Rezension: Vegane Küche für Kinder von Christina Kaldeway

Vegane Küche für Kinder (Cover)Wer von Zeit zu Zeit durch die Buchhandlungen schlendert, könnte den Eindruck gewinnen, dass die vegane Ernährung mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Die Auswahl veganer Kochbücher ist nicht nur groß, sondern auch abwechslungsreich und vielseitig. Brendan Brazier, Matt Frazier und Patrik Baboumian haben in den letzten Monaten mit ihren Büchern bewiesen, dass auch Sport und eine vegane Ernährung wunderbar miteinander harmonieren. Auch der eine oder andere Ratgeber zum veganen Leben findet sich mittlerweile in den Bücherregalen. Alle Aspekte des Lebens werden somit mehr oder weniger gut auch in gedruckter Form abgedeckt.

In der Kategorie „weniger gut“ ist jedoch das Thema vegane Kinderernährung einzuordnen. Dabei entscheiden sich immer mehr vegan lebende Menschen, um genauer zu sein, Eltern, auch ihre Kinder vegan zu ernähren oder denken zumindest darüber nach. Die Gründe, warum dieses Thema ein Nischen- oder hierzulande gar ein Tabuthema zu sein scheint, mögen mannigfaltig sein. Tatsache ist, dass hier noch eine große Informationslücke vorzufinden ist. Zu meiner und ich denke zur Freude aller vegan lebenden Eltern hat Christina Kaldeway mit Vegane Küche für Kinder – Einfach lecker für kleine Entdecker, das bereits 2012 als erster umfassender deutschsprachiger Ratgeber zu diesem Thema über compassion media veröffentlicht worden ist, diese Lücke zumindest ein klein wenig gefüllt.

Dabei ist Vegane Küche für Kinder mehr als nur ein Kochbuch. Vielmehr ist dieses Buch ein Ratgeber, der jungen Eltern in den ersten Jahren nach der Geburt der eigenen Kinder mit Rat und Tat zur Seite steht. Daher widmen sich die ersten Seiten auch gleich den Fragen, die bei vielen Eltern sicherlich ein Gefühl der Unsicherheit hervorrufen. „Wird mein Kind bei einer veganen Ernährung mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt? Wie wichtig sind diese Stoffe, wofür braucht unser Körper diese, in welchen Lebensmitteln sind diese enthalten oder muss ich diese auf jeden Fall supplementieren? Worauf müssen wir nun besonders achten?“ Zur Beantwortung dieser Fragen gibt es gleich in den ersten Kapiteln jede Menge Hinweise und Tipps zu wichtigen Stoffen wie zum Beispiel Eisen, Vitamin B12, Vitamin D und Calcium.

Fingerfood Birnenhuhn - Vegane Küche für Kinder

Fingerfood Birnenhuhn – Vegane Küche für Kinder

Doch nicht nur die Versorgung mit allen wichtigen (Nähr-) Stoffen gilt es gerade in den ersten Monaten und Jahren zu beachten. Denn nicht alle Lebensmittel sind für Babies und Kleinkinder geeignet. Dazu zählen zum Beispiel Hülsenfrüchte, aber auch Zucker und Salz. Was hierbei im Detail zu beachten ist zeigt das Kapitel Auswahl der Lebensmittel, das unter anderem auch den Aspekt der Allergieprophylaxe beleuchtet. Ein Thema was in den ersten Jahren sicherlich immens wichtig ist. Dazu zählt auch und für eine vegane Kinderernährung nicht unbedeutend, dass man im ersten Lebensjahr auf Sojaprodukte verzichten und auf Alternativen wie Hafer- oder Mandelmilch zurückgreifen sollte. Gut, dass man all diese Alternativen mittlerweile in vielen Supermärkten kaufen kann.

Der schrittweise Übergang vom Trinken zur Breikost wird dann durch den Brei-Baukasten unterstützt. Dieser zeigt in einfachen Schritten wie man Obst- und Gemüsebrei, aber auch Getreide- und Pflanzenmilchbrei selbst zubereiten und, um den Alltag zu vereinfachen, auch auf Vorrat lagern kann.

Nach der Breikost folgt letztendlich die feste Kost. Auf knapp 100 Seiten gibt es zahlreiche leckere und praktische Rezepte sowie jede Menge hilfreiche Tipps zur Umsetzung. Von Fingerfood über Hauptspeisen, Pfannkuchen, Nachtisch bis hin zu Gebäck wie Brot, Plätzchen und Schokokuchen. Für jede Gelegenheit gibt es viele leckere Gerichte für Groß und Klein. Sogar an Essen für verschnupfte Nasen fehlt es nicht.

