reinören: pears – go to prison

Pears - Go To Prison (Frontcover)Dir hängt gerade mal wieder alles zum Hals raus und am liebsten würdest Du alles kurz und klein schlagen? Du bist gerade ziemlich angenervt von all den Menschen da draußen und würdest denen gerne Deine Meinung lautstark ins Gesicht schreien? Natürlich geht all das nicht, schließlich gilt es die soziale Etikette zu wahren. Die Alternative, leg einfach Go To Prison von den Pears auf und höre Dir an, wie die Jungs aus New Orleans in gerade einmal 21 Minuten all das für Dich erledigen.

Um es gleich auf den Punkt zu bringen, Go To Prison ist mit Abstand das Aufregendste was ich in der jüngeren Vergangenheit gehört habe. Denn diese Scheibe hat einfach alles was eine Hardcore- / Punkrockscheibe haben muss. Schnell, rau, angepisst und wild. Dabei ungemein spritzig und lebendig. Gepaart mit feinen melodischen Parts und groovigen Breaks ergibt sich ein unglaublich eingängiger Mix aus frühen 80er Hardcore, der mich vor allem an die ersten Alben der Descendents erinnert, und melodischen Punkrock der Neunziger. OK, das mag man schon oft gehört haben. Doch nur wenige Bands treten derart mitreißend und charmant Türen und Fenster ein wie die Pears.

Warum das so ist zeigt gleich der Opener You’re Boring. Langeweile? Nicht in den nächsten 49 Sekunden. Man rast in einem solch irrwitzigen Tempo durch den Song, dass man nicht einmal einen Gedanken an so etwas wie Langeweile verschwenden kann. Victim To Be rast zunächst einfach weiter gerade aus. Dann der plötzliche Richtungswechsel. Sänger Zach Quinn schaut mal kurz bei den großartigen Propagandhi vorbei, die anderen drei Jungs beschäftigen sich derweil damit ihren Instrumenten die ersten feinen Melodien zu entlocken. Doch dieser Ausflug ist nur von kurzer Dauer. Es folgt ein gewaltiger Wutanfall, der auch in jeden Black Flack Song gepasst hätte, und schon befindet man sich wieder auf Kurs, nämlich mit viel Tempo geradeaus. Klingt chaotisch. Ist es auch. Aber bei weitem kein Flickenteppich diverser Einflüsse. Nein, alle Einzelteile setzen sich zu einer harmonischen Nummer zusammen. Das passt und macht einfach nur Spaß.

Breakfast brettert dann wieder ohne Umwege durch die frühen Morgenstunden. Stellt in nur wenigen Augenblicken das Frühstück auf den Tisch und räumt das ebenso schnell wieder ab, während man noch über die First-4-EPs von OFF! nachdenkt. Was für ein Start in den Tag. Frisch gestärkt verwüstet Sycophant daher erst einmal des French Quarter von News Orleans. Dabei wird man das Gefühl nicht los, Milo von den Descendents hat vor über dreißig Jahren dazu eingeladen. Forever Sad zeigt nach dieser Verwüstung dann auch die dunkle, pessimistische Seite der Pears. „Lying, dying, such a drag. Wasted feeling forever sad.“ Zurück bleibt aber auch nichts als ein weiterer Scherbenhaufen.

Framework und vor allem Grimespree sind die einzigen Stücke, die ein wenig aus Reihe tanzen. Dies natürlich im positiven Sinne. In schnellen wie auch langsameren Schritten jagt man mit viel Groove und einigen harten Breaks durch die Gassen der Heimatstadt. Zach Quinn klingt dabei noch eine Spur angepisster, was daran liegen mag, dass er kurzerhand die Seele aus dem Leibe schreit. Mein Favorit ist schließlich Terrible, das neben coolen Background Vocals, die sich mit Zach Quinn ein heißes Duell liefern, einfach ein verdammt guter Tritt in den Hintern ist. So liebe ich Punkrock. Und schließlich wissen die Jungs auch in Chucks, zerrissenen Jeans und schwarzen Lederjacken zu überzeugen, denn mit Judy Is A Punk gibt es noch einen Ramones Coversong der guten Sorte.

Die Pears haben gleich mit Ihrem ersten Full-Length Album mächtig Fahrt aufgenommen. Ich bin schon jetzt gespannt wo die Reise hingeht. Im Hier und Jetzt bleibt festzuhalten, dass Go To Prison eine verflucht gute Scheibe ist. Also, tu‘ Dir daher selbst einen Gefallen und besorg‘ Dir dieses Album. Alles andere wirst Du später bereuen.

Pears – Go To Prison

VÖ: 20.Februar 2014
Label: Gunner Records

Tracklist;
01. You’r Boring
02. Victim To Be
03. Breakfast
04. Sycophant
05. Forever Sad
06. Framework
07. Terrible
08. Judy Is A Punk
09. Little Bags
10. Grimespree

Hinweis: Das Bildmaterial und ein Promoexemplar von Go To Prison wurden mir freundlicherweise von Gunner Records zur Verfügung gestellt.