Konzertbericht: Napalm Death live in Köln

Bei beinahe tropischