Konzertbericht: Andrew Paley, Karl Larsson, Garret Klahn live in Oberhausen

Das Jahr neigt sich dem Ende, die Stimmung wird besinnlicher, die Töne werden leiser. Sieht man den allgemeinen jahresbedingten Stress in der Welt da draußen, sind diese Sätze nichts anderes als Wunschdenken. Könnte man zumindest meinen. Leise und besinnlich hingegen war das Konzert von Andrew Paley, Karl Larsson und Garret Klahn im Oberhausener Druckluft am vergangenen Montag.

Oberhausen / Druckluft – 08.12.2014

Auf den Auftritt von Andrew Paley habe ich mich besonders gefreut. Zum einem waren alle Konzerte seiner Band The Static Age wunderschöne Erlebnisse. Zum anderen habe ich mich in der letzten Woche intensiv mit seiner neuen EP Songs for Dorian Grey auseinandergesetzt, die Anfang Dezember auf Flix Records veröffentlicht worden ist. Flix Records war zudem auch Veranstalter der aktuellen Tour. Daher passte das alles. Genau wie auch der Auftritt von Andrew Paley. Leise Gitarrenklänge, eine bezaubernden Stimme, tolle Songs – darunter mit Eulogy auch mein liebster The Static Age Song. Eine halbe Stunde abschalten und träumen. Entspannter kann ein Konzertabend nicht beginnen. Ein Auftritt, mit den erhofften schönen Momenten, der leider viel zu kurz ausgefallen ist.

Garret Klahn & Karl Larsson - Tourposter (Druckluft Oberhausen)

Doch zum Glück nahm Karl Larsson nach nur kurzer Pause genau diese Stimmung wieder auf. Ebenfalls mit dezenten, hin und wieder verspielten Gitarrenklängen und einer sanften Stimme sorgte der Last Days of April Frontmann für eine warme Wohlfühlatmosphäre. Genau das Richtige Mittel für das nasskalte Wetter vor den Türen. Doch daran konnte man eh keinen Gedanken verschwenden, schließlich hatte Karl Larsson einige nette, ja schöne Geschichten mitgebracht. Und die hatten meine volle Aufmerksamkeit. Dabei machte es nicht nur Spaß seinen Songs zu lauschen, sein nahezu perfektes Gitarrenspiel beeindruckt schließlich ebenso. Das klingt nicht nur für sich genommen gut. Vielmehr stehen die Töne in voller Harmonie zu seiner Stimme und auch zu seinen Texten. Insgesamt ein großartiges Akkustikset, das eine gewisse Melancholie nicht verstecken kann. Eine Tatsache, die allen Songs, die stets zwischen zerbrechlich und verletzlich wandeln, jedoch sehr gut steht. Das passt einfach. Kurze Randnotiz: Karl Larrson musste des Öfteren einen Blick in sein kleines „Notenheft“ werfen. Auf der einen Seite schon amüsant, schließlich versteht er sein Handwerk mehr als gut. Andererseits wirkt das auch sehr sympathisch und bodenständig.

Nur wenig später wurde es zum ersten Mal etwas lauter im Druckluft, denn Garret Klahn stand heute mit Band auf der Bühne. So gleich wurden Erinnerungen an Texas Is A Reason wach – Garret Klahn war Sänger und Gitarrist eben dieser Band. Doch das ist Vergangenheit. Geboten wurde heute spielfreudiger und teilweise auch experimentierfreudiger Indierock, der definitiv zu gefallen weiß. Dazu Garret Klahns unverkennbare Stimme, die sich jedoch zu keiner Zeit in den Vordergrund drängt, sondern sich vielmehr ins große Ganze einreiht. Erst als Garret Klahn der „Band eine Pause gönnt“ und allein mit seiner Gitarre auf der Bühne steht, kann diese sich voll entfalten. Die Songs werden nun gefühlvoller, bisweilen ein Stück weit intimer. Der Typ auf der Bühne weiß, wie man diese gewisse Atmosphäre entstehen lässt, die Nähe zeigt, aber auch Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ob mit oder ohne Band, ein insgesamt toller Auftritt und zugleich das Finale eines schönen Montagabends.

Zugleich auch das Ende einer gemeinsamen Tour, da sowohl Andrew Paley als auch Karl Larsson am nächsten Tag den Weg in die Heimat antreten sollten. Ein Abschied, der mit einem großen Kuchen auf der Bühne gefeiert wurde.