Ausstechplätzchen - Vegane Küche Für Kinder

Ausstechplätzchen – Vegane Küche Für Kinder

Natürlich kratzt auch diese Rezeptesammlung nur an der Oberfläche. Für den Einstieg in die vegane Kinderernährung sind die aufgezeigten Rezepte jedoch sehr gut geeignet. Darüber hinaus erhält man viele Anregungen für eigene Ideen. Was definitiv fehlt sind konkrete Beispiele für ein ausgewogenes Frühstück. Ein Punkt, der insbesondere für den Vormittag in der Kita oder in der Schule interessant und wichtig ist. Es werden zwar einige interessante Aufstriche, Dinkelstangen und ein Brotrezept aufgeführt. Um für die Kleinen ein tolles Frühstück für die Kita oder die Schule zuzubereiten, muss man jedoch selbst kreativ werden. Was aber auch durchaus gelingen sollte. In Kombination mit Fingerfood und Rohkost ergeben sich dann auch einige leckere und abwechslungsreiche Möglichkeiten für die Frühstücksbox. Und für das Familienfrühstück am Wochenende gibt es gleich drei tolle Pfannkuchenrezepte und überaus leckere Rosinenbrötchen.

Was mir weiterhin fehlt sind Gerichte mit Quiona und Amaranth, die wie andere Nahrungsmittel auch, nur am Rande erwähnt werden, in den Rezepten aber keinerlei Verwendung finden. Dabei liefern gerade diese Nahrungsmittel jede Menge Nährstoffe, auf die in den ersten Kapiteln besonders eingegangen worden ist. Im Gegensatz dazu hat man in einigen Rezepten die Wahl zwischen diversen Pflanzendrinks (Stichwort Allergieprophylaxe). Ebenso erfreulich, neben hellem Weizenmehl finden sich in so manchen Rezepten auch andere Mehlsorten wie Vollkornmehl, Dinkel- und Buchweizenmehl wieder. Langweilig wird es also definitiv nicht.

Abgesehen von den oben genannten zwei kleinen Kritikpunkten gefallen mir die Rezepte allesamt sehr gut. Insbesondere, weil sich alle Rezept sehr gut im Familienalltag umsetzen lassen. Die Rezepte sind insgesamt sehr einfach und die Zutatenliste ist in allen Fällen sehr übersichtlich. Das zeigt auf der einen Seite, dass eine vegane Ernährung für Kinder durchaus kein Hexenwerk ist. Berücksichtigt auf der anderen Seite aber auch den Faktor Zeit. Denn genau die hat man im Alltag mit Kindern nicht unbedingt in Hülle und Fülle. Und daher sind einfache Gerichte, die schnell und ohne viel Aufwand zuzubereiten sind, genau das Richtige. Das ist sicherlich ein weiterer Pluspunkt für dieses Buch. Dazu zählt auch der Hinweis, dass man die Kinder bei Auswahl der Gerichte, beim Einkaufen und auch beim Zubereiten der Gerichte beteiligen sollte. So lernen die Kinder sowohl das Zubereiten als auch Essen selbst viel mehr zu schätzen. Ganz abgesehen, dass sich die „kleinen Entdecker*Innen“ darauf freuen können immer wieder neues zu entdecken. Und der Spaß am gemeinsamen Treiben in der Küche und am Esstisch gehört natürlich auch dazu.

Linsen-Tofu-Bratlinge - Vegane Küche für Kinder

Linsen-Tofu-Bratlinge – Vegane Küche für Kinder

Vier Erfahrungsberichte vegan lebender Familien, die allesamt sehr positiv ausfallen, zeigen schließlich, dass eine vegane Ernährung für Kinder in allen Altersstufen auch in der Praxis gut umzusetzen ist. Viele kleine Tipps, insbesondere zur Versorgung mit Vitamin B12 und Vitamin D aber auch für den Alltag in der Kita oder in der Schule, helfen dabei, den eigenen Weg zu finden und zu meistern. Neben Informationen zu Nährstoffen und den Rezepten aus den vorherigen Kapiteln ist das sicherlich einer der wichtigsten Abschnitte in Vegane Küche für Kinder.

Abgerundet wird dieses wirklich tolle Buch durch schöne Fotos, einer ausführlichen Nährstofftabelle („was-wo-wofür-wieviel“) und einem originellen Veganpass, an dem die Kleinen bestimmt jede Menge Spaß haben werden.

FAZIT:
Sicherlich deckt auch dieses Buch nicht alle Aspekte einer veganen Ernährung für Kinder und des veganen Familienlebens ab. Doch für den Einstieg ist Vegane Küche für Kinder bestens geeignet. Persönlich hätte ich mir vor einigen Jahren genau dieses Buch gewünscht. Als vegan lebender Vater eines vegan lebenden Kindes kann ich allen Eltern, die ihre Kinder ebenfalls vegan ernähren möchten oder zumindest mit dem Gedanken spielen, aber auch allen Eltern, denen eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung ihrer Kinder am Herzen liegt, dieses Buch wärmstens und mit guten Gewissen empfehlen.

Christina Kaldeway – Vegane Kücher für Kinder – Einfach lecker für kleine Entdecker

Verlag: compassion media
Erstauflage 2012 / 3. Auflage 2013
ISBN: 978-3-9814621-2-8
18,90 Euro

Hinweis: Diese Rezension bezieht sich auf die 3. Auflage von Vegane Küche für Kinder (2013). Das Bildmaterial und ein Rezensionsexemplar von Vegane Küche für Kinder wurde mir freundlicherweise von compassion media zur Verfügung gestellt.

Fingerfood Tomatengesicht - Vegane Küche für Kinder

Fingerfood Tomatengesicht – Vegane Küche für Kinder