reinhören: manliftingbanner – red fury

ManLiftingBanner - Red Fury (Frontcover)Lange war es ruhig um ManLiftingBanner. Nach der 1991 veröffentlichten Myth Of Freedom 7inch und der ein Jahr später folgenden Ten Inches That Shock The World 10inch gab es im Laufe der Jahre nur noch ein paar wenige Samplerbeiträge. Die Mitglieder blieben der holländischen Hardcoreszene hingegen treu und machten in Bands wie Seein‘ Red, Mainstrike, Dead Stool Pigeon und Birds Of A Feather weiter. 2012 machten ManLiftingBanner dann wieder lautstark auf sich aufmerksam. The Revolution Continues. Die beiden frühen Werke sowie alle Samplerbeiträge wurden auf Crucial Response Records neu aufgelegt und waren so seit langer Zeit endlich wieder auf Vinyl erhältlich. Doch ManLiftingBanner hatten auch 2012 einiges zu sagen, schließlich war der arabische Frühling noch am Blühen und die Weltfinanzkrise lag noch immer wie ein dunkler Schatten über allem. So gab es auf The Revolution Continues auch acht neue Songs, die textlich wie musikalisch den Geist der frühen 90ziger wieder aufleben ließen. Auch wenn das im Falle von ManLiftingBanner nicht nötig gewesen wäre. Schließlich hat diese Band die europäische Szene geprägt wie nur wenige andere Bands.

Mit Red Fury ist unlängst das erste echte Fulllength-Album überhaupt auf Crucial Response Records erschienen und das zeigt eindrucksvoll: ManLiftingBanner sind sich und ihren Prinzipien bis zum heutigen Tage treu geblieben.

So haben sich die Themen haben auch nicht groß verändert. Warum auch. Schließlich hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten nicht viel verändert. Vielmehr taumelte die Menschheit von einer Krise in die nächste, von einem Konflikt in den nächsten. Globale wie auch lokale Probleme und Ungerechtigkeiten haben eher zugenommen als abgenommen. Der Stoff, um sich ausführlich mit dem politischen Weltgeschehen auseinander zu setzen ist also nach wie vor in Hülle und Fülle vorhanden. Ob Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Homophobie, Faschismus und Rassismus. Gründe, um für politische und gesellschaftliche Veränderungen zu kämpfen, sind immer noch zahlreich vorhanden. Dieser Kampf wird nun in dreizehn neuen Stücken fortgesetzt, wobei sich mit Sister auch ein alter Song auf Red Fury wieder findet, jedoch in einer neuen Version. Diese kommt nun mit einer zusätzlichen Stimme (Gastvocals von Meral Polat). welche die ohnehin schon starke Message des Songs noch einmal steigert. Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern war und ist ein echtes Herzensanliegen von ManLiftingBanner. Dies völlig zu Recht. Doch auch die neuen Songs finden in gewohnt offensiven Worten eine deutliche Sprache. Hier wird nicht um den heißen Brei geredet. Hier wird alles kompromiss- und schonungslos auf den Punkt gebracht. Mit Red Fury untermauern ManLiftingBanner ihre äußerst kritischen und berechtigten Positionen (nicht nur) zum aktuellen Weltgeschehen.

Twelve Inches That Shock The World Again

Und all das klingt wütend und angepisst. Straighter und aggressiver Hardcore-Punk mit enorm viel Tempo, wobei Breaks, schleppende Midtempo-Parts, einige gute Hooklines und Punkrockelemente für die notwendige Abwechslung sorgen. Im Vergleich zu den älteren Stücken haben die neuen Songs jedoch etwas mehr Groove, sind sogar melodischer. Insgesamt ist das Songwriting noch etwas ausgereifter. Doch keine Panik, jeder Songs ist musikalisch wie inhaltlich in jeder Sekunde ein Schlag ins Gesicht.

Die Aufmachung ist natürlich auch wieder sehr gelungen. Die Platte kommt mit riesigem Fold-Out-Sleeve, Poster, Stickern sowie allen Texten und wahlweise in roten, weißen oder schwarzen Vinyl.

ManLiftingBanner haben 1991 das revolutionäre Feuer entfacht. Red Fury zeigt eindrucksvoll, dass dieses Feuer auch im Jahr 2014 immer noch, wenn nicht gar stärker, brennt. Eine großartige Scheibe einer mitreißenden Band, die nach wie vor keinen Hauch an Relevanz verloren hat.

ManLiftingBanner – Red Fury

Label: Crucial Response Records
VÖ: 18. September 2014

Tracklist
01. This Is What?
02. Move On Over…
03. Undercurrent
04. Riding High
05. What They Sow
06. Dead Wrong
07. (Just Another) Union Song
08. Red Sabbath (Instrumental)/Treason
09. Forever Young
10. Ain’t My Brother’s Keeper
11. Sister
12. Give Them Some More
13. Bent But Not Broken
14. Never Again