Konzertbericht: Adam Angst live in Oberhausen

Nun ist es doch passiert. Ein Konzertbesuch und am Ende stand am Ausgang „Bitte schnell wieder vergessen“. So geschehen am 20. März im Oberhausener Druckluft. Aber der Reihe nach. Lange habe ich überlegt, ob ich mir die Show von Adam Angst wirklich ansehen soll. Schließlich hat deren Sänger zuvor bei Frau Potz und vor allem bei Escapado ins Mikro geschrien. Allerdings war ich doch etwas misstrauisch ob der Tatsache, dass um diese Band und deren Album ein derartiger Trubel gemacht worden ist. Schließlich war das alles noch Zukunftsmusik. Wobei, das ist ja Mittlerweile eine gut funktionierende Marketingstrategie. Doch hier ging es um ein Debütalbum. Einzige Kostprobe bisher: Ein Video, das auf YouTube und Co. für jede Menge Aufmerksamkeit sorgte. Ob das berechtigt war sei mal dahin gestellt. Textlich sicherlich klasse. Musikalisch sah das dann schon anderes aus. Es fehlen Biss und diese freche Rotzigkeit, die den Texten so eigen ist. Aber irgendwie war ich dann doch neugierig. Neugierig auf diesen vermeintlichen Hype. Zudem kann man für schlappe zehn Euro auch nicht so viel falsch machen. Oder doch?

Adam Angst – Oberhausen / Druckluft – 20.03.2015

Naja, kann man schon. Wie gewohnt bin ich früh da. Schließlich schaue ich mir gerne alle Vorbands an. Wer weiß, vielleicht entdeckt man ja doch die nächste Lieblingsband. Gut, passiert ist das schon lange nicht mehr. Wie dem auch sei, The One aus Kiel werden das definitiv nicht. Gerockt wird auf der Bühne zwar recht ordentlich. Doch das wirkte zu künstlich, zu berechenbar, zu gewöhnlich. Und somit einfach nur langweilig. Sorry, so zumindest mein Empfinden aus unmittelbarer Nähe.

Dann Adam Angst. Sänger Felix Schönfuss stellt Adam Angst als Band vor. Dass dem so ist war mir zwar schon bekannt, wirkt aber doch befremdlich. Warum blickt mir von sämtlichen Plakaten eigentlich nur Felix Schönfuss entgegen? Das suggeriert schon eher das Gegenteil. Naja, das kann natürlich auch am Bandnamen liegen. Los geht’s und ich vertage das weitere Nachdenken auf später. Der Sound ist wuchtig und vor allem laut. Sehr laut. Die Stimme von Felix Schönfuss geht so etwas unter. Trotzdem sind die Texte, vorgetragen durch seine nach wie vor unverkennbare Stimme, noch recht gut zu verstehen. Die sind wie erwartet (mit wenigen Ausnahmen) richtig gut. Ja, das höre ich mir gerne an. Allerdings frage ich mich auch, wie man einen Nazi am Geruch erkennen kann. Während ich versuche mir die Duftnote eines Nazis vorzustellen – entscheiden kann ich mich heute Abend nicht, doch vielleicht frage ich bei Gelegenheit mal freundlich, ob ich mal schnuppern darf –  muss ich feststellen, dass Adam Angst außer den Texten nicht sonderlich viel zu bieten haben. Wie war das mit dem Hype? Die Musik lebt hier von Lautstärke und Wucht. Der Rest zieht recht unauffällig an mir vorbei. Sogleich muss ich an The One denken. Schade eigentlich, denn hin und wieder flackert das Potenzial der Band doch auf. Hier geht sicherlich mehr. Irgendwo habe ich gelesen, dass sei Deutschpunk ohne Punk sein. Wenn man sich weit aus dem Fenster lehnt, könnte man geneigt sein dem zuzustimmen. Den Punk finde ich auf jeden Fall nicht. Muss ich ja auch nicht. Textlich provokant, mit einer feinen Portion Sarkasmus. Das gefällt. Musikalisch eher Rock, der nur nicht wirklich rockt. Das gefällt dann nicht. So wie der Auftritt an diesem Abend. Denn der wirkte ziemlich inszeniert. Spätestens als die beiden Gitarristen bei der Zugabe die Tresen stürmen befinde ich mich in Mitten einer lustigen Rockshow. Nur zum Lachen ist mir nicht. Aber gut, die nächste TV-Show wartet sicherlich schon.

Während ich das Treiben auf der Bühne verfolge, muss ich jedoch feststellen, dass ich mit dieser Meinung eher in der Minderheit bin. Denn der Großteil der Besucher*Innen hat eine Menge Spaß, bewegt sich ordentlich und kann sogar die meisten Texte mitschreien. Das will was heißen, schließlich ist die aktuelle Platte noch gar nicht so lange draußen.

Nach einer kurzen Zugabe ist dann Schluss. Ein Blick auf die Uhr. Lang hat es nicht gedauert. Gut, die einzige Platte wurde durchgespielt. Mehr geht eben nicht.

Ich selbst bin um eine Erfahrung reicher und habe an diesem Abend keine neue Lieblingsband entdeckt.