reinhören: beach slang – broken thrills

Beach Slang - Broken Thrills (Cover)Tja, so ist das manchmal. Während in Philadelphia schon seit einigen Monaten prächtig gefeiert wird, trifft man hierzulande nur mit etwas Glück, dem Internet sei Dank, auf eben jene Woge der Begeisterung, die sich um die ersten EPs von Beach Slang ranken. In den USA mit vielen guten Kritiken geadelt, waren beiden Scheiben in Europa so gut wie gar nicht erhältlich. Dieses kleine Ärgernis hat sich nun jedoch in Luft aufgelöst. Denn das Europa-Debüt von Beach Slang vereint die beiden EPs Cheap Thrills On A Dead End Street und Who Would Ever Want Something So Broken? auf einer Scheibe. Kein wirklich neues Material also. Doch dafür sind die acht Stücke wahrlich großartig und eine Neuauflage daher mehr als erfreulich.

Dabei fällt es gar nicht leicht Broken Thrills so richtig einzuordnen. Treffen sich hier doch Punkrock, Indie, Shoegaze und Rock’n’Roll zum großen Klassentreffen. Und das lässt schon nach kurzer Kostprobe erahnen, dass man hier etwas Großes erwarten kann. Auf der einen Seite zeigen Beach Slang deutlich ihre Liebe zum Punkrock, der es gerne eine Spur leiser und vor allem melodiös mag. Auf der anderen Seite packen die Jungs ihre Instrumente auch nicht mit Samthandschuhen an. Nein, es wird auch ordentlich gerockt und geschrammelt – schließlich gilt „This guitar wants to die“ (aus Filthy Luck). Zudem sorgt ein rauer Touch für melancholische Momente, die sich vor druckvollen und treibenden Gitarren auch gerne mal emotional aufbauschen, ohne dabei auch nur ansatzweise aufdringlich zu wirken.

Vor diesem Hintergrund verzeihe ich auch mal eher fragwürdige Songtitel wie American Girls And French Kisses. Doch nehmen wir es mit einer Prise Humor und lauschen den lässigen Klängen, die uns aus den Boxen charmant umarmen. Schnell ist auch die recht kurze Spielzeit von unter 30 Minuten vergessen. Denn die Jungs um Sänger James Alex packen in wenige Minuten große Songs, die mit noch größeren Momenten und feinen Melodien um sich schmeißen. Die bisweilen herzergreifen Texte über jugendliche Unbekümmertheit, Sehnsucht, Liebe und die großen Unbekannten im Leben klingen dann zwar nachdenklich. Mit gekonnter Lässigkeit und Coolness schiebt man Traurigkeit und auch ein Spur weit das Ungewisse einfach beiseite, zündet sich eine dieser Dirty Cigarettes an, legt die nächste Platte auf und genießt die Ruhe und das Leben. Das ist schließlich alles was man will.

“We got young and, baby, we did it right.” (aus We Are Nothing). Mit diesem Album – den beiden EPs – haben Beach Slang alles richtig gemacht. Feine Sache. Punkt.

Beach Slang – Broken Thrills

VÖ: 01. Mai 2015
Label: Big Scary Monsters

Tracklist:
01. Filthy Luck
02. Kids
03. Get Lost
04. Punk Or Lust
05. All Fuzzed Out
06. Dirty Cigarettes
07. American Girls And French Kisses
08. We Are Nothing

Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurden mir freundlicherweise von Backstage Broadcast zur Verfügung gestellt.