reinhören: brutal youth – stay honest

Brutal Youth - Stay Honest (Cover)Erstaunlich. Eine junge Band aus Kanada ist bereits seit 2010 aktiv. Hat auf der anderen Seite des Planeten bereits zwei Alben veröffentlicht. Die Kritiken waren durchweg positiv und was ist hier passiert? Nichts. Machen wir aus dem „erstaunlich“ daher ein „sehr ärgerlich“. Die Rede ist von Brutal Youth aus Toronto. Deren zweitens Album Stay Honest ist nun endlich auch hier in Europa erschienen. Und das war auch längst überfällig. Danke Gunner Records.

Auf charmante Art und Weise brettern Brutal Youth in weniger als 23 Minuten durch die letzten dreißig Jahre und schenken uns eine packende Mischung aus Hardcore und Punkrock. Auf der einen Seite gibt es Songs, die stark an Kid Dynamite; Liftime und Paint it Black erinnern. Ein flottes Tempo, jede Menge Melodien, Backgroundvocals und Woah-Ohs an allen Ecken und Kanten. Die Songs sind unglaublich eingängig, bleiben direkt im Ohr hängen. Auf der anderen Seite denkt man gleich an Fat Wreck Bands der frühen Stunde. Die großartigen Propagandhi in ihren ersten Jahren sind ein gutes Beispiel. Immer angepisst, mal wütend nach vorne, dann mal rockig und, klar, auch hier, feine Melodien in den richtigen Momenten.

Genau die klingen meist gar nicht so fröhlich, sondern verleihen den meisten Songs einen leicht melancholischen Touch. Das steht den Songs zwar äußerst gut. Doch es besteht absolut kein Grund zur Sorge, denn allen Songs wohnt eine positive Attitüde inne. „Vielleicht ist gerade alles Scheiße. Was soll’s. Machen wir das Beste draus.“ Genau das verbirgt sich letztendlich dahinter. So bewegt man sich am Anfang der Songs textlich eher auf düsteren Pfaden. Lässt diese dann jedoch im Laufe des Songs – übrigens in zumeist weniger als zwei Minuten – hinter sich und blickt guten Mutes nach vorne.

Hin und wieder trauen sich Brutal Youth dann sogar an ruhige Pop-Töne – die Descendents standen nicht nur hierbei Pate. Das sorgt einerseits für Abwechslung. Langeweile mag schließlich niemand gern. Andererseits wird so aber auch die positive Seite des Albums betont. Die Suche nach Harmonie sticht mehr als nur einmal ins Auge.

Eine Ausnahme ist hier sicherlich XPiss&WineX, das musikalisch zwar an die Gorilla Biscuits erinnert. Textlich jedoch genau die entgegengesetzte Richtung einschlägt und mit (leider häufig anzutreffenden und) gängigen Straight Edge Dogmen aufräumt. OK, nichts gegen Straight Edge. Aber Ian MacKaye hat seinerzeit bewusst keine allgemein gültigen Dogmen gepredigt. Mit nur wenigen Worten bringen es Brutal Youth aus ihrer ganz persönlichen Sichtweise auf den Punkt.

“Don’t drink? Don’t smoke? Don’t Fuck? Won’t spend my life on the defense. I’m proud of all my choices and I’m proud of all my friends. When they’re sober, when they’re drunk I’m by their side no matter what. There’s no fucking moral high ground here. And nobody’s life is any better spent.”

Erstaunlich? Ärgerlich? Ja, dass passt. Doch es ist auch rätselhaft, warum diese Band nicht schon früher in Europa angekommen ist. Wie dem auch sei. Wer auf melodischen Hardcore und frechen Punkrock steht, sollte sich Stay Honest definitiv anhören. Denn diese Scheibe macht einfach Spaß. Und keine Panik, trotz alle der zitierten Bands klingen Brutal Youth nicht wie ein Kopie, sondern unterstreichen mit Stay Honest ihren ganz eigenen Sound.

Brutal Youth – Stay Honest

VÖ: 06.Februar 2015
Label: Gunner Records (Europa)

Trackliste:
01. 53°
02. Boul. Saint-Laurent
03. NL Time
04. Hunting Wabbits
05. 1Lb./Yr.
06. Best Policy
07. Albatross
08. John Hughes Proverbs
09. Orca6050
10. Millenium Falcon
11. Trim the Fat
12. For Pete
13. XPiss&WineX (free)
14. Dwight
15. Embitterment
16. Play Dead
17. Shortcut pt 2
18. Theory of Relativity

Hinweis: das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurden mir freundlicherweise von Gunner Records zur Verfügung gestellt.