reinhören: red city radio – s/t

Red City Radio - Selftitled (Cover)Mit Album Nummer drei haben es Red City Radio nun also auch gemacht, ein Album ohne Titel veröffentlicht. Nach The Dangers Of Standing Still und Titles trägt das neue Album nun den selbstbewussten Namen Red City Radio oder eben s/t. Fehlt es plötzlich an Ideen? Oder sind die Jungs gar müde geworden? Lassen wir die Plattennadel fallen und gehen auf Spurensuche.

Zunächst einmal klingt diese Scheibe, ja, wie ein Red City Radio Album eben. Denn auch dieses Album ist wie gemacht für eine große schweißtreibende Punkrockparty. Jeder Song hat zumindest den einen hymnenhaften Part. Lädt zum Mitsingen ein, bietet Platz für große Umarmungen und kochende Emotionen. Für große Gesten und schweißnasse Holzfällerhemden waren Red City Radio schon immer ein Garant. Live funktioniert das sicherlich immer noch alles wie gehabt. Doch irgendwie kann ich mir nicht helfen. Was live funktionieren mag, hapert auf Platte doch an vielen, ja an sehr vielen Stellen. Im Vergleich zu den Vorgängern fehlt es diesem Album vor allem an eins: an Hits. War The Dangers Of Standing Still noch voll davon, fehlt es Red City Radio genau daran. Zudem klingen die Songs insgesamt zu ähnlich. Tatsächlich habe ich das Gefühl, der Opener Whatcha Got? läuft in einer Endlosschleife. Wie war das mit den fehlenden Ideen? Aus dieser Monotonie fallen lediglich ein mitreißendes Electricity und das vorab als Single veröffentlichte In The Meantime. Eigentlich sollte man den Titel des ersten Albums nicht zu wörtlich nehmen. Doch genau der trifft es recht gut, denn Red City Radio haben die selbst benannte Gefahr offenbar selbst unterschätzt. Das liegt zum einem an zu wenig Abwechslung und an fehlender Spritzigkeit. Wie war das mit der Müdigkeit? Zum anderem haben Red City Radio den Weggang von Paul Pendley nicht wirklich kompensieren können. Ryan Donovan macht seine Sache als zeitweise zweiter Sänger eigentlich richtig gut. Doch leider liegen er und Garret Dale stimmlich zu nah bei einander. Das ehemals so kontrastreiche gesangliche Wechselspiel von Garret Dale und Paul Pendley vermisse ich hier schmerzlich.

So ist dieses Album nicht der ganz große Wurf geworden. Aber trotz all der Kritik ist Red City Radio dennoch ein gutes Punkrockalbum. Daher sollte man auf jeden Fall in dieses Album reinhören. Schließlich will man ja auf den nächsten Konzerten wieder mitsingen, sich umarmen… Doch aus der großen Masse sticht diese Scheibe nicht mehr so hervor wie noch seine beiden Vorgänger. Das bleibt dann leider auch zurück. Doch vielleicht haben mich Red City Radio bisher auch einfach zu sehr verwöhnt und meine Erwartungshaltung, welche die Jungs allerdings auch ziemlich angeheizt haben, war schlicht zu hoch.

Bleibt zu hoffen, dass die vier sympathischen Jungs aus Oklahoma auf Tour – da fühlen sie sich offenbar am wohlsten – ausreichend Kraft, Stoff und vor allem Ideen für ein weiteres großes Album finden werden. Und live höre ich mir die neuen Songs auch definitiv immer gerne an.

Red City Radio – s/t

VÖ: 24.04.2015
Label: Gunner Records / Staple Records

Tracklist:
1. Whatcha Got?
2. Rest Easy
3. Stranger
4. Two Out of Three Ain’t Rad
5. Electricity
6. Let Me In
7. Pretend Kings
8. I Should Have Known
9. In the Meantime…
10. …I’ll Catch A Ride

Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurden mir freundlicherweise von Gunner Records zur Verfügung gestellt.