Konzertbericht: Napalm Death und Hatebreed live in Bochum

Hatebreed werden in diesem Jahr 20 Jahre alt. Solch ein Jubiläum darf man natürlich feiern und daher reisen die Jungs zurzeit von Club zu Club, um gemeinsam mit ihren Fans zu feiern. Vor ein paar Jahren hätte ich noch gesagt „OK, da muss ich hin.“ Doch bei den letzten Shows musste ich feststellen, dass mich Hatebreed live nicht mehr so umhauen wie noch in der Vergangenheit. Daher hatte ich die Tour schon abgehakt. Doch dann habe ich zu meiner großen Freude gelesen, dass Napalm Death die Jungs aus den USA als Support begleiten werden. Tja, dann besuche ich auch gerne wieder eine weitere Hatebreed Show. So geschehen am 13. November.

Der Weg in den Konzertsaal im Keller der Bochumer Matrix führt zunächst und unweigerlich an den Merchständen der Bands vorbei und die zeigten gleich einmal wie unterschiedlich Bands mit den Thema Merch umgehen. Napalm Death eher minimalistisch. Drei Shirts und vier CDs zu jeweils guten, ja fairen Preisen. Das war’s. Am Hatebreed-Merchtable konnte man hingegen in aller Ruhe durch einen überaus fetten Merchkatalog blättern. Macht auch Sinn, denn der Merchstand glich einem kleinen Ladenlokal und bei solch einer Auswahl verliert man im Gedränge schon mal die Übersicht. Hatte ich bisher lediglich das leise Gefühl, dass sich der Name Hatebreed zu einer echten Marke entwickelt hat, war das nun die endgültige Bestätigung. Natürlich kann man diesem Kommerz im Hardcorebereich kritisch sehen. Andererseits gönne ich den sympathischen Jungs auch ihren Erfolg. Zudem haben Hatebreed in den letzten Jahren viele andere Bands unterstützt, indem sie Ihnen die Möglichkeit gegeben haben vor einem größeren Publikum zu spielen. Kommerz- und Sellout-Vorwürfe hin oder her, die positiven Dinge geraten leider allzu oft in Vergessenheit.

Napalm Death, Hatebreed – Bochum, Matrix – 13.11.2014

Doch all das sind nur Randnotizen. In der nicht ganz gefüllten Halle fand sich noch eine Plätzchen in der ersten Reihe. Genau richtig für den nun folgenden Auftritt von Napalm Death. Ohne großes Tamtam bretterten die Jungs aus Birmingham los. Mit voller Wucht und ohne Kompromisse erschüttert und durchdringt jeder Song Herz, Seele und Verstand. Es ist immer wieder erstaunlich welch druckvollen und intensiven Sound Napalm Death erschaffen und dies mit verhältnismäßig wenigen Mitteln. Während andere Bands mit zwei oder gar drei Gitarren und dickem Drumkit versuchen, na sagen wir mal, laut und fett zu klingen, erledigen Napalm Death das mit einem Bass, lediglich einer Gitarre und vergleichsweise beschaulichen Drums. Insgesamt wirkt das alles dann umso beeindruckender. Zumal mit einem Sänger, der seines gleichen sucht. Die Vocals von Barney Greenway wüten während des gesamten Gigs wie ein gewaltiger und ohrenbetäubender Orkan durch die Matrix. Lediglich auf das nervenzerreibende Gekreische von Mitch Harris musste man heute aufgrund einer temporären Auszeit verzichten. Ersatzmann John Cook lieferte jedoch an der Gitarre eine nicht minder gute Leistung, lediglich seine Vocals drangen weniger tief ins Mark. Und dennoch, ein erneut einen starken Auftritt der Jungs aus Birmingham, der sich durch die gesamte Schaffensphase der Band wühlte. Seien es nun Songs vom aktuellen Album Utilitarian, ein Klassiker wie Suffern The Children, Nazi Punks Fuck Off von den Dead Kennedys oder gar ein Song vom anstehenden neuen Album (Veröffentlichung im Januar 2015), ein jeder Song ist Katharsis pur. Und natürlich gab es zwischen den Songs die gewohnt eindringlichen Ansagen von Barney gegen soziale und politische MIßstände, Homophobie, Faschismus und kapitalistische Auswüchse und Verwerfungen.

Unter viel Applaus verließen Napalm Death nach knapp einer Stunde die Bühne und ließen viele zufriedene, einige staunende und auch ein paar fassungslose Gesichter zurück. Live sind Napalm Death einfach ein Gefühlserlebnis der besonderen Art. Ein intensives und gewaltiges Erlebnis, dass ich auch Tage später noch nicht vollständig verarbeitet habe.

Allerdings sehr zum Leidwesen von Hatebreed. Gegen Napalm Death sehen die fünf Jungs einfach blass aus. Doch das ist nur mein subjektiver Eindruck an diesem Abend. Hatebreed sind natürlich eine verdammt gute Hardcore-Band. OK, zwar auch mit Doublebass, was ich persönlich für völlig überflüssig halte. Doch insbesondere live konnten die Jungs mich immer wieder überzeugen. Das liegt nicht zuletzt an Frontmann Jamie Jasta, der einfach ein Sympathieträger ist und weiß, wie man das Publikum mitreißen kann. Nach einem Rocky-Intro fegten die Amerikaner durch alle Alben und präsentieren einen bunten Querschnitt der letzten zwanzig Jahre. Die Songs sitzen, der Sound ist gut, die Stimmung prima und vor allem schweißtreibend. Fäuste wurden scharenweise noch oben gestreckt und die Songs sehr textsicher mitgeschrien. Für Jamie Jasta Grund genug sich gleich mehrmals für den tollen Support, nicht nur heute sondern über all die Jahre hinweg, zu bedanken. Doch wie das nun mal so ist mit subjektiver Wahrnehmung, nach der Show von Napalm Death konnten mich Hatebreed heute Abend vor allen in puncto Power nicht packen. Hat der Funke auf vergangenen Shows immer recht schnell gezündet, trat genau das heute nicht ein. Naja, nett war es dennoch.