gut versorgt mit Kalzium und einer Prise Humor dank Kaufland

Jeden Sonntag, pünktlich zum Einkaufswahnsinn der anstehenden Woche, flattert das Kaufland-Werbeprospekt in unseren Briefkasten. Nach einem wohlgemeinten Tipp, dass sich in diesem bunten Blättern auch die einen oder anderen netten Dinge für vegan lebende Menschen verstecken, riskiere auch ich hin und wieder einen Blick in dieses Prospekt. Wobei ich die ersten Seiten bewusst übergehe, da mir hier in der Regel die üblichen Wurst- und Fleischtheken der Kauflandfilialen begegnen. Weiter hinten wird es dann spannend. Zumindest manchmal. Kaufland hat zwar die Zeichen der Zeit erkannt und hat mittlerweile ein recht gutes veganes Sortiment im Angebot. Doch übertreiben mag man es dann auch nicht. Naja, wie war das mit den kleinen Schritten? So können wir uns in regelmäßigen Abständen über neue Produkte, Angebote und sogar leckere rein pflanzliche Rezepte freuen.

Vor ein paar Wochen gab es dann sogar ein einseitiges (hier bezogen auf den Umfang) Kalziumspezial. Das begann auch tatsächlich mit einer überaus positiven Einleitung. Nach einer kurzen Erklärung, warum unser Körper Kalzium benötigt und dem berechtigten Hinweis, dass wir jederzeit ausreichende Mengen Kalzium über die Nahrung zuführen müssen, folgte der interessante Teil. Wie so oft werden Milch und Milchprodukte als Hauptlieferanten genannt. Das kennt man ja. Dann jedoch der erfreuliche Satz, dass es auch für Veganer*Innen und laktoseintolerante Menschen eine Vielzahl an kalziumreichen Alternativen gibt. Genau das liest man im DGE-Land nicht besonders häufig. Insbesondere das Wort „Vielzahl“ ist eine große Ausnahme.

So weit so gut und erfreulich. Es werden dann auch einige kalziumreiche pflanzliche Lebensmittel wie Mandeln (125mg Kalzium je 50g), Kichererbsen (124g Kalzium je 100g), Tofu (100g Kalzium je 100g), Mohn (240g Kalzium je 1EL) und Sesam (145g Kalzium je 1EL) sowie kalziumreiche Mineralwässer genannt, die allesamt bei Kaufland (zumindest hier bei uns in Duisburg) erhältlich sind. Allerdings fehlen wichtige Lebensmittel, die viele Veganer*Innen schätzen und die ebenfalls in recht guter Auswahl bei Kaufland erhältlich sind. Darunter einzelne kalziumreiche Gemüsesorten. Vor allem aber angereicherte Pflanzendrinks, Sojajoghurts, Sojadessert und sogar angereicherter Fruchtsaft.

vegan und gut versorgt

An dieser Stelle hätte ich gesagt „OK, das war zumindest ein guter Anfang.“ Doch es folgt leider noch eine Übersicht mit der feinen Überschrift „…wo stecken 1.000mg Kalzium drin?“ (Anmerkung: 1.000mg Kalzium pro Tag sind die Empfehlung der DGE). Dann geht es auf in die Weit gängiger Klischees. Ja, mit Milch und Milchprodukte kann man den täglichen Kalziumbedarf decken. Das mag ich nicht Abrede stellen. Und es macht auch an dieser Stelle keinen Sinn über die gesundheitliche Bedeutung von diesen Produkten (Fettgehalt in Käse,…) zu sprechen. Nein, wichtig ist hier der fiktive vegane Alternativtag, der mich stark an die Märchenwelten erinnert, die ich unserem Sohn jeden Abend vorlese. Aber gut, Pettersson kann schließlich auch mit seinem Kater sprechen und Leo Lausemaus fährt eben gerne Fahrrad. So ist es dann wohl auch üblich, dass Veganer*Innen jeden Tag neun Vollkornbrotscheiben und ein ganzes Kilogramm Kartoffeln (!!!) essen, um 260mg Kalzium aufzunehmen. Und 200g Haferflocken liefern ja immerhin auch 30mg Kalzium. Und und und. Moment, verstehe ich hier was falsch? Die vegane Ernährung führt also doch zu einer erschreckenden Unterversorgung mit Kalzium. Bamm. Ich renn mal eben mit dem Kopf gegen die Wand, um endlich aus meinen veganen Träumen aufzuwachen. Autsch. Das war schmerzhaft. Da gehe ich doch lieber in die Küche und trinke erst einmal ein Glas Sojadrink – übrigens mit Kalzium und bei Kaufland gekauft – und schenke meinem Körper 300mg Kalzium, während ich meinen kugelrunden Bauch streichle, der immer noch mit einem Kilogramm Kartoffeln, neun Scheiben Vollkornbrot und 200g Haferflocken zu kämpfen hat. Das war wohl doch nicht das richtige Frühstück. Gut, morgen gibt es dann wieder mein Standardfrühstück. Haferflocken (haha, tatsächlich), Hirseflocken, Trockenobst, Nüsse, Samen, Obst und Haferdrink. Oder gar mit Sojajoghurt? Schon wieder 300mg Kalzium. Genauso viel liefert mein bunter Salat (ha, das passt ja wieder ins Klischee) mit Tahindressing und Mandelblättchen. Ein Glas Orangesaft (von Amecke mit Kalzium und auch bei Kaufland käuflich erworben) zum Abendessen, das auch etwas Kalzium liefert, und schon wieder zähle ich bis 300. Moment, das waren nun schon 1200mg Kalzium. Dabei habe ich noch keine Snacks, Zwischenmahlzeiten, die Scheibe Brot mit Mandelmus zum Salat oder gar mein Mineralwasser (über 500mg pro Liter) erwähnt. Das wäre ja dann auch zu viel des Guten. Schließlich könnte ja der Verdacht aufkommen ich wäre gut mit Kalzium versorgt. Was sich für einen Menschen, der sich rein pflanzlich ernährt, ja nicht gehört.

