reinhören: restorations – lp3

Restorations - LP3 (Frontcover)Achtzehn Monate nach ihrem letzten Album schmeißen uns Restorations ihr drittes Album vor die Füße. Und das ist eine konsequente Fortsetzung von LP2. Der Albumtitel bleibt minimalistisch, der Inhalt – Lyrics und Musik – hingegen strotzt vor Experimenten und Einfallsreichtum und ist vor allem wieder eins: untypisch und wider jeder Erwartung. Restorations zeigen erneut, dass Schubladendenken absolut nicht ihr Ding ist. Und das ist auch gut so.

Einordnen kann man auch LP3 nicht. Die fünf Jungs aus Philadelphia machen es uns auch nicht leicht, denn erneut werden alle vorhandenen Einflüsse mit voller Wucht zusammen geworfen, um damit zu experimentieren, um damit zu spielen, um daraus etwas Neues zu schaffen. So fordert LP3 unsere volle Aufmerksamkeit bereits mit dem Opener Wales, der mit einem ruhigen Wasserrauschen und bedächtigen Drums beginnt. Ein ruhiger Beginn, dann bäumen sich die ersten Gitarrenwogen auf, erhebt sich schroffe Stimme von Jon Loudon und der Song entwickelt sich zu einer bedrohlichen Noiserock-Nummer, die aufgrund kratzender und dissonanter Gitarrenlinien nur schwer zu greifen ist. Doch schon mit dem folgenden Separate Songs wird es eingängig. Schöne Melodien treffen auf eine nun verletzliche Stimme während die Gitarren hier und da raue Akzente setzen, sich dann jedoch anmutigen Soli widmen und daneben immer wieder Zeit finden Jon Loudons Worte gefühlvoll zu begleiten. All das ist perfekt arrangiert, all das entlädt sich in einem wundervollen und emotionellen Chorus, ehe der Song ein gefühlvolles und friedliches Ende findet.

“Imagine going outside to hear the sweet sound of separate songs”

Viel Phantasie braucht man nach diesem Song nicht mehr, denn das war genau dieser „sweet sound of separate songs“.

Tiny Prayers hingegen kommt weniger gefühlvoll, dafür jedoch umso kraftvoller. Eingeleitet von Dan Zimmerman‘s feinem Bassspiel treffen sich die drei Gitarren zu einem wahren Soundduell, das in der Mitte des Songs schließlich mit aller Kraft zuschlägt. Dabei gelingt es Jon Loudon dieser Wucht gekonnt zu trotzen, indem er sich lautstark, ja fast schon schreiend im Vordergrund hält. Doch den verletzlichen Tenor des Songs mag auch dieser gewaltige Sound nicht verbergen.

“Like there’s no place left to go, I don’t know what’s worse, no opinion or no thirst…”

All My Home vertont schließlich diese Verletzlichkeit mit leisen Tönen und zeigt erstmals die traurig-zerbrechliche Stimme Jon Loudons. Die wunderschöne Ballade zeigt neben viel Herz die Vielseitigkeit der Jungs, die auch vor dezenten Bläsern im Hintergrund und süßen Popklängen nicht zurück schrecken. Die übrigen Stücke transportieren Stimmungen und Gefühle in gleicher Weise. Wandeln zwischen Hoffnungen und Sorgen, zwischen Verunsicherung und Nachdenklichkeit, manchmal melancholisch, jedoch niemals aufdringlich oder gar weinerlich. Dafür sind die Songs schlicht zu kraftvoll und vor allem viel zu mutig.

Doch all diese Worte werden LP3 nicht gerecht. Mit jedem weiteren Durchlauf offenbaren sich mehr und mehr kleine Details, die dieses vielschichtige und experimentelle Album so interessant und spannend machen. Ein Album, das sich nicht sofort offenbart, sich nur langsam entfaltet. Dafür jedoch in unglaublich viele Richtungen. Und mit ein wenig Geduld wird man jedoch mit einem verdammt guten Album belohnt. Denn genau das ist LP3. Verdammt gut.

Restorations – LP3

VÖ: 31. Oktober 2014
Label: Side One Dummy

Tracklist
01. Wales
02. Separate Songs
03. Misprint
04. Tiny Prayers
05. All my Home
06. Most Likely A Spy
07. No Castle
08. The Future
09. It’s Not

Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurden mir freundlicherweise von Uncle M zur Verfügung gestellt.