reinhören: napalm death – apex predator–easy meat

Napalm Death - Apex Predator (Cover)Napalm Death gehören seit vielen Jahren zu den Bands, die mich live immer wieder umhauen, weil sie mir immer wieder aufs Neue den Kopf abreißen und mich in den Wahnsinn treiben. Darüber hinaus ist jede Show ein Erlebnis der besonderen Art: beeindruckend, intensiv und emotional aufwühlend zugleich. Doch eine Sache macht Napalm Death so besonders: mit ihren Alben schaffen die Jungs aus Birmingham das auch. Und genau das ist eher eine Seltenheit. Das neue Album Apex Predator–Easy Meat ist da nicht anders. Es macht mich wahnsinnig.

Es beginnt mit einem bedrohlichen Intro. Eher ungewöhnlich, aber Napalm Death sind schließlich alle andere als gewöhnlich. Das liegt schon schwer im Magen. Ist nur leicht zu verdauen. Als wenn das noch nicht reichen würde, folgt gleich im Anschluss mit Smash A Single Digit ein schonungsloser Schlag in die Magengrube. Der Körper krümmt sich. Alles dreht sich. Der Höllentrip beginnt.

Und der ist wirr, chaotisch, verrückt. Ein Hin und Her zwischen brutalen Grindcore-Attacken und schweren Death-Metal-Brocken. Vertrackt, schräg, disharmonisch bis an die Schmerzgrenze. Und doch so eingängig. Das ist rabiat, destruktiv, fies und ungemein gefährlich. Man hat stets das Gefühl, dass hier gleich alles explodiert. Die Realität sieht jedoch andres aus. Schließlich eskaliert und explodiert hier seit dem ersten Akkord einfach alles. Das ist extrem, brutal und unglaublich wuchtig. Das ist derart laut und krachig, dass es schmerzt. Ein wahrlich wohltuender Schmerz. In jeder verdammten Sekunde. Das ist der vertonte Wahnsinn. Oh, wie ich das liebe.

Und das ist kreativ. Das ist abwechslungsreich. Sei es das besagte Intro. Sei es das bedrohlich „langsam“ daher stampfende und düstere Dear Slum Landford. Der chorale Refrain in Hierachies. Der grandiose Schlagabtausch zwischen Barney und Mitch in Beyond The Pale. Oder das überaus persönliche How The Years Condem. Napalm Death wissen immer wieder zu überraschen und geben jeden Song ein ganz spezielles Etwas.

Doch das ist bei Weiten noch nicht alles. Napalm Death nehmen wie gewohnt kein Blatt vor den Mund und beziehen mehr als deutlich Stellung zu dem Mist, der auf diesem Planeten abläuft. So thematisiert schon der Albumtitel – inspiriert vom Fabrikeinsturz in Bangladesch mit über 1100 Toten im Jahr 2013 – die Auswüchse in unseren Gesellschaftshierarchien. Apex Predator – gierige Firmenbosse. Easy Meat – arme Arbeiterinnen ohne Rechte. Gnadenlose Ausbeutung in Form moderner Sklaverei. Ein menschlicher Albtraum. Insgesamt ist dieses Album die perfekte Kombination von extremer und kompromissloser Musik auf der einen, und überaus intelligenten Inhalt auf der anderen Seite.

All das macht Apex Predator–Easy Meat zu einem großartigen Album. Das ist zwar unglaublich anstrengend, ja zermürbent. Doch es macht auch süchtig. Es fordert. Genau so muss es sein.

Napalm Death – Apex Predator–Easy Meat

VÖ 23. Januar 2015
Label: Century Media

Tracklist:
01. Apex Predator – Easy Meat
02. Smash A Single Digit
03. Metaphorically Screw You
04. How The Years Condemn
05. Stubborn Stains
06. Timeless Flogging
07. Dear Slum Landlord…
08. Cesspits
09. Bloodless Coup
10. Beyond The Pale
11. Stunt Your Growth
12. Hierarchies
13. One-Eyed
14. Adversarial / Copulating Snakes

Bonustracks (CD Mediabook)
a. What Is Past Is Prologue
b. Oh So Pseudo
c. Clouds Of Cancer / Victims Of Ignorance

Bonustracks (LP und MC)
a. Critical Gluttonous Mass