Willkommen in bayrischen Märchenwelten

Stellt sich nun die Frage, warum Kaufland das nicht entsprechend berücksichtigt. Schließlich gibt es fast alle aufgeführten Lebensmittel auch bei Kaufland. Doch scheinbar hat sich bei Kaufland noch niemand die Mühe gemacht das eigene Sortiment ausfürhlich unter die Lupe zu nehmen. Genau das könnte man ja mal machen, wenn man das Thema „Kalzium in der Ernährung“ unter das Volk bringt. Oder hält man diesen Schritt etwa noch für zu gewagt? Ein Blick auf das Kleingedruckte bringt etwas Licht ins Dunkel. Die aufgeführten Beispiele stammen nicht etwas aus dem Hause Kaufland, sondern (Achtung, jetzt wird es spaßig) von der Landesvereinigung der Bayrischen Milchwirtschaft e.v. Haha. Was habe ich eigentlich erwartet? Was hat Kaufland hier erwartet? Ein objektives, modernes, aufgeklärtes, offenes Bild über die vegane Ernährung einer Vereinigung der Milchwirtschaft? Na gut. Pettersson kann ja auch mit Kater Findus sprechen und Leo Lausemaus radfahren. Spätestens der Vorschlag der genannten Landesvereinigung, doch bitte jeden Tag neun Scheiben Vollkornbrot und ein Kilogramm Kartoffeln zu essen hätte doch zumindest zum Nachdenken anregen können. Schon dieser Vorschlag allein lässt vermuten, dass die Vertreter*Innen der genannten Landesvereinigung ihren Kopf zu lange in einen Milchtrog gesteckt haben, was letztendlich aufgrund von Sauerstoffmangel zu überaus wirren Denkmustern geführt haben muss. Wobei das nur die harmlose Vermutung ist. Schließlich glaube ich ja an das Gute im Menschen. Und so führe ich die gezielte Lobbyarbeit und Verdrehung der Tatsachen der Landesvereinigung der Bayrischen Milchwirtschaft e.V. auf eben diese geistigen Verwirrungszustände zurück. Schließlich wissen wir doch alle, dass es hier nicht um ein Milliardengeschäft geht. Nein, es geht um unsere Gesundheit. Haha. Und mal ehrlich, es ist ja auch sehr nett, dass die genannte Vereinigung aus dem Süden der Republik ihre Getreide und Kartoffeln anbauenden Kollegen*Innen derart unterstützen will.

Es bleibt die Hoffnung, dass Kaufland etwas gewissenhafter auf die eigenen Publikationen achtet und dass keine Veganer*Innen den bayrischen Vorschlag in die Tat umsetzen. Auf meine freundliche Anfrage bei Kaufland habe ich bisher übrigens noch keine Antwort erhalten.

Wie dem auch sein. Ich blättere eine Seite weiter und freue mich über ein tolles Rezept für einen Nachosalat mit Chili sin Carne. „Feines ohne Fleisch“, so der Slogan. Das passt an dieser Stelle tatsächlich.