Konzertbericht: Red City Radio, Pears, Brutal Youth live in Dortmund

Zwei Bands haben in den ersten Wochen des Jahres für mächtig viel Wirbel in unserem Wohnzimmer gesorgt. Brutal Youth und Pears. Erstgenannte mit Ihrem Europadebüt Stay Honest. Die Pears sogleich mit ihrem Debütalbum Go To Prison. Zwei großartige Scheiben, die kürzlich hier in Europa über Gunner Records veröffentlicht worden sind. Schon nach den ersten kurzen Eindrücken stand fest, beide Bands muss ich unbedingt live sehen. Als hätte die Crew von Gunner Records meinen Wunsch gehört, schickt man beide Bands gemeinsam auf Tour und legt als kleines Sahnehäubchen noch Red City Radio, deren Alben ebenfalls auf Gunner Records veröffentlicht worden sind, oben drauf. Drei Bands, drei Gründe, um nach Dortmund ins FZW zu fahren.

Red City Radio, Pears, Brutal Youth

Dortmund, FZW – 24.02.2015

Brutal Youth standen als erste Band auf der Bühne und bereits nach dem ersten Song war klar, dass hier wird ein guter Abend. Sänger humpelte mit Beinschiene über die Bühne, sprang dennoch wild umher, sank des Öfteren mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden und hatte sichtlich Probleme wieder aufzustehen. Warum tut er sich das an? Diese Frage kann wohl nur er selbst beantworten. Vielleicht gehört dieser Aspekt – nur 100% zählen, egal was der Körper sagt – zu seiner Philosophie von Punk. Der Auftritte von Brutal Youth war das auf jeden Fall. Eine fette und wilde Punkrockshow. Dazu gehörte leider auch ein mieser Sound. Und der war mitunter richtig mies. So gingen vor allem die sonst so melodischen Parts teilweise komplett unter. Egal. Die Show war einfach großartig und die Songs brettern live noch dynamischer aus den Boxen als auf Platte. Ja, das macht Spaß. Lediglich mit dem Typ am Mischpult sollte man mal ein ernstes Wort wechseln.

Kurze Umbaupause. Dann die Pears aus New Orleans. Unglaublich. Die Jungs schaffen es tatsächlich, den Auftritt von Brutal Youth noch zu toppen. Der Sound ist nun wesentlicher besser und was Sänger Zach Quinn da auf der Bühne zelebriert ist einfach eine Klasse für sich. Spontan fallen mir da nur Patrick Kindlon und Jacob Bannon ein, die ähnlich extrovertiert über die Bühne fegen. Gleich von Beginn an mit freien Oberkörper – Zach Quinn besteht übrigens nur aus Knochen, Sehnen und Muskeln, so zumindest der äußere Schein – betont er jede Silbe mit seinem ganzen Körper. Ob stehend, springend, liegend, kniend, auf der Bühne, vor der Bühne. Zach Quinn ist ein Energiebündel, das pausenlos explodiert. Das ist einfach atemberaubend. Bevor ich es vergesse. Die anderen drei Jungs leisten natürlich nicht weniger gute Arbeit. Hier entfacht jeder Song seine volle Wucht. Jeder Song ist ein heftiger Schlag, ist ein dreckiger Treffer mitten ins Gesicht. Genauso liebe ich Punkrocksongs. Genauso liebe ich Punkrockshows.

Wenig später stehen auch schon Red City Radio auf der Bühne. Die Jungs sind ja scheinbar pausenlos auf Tour, die Bühne schon fast ein zweites Zuhause. Man könnte meinen die Jungs leben genau für diese Abende. Für diese Momente. Und genau das zeigen Garrett Dale, Ryan Donovan, Jonathan Knight und Dallas Tidwell an diesem Abend. Ich verzichte bewusst auf einen Vergleich mit den Pears und Brutal Youth, denn das wäre alles andere als fair. Schließlich trennen diese Bands Welten. Wobei diese Tatsache recht eindrucksvoll zeigt wie vielschichtig Punkrock geworden ist. Doch lassen wir das. Red City Radio sind live ein Garant für einen tollen Abend. Hitverdächte Songs ohne Ende laden zum Mitsingen und Mitschreien ein. Ganz abgesehen davon scheint der Großteil des Publikums eh jeden Song in Gänze mitsingen zu können. Kein Wunder. Viel eingängiger als Red City Radio kann man Songs nicht schreiben. Stillhalten ist übrigens nahezu unmöglich. Vielmehr bewegt man sich – auf der Stelle oder auch feiernd vor der Bühne – fast unbemerkt von ganz allein. Spaß auf der Bühne. Spaß vor der Bühne. Was will man mehr? Nein, man will genau das. Punkt.

Drei großartige Bands. Ein großartiger Punkrockabend. Danke Gunner Records. Red City Radio kommen übrigens im Juli wieder auf Tour. Dann mit neuer Scheibe im Gepäck. Freuen wir uns also schon jetzt.