review: the moth – and then rise

The Moth - And Then Rise (Frontcover)Mit ihrem Debutalbum They Fall (Review) haben sich The Moth in einen tiefen Abgrund gestürzt. Dort haben Sie sich über ein Jahr lang in einem beklemmenden und schweren Gebräu aus Sludge, Doom und Metal gesuhlt. Nun kriechen The Moth – einer pechschwarzen erdrückenden Masse gleich – langsam wieder aus diesem Abgrund hervor, um diesen verfluchten Planeten mit ihrem zweiten Album And Then Rise erneut in ein düsteres Gewand zu kleiden.

Auf dem ersten Blick hat sich im Vergleich zum Vorgängeralbum gar nicht viel geändert. Die Songs sind weiterhin recht simpel gestrickt und wirken teilweise nicht hundertprozentig ausgearbeitet. Tatsächlich habe ich das Gefühl, als wäre dieses Album lediglich eine erste Rohfassung. Doch irgendwie sollte es auch genau so klingen. Genau das verleiht diesem Album einen unglaublichen Charme, dem man nicht entkommen kann, ja gar nicht will. Da ist zum einem diese extrem schaurige, bisweilen gespenstische Atmosphäre, die jede noch so tief vergrabenden Ängste weckt. Zum anderen dieser faszinierend in dunkle Farben gemalte Hintergrund, der auf seltsam monotone Weise hypnotisierend wirkt. In diesem Bann gefangen schlagen von allen Seiten brachiale Doom-Riffs auf mich ein, während mich wilde Sludge-Parts fesseln und gnadenlos zu Boden ziehen. Raue metallische Gitarrensoli tun ihr Übriges und fressen sich wie diese schweren Basslinien ganz tief in meinem Kopf. Das schmerzt. Und dennoch will ich mehr. Über all dem schwebt ein fetter grooviger Sound, der absolut keine Gefangenen macht. Es ist hoffnungslos. Aus diesem mitreißenden Seelentrip gibt es kein Entkommen.

Genau das habe ich auch gar nicht vor. Schließlich ist das Spiel mit unterschiedlichen Stimmungen verdammt aufregend. Ob aggressiv, melancholisch oder verstört, das klingt erschreckend real. Ist wahrlich beängstigend, weil emotional zerstörend und im Vergleich zu They Fall wesentlich gezielter auf den Punkt gebracht. Geblieben ist auch der zweistimmige Gesang. Der Kampf an den Vocals zwischen Cécile und Freden geht munter weiter, bleibt bedrohlich und immer noch großartig. Für den Moment scheint Cécile diesen jedoch für sich entschieden zu haben (Battle Is Over), da ihre Stimme in den meisten Songs den prägenden Part übernimmt. Das gefällt. Dann ist da noch dieses Hin und Her – nun noch effektvoller – zwischen treibenden Midtempo- und diesen zähen, vor sich hin siechenden, langsamen Parts (Slowly To Die), die ordentlich aufs Gemüt drücken. Ich merke, wie nun auch ich mich langsam auf einen dieser Abgründe zu bewege. Nach Fire + Pressure Of Time lasse ich mich schließlich fallen.

Ein verdammt schwarzes Biest von Album. So mag ich das.

The Moth – And Then Rise

VÖ: 04. April 2015
Label: This Charming Man Records

Tracklist:
01. Awaiting
02. Travel Light
03. Fade Away
04. Battle Is Over
05. To Rise (in vino veritas)
06. Last Times
07. Slowly To Die
08. Seek And Burn
09. Fire + Pressure Of Time

The Moth - Bandpicture

Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurden mir freundlicher Weise von The Moth und Backstage Broadcast zur Verfügung gestellt.