tidal Sleep sollten zwar nur Vorband sein, aber klare Sache, dieser Termin war gesetzt.

The Tidal Sleep, Frameworks, The Saddest Landscape – Essen, Café Nova – 07.10.2014

Sicherlich kennt ihr diese Momente wo sich Hoffnungen und Erwartungen zu einhundert Prozent erfüllen. Solch ein Moment war der Auftritt von The Tidal Sleep. Der erste Song und da ist sie plötzlich, diese dichte Atmosphäre, diese Intensität, die auf Platte schon ein wahres Erlebnis ist. Doch hier, live, wird all das noch einmal verstärkt. Die Songs sitzen, der Sound ist prima und brettert wuchtig aus den Boxen. Auf der Bühne stehen fünf Jungs, die offensichtlich Spaß an der Sache haben, sich freuen hier spielen zu können und mit jeder Menge Power und Leidenschaft die Songs noch lebendiger werden lassen als auf gepressten Vinyl. So ist es auch kein Wunder, dass sich bei Thrive & Wither – was für ein Song (hier das Video) – das erste Gänsehautfeeling des Abends bemerkbar macht. Ein Gefühl, das während des gesamten Auftritts zu keiner Zeit verloren geht. Und das sind diese Momente, die schließlich sagen wollen „Man, das ist eine verdammt geile Show!“. Momente, die hängen bleiben, die man so schnell nicht wieder vergisst. Genauso kann man den Auftritt von The Tidal Sleep an diesem Abend mit wenigen Worten beschreiben.

Gefühlt auf Wolke sieben folgten im Anschluss Frameworks und The Saddest Landscape. Ganz ehrlich, mit Hardcore, der an Screamogrenzen rüttelt, bin ich mit wenigen Ausnahmen nie wirklich warm geworden. Doch diese beiden Bands haben mir persönlich eine ganz andere Seite dieses Genres gezeigt. Hardcore mit viel Herz und Gefühl, der jedoch immer wieder explodierte und eine wütende, eine immens krachige Seite zeigte. Das Entscheidende war jedoch, dass das Hin und Her zwischen cleanen und schreienden Vocals, zwischen laut und leise, die unterschiedlichen Gefühlsausprägungen allesamt authentisch wirkten. So hatte ich stets das Gefühl, die Jungs auf der Bühne sagen und zeigen auch das, was sie mit Musik und recht persönlichen Worten transportieren wollen. Eine Tatsache, die vielen anderen Bands offenbar fremd ist. Doch vielleicht liegt das auch an der Atmosphäre dieser kleinen Clubs, an der Nähe zu den Bands, an dem direkten Blick in die Augen der Musiker. Keine Ahnung. Zumindest war das, was sowohl Frameworks als auch The Saddest Landscape heute gezeigt haben, aufregend, ja großartig. Definitiv zwei Bands mit viel Herz. Zwei Bands, mit denen ich mich auf jeden Fall näher auseinandersetzen werde, nein muss.