Konzertbericht: Fiducia Fest 2015

Anfang April ging das Fiducia Fest im AZ Mülheim in die dritte Runde. Zu ungewohnt früher Stunde – in der Regel geht es im AZ Mülheim ja erst recht spät los und natürlich weiß man nie so genau wann es tatsächlich losgeht – spielten am Sonntag und somit zweiten Tag des Fiducia Fest insgesamt sechs Bands in der kleinen AZ-Kammer. Pünktlich (!) um halb sieben eröffneten Ancst das Fiducia Fest an diesem Abend. Genau das Richtige für einen Ostersonntag. Zwei Sänger schreien vor der Bühne den Zuschauern mitten ins Gesicht. Auf der Bühne stehen lediglich die Jungs an den Saiten. Den Rest erledigt ein Drumcomputer, was immer wieder etwas seltsam wirkt. Doch was soll’s. Ancst fegen erst einmal alles weg. Ja tatsächlich fühle ich mich während des gesamten Sets gegen eine Wand gedrückt, von der ich bis zum Schluss nicht mehr los komme. Argh, was für ein Trip. Und zudem ein Wahnsinnseinstieg in diesen Abend.

Cassus gehen anschließend weniger brachial zu Werke. Dafür jedoch wild, wüst und abgefahren. Hier wird das Chaos zelebriert, das jedoch nach ein paar Songs an Spannung verliert. Die Songs schlagen zwar immer wieder neue Richtungen ein und klingen für sich genommen sehr gut. Auffällig ist hingegen, dass jeder Song sich auf den Wegen seines Vorgängers bewegt. Diese stetigen Wiederholungen verlieren dann doch an Reiz. Aber gut, aufgrund des kurzen Sets ist das eher nebensächlich. Da ich diese chaotischen und disharmonischen Klänge gerne mag, passt das.

Ob ich den folgenden Auftritt von Republic Of Dreams wirklich ernst nehmen soll, weiß ich bis heute nicht. Auf der Homepage war was über eine All-Star Band zu lesen. Das mag sein. Doch hier trafen sich die Jungs wohl zur ersten Probe, bei der ein jeder seinen Teil und seine Ideen besteuern sollte und wollte. Das klang dann sehr bruchstückhaft und absolut nicht stimmig. Die drei Jungs nahmen das offenbar mit Humor. Ok, mehr als ein Schmunzeln meinerseits war dann auch nicht drin.

Im Gegensatz dazu dann The Tidal Sleep. Für mich einer der Bands der letzten Monate. Warum das so ist, zeigten die fünf Jungs dann in der nächsten halben Stunde. Gleich der erste Song schafft diese ungemein dichte Atmosphäre, die mich wie auch auf den bisherigen Alben in ihren Bann zieht. Keine Ahnung warum, aber irgendwie schaffen die Jungs das immer wieder. Nicht weiter drüber nachdenken. Genau diese Wirkung sollte Musik schließlich haben. Das Set ist an diesem Abend extrem krachig, was zum einen am wuchtigen Sound liegt und zum anderen an der Songauswahl. Die etwas ruhigen Songs spielen heute eine eher untergeordnete Rolle. Dafür gibt es bereits einen ersten Song von der kommenden Split EP mit Orbit The Earth (Review). Dieser passt perfekt ins Set, macht er doch da weiter wo Vorstellungskraft (Review) im letzten Jahr aufgehört hat. Großartig. Wie auch dieser Auftritt.

Children Of God schlugen anschließend ganz andere Töne an. Derber dunkler Hardcore, der mit solch einer Aggressivität aus den Boxen dröhnt, dass der Boden bebt. Zunächst gefällt mir dieser Sound und auch die fiese Stimme richtig gut. Doch auf Dauer wirkt das zu wenig abwechslungsreich, ja trotz des kurzen Sets zu monoton und somit insgesamt recht langweilig. Sorry, damit konnte ich mich dann doch nicht anfreunden.

Jungbluth hingegen packen mich mit dem ersten Song. Es fällt mir schwer für die nächste halbe Stunde Worte zu finden. Daher lasse ich Jungbluth einfach für sich selbst sprechen, denn das war einer dieser unglaublichen Momente „These Rare Moments“, die man so schnell nicht wieder vergisst. „Aber wenn sich alles richtig anfühlt / Ungeahnt, was es zu verlieren gibt / Trotzdem doch eins gelernt: „Das ist große Scheiße“ – Schreien macht zusammen doch mehr Sinn“. Punkt.

Um halb zwölf war dann Schluss. Tatsächlich ein frühes Ende. Oft fangen Konzerte im AZ Mülheim um diese Zeit erst an. Wie dem auch sei. Wie auch in der Vergangenheit ein prima Festival mit vielen guten Bands zu einem überaus fairen Preis („Pay what you want“, in diesem Falle sieben Euro oder mehr). Zudem ohne Blitzlichtgewitter während der einzelnen Auftritte, denn Kameras waren hier nicht erwünscht. Gut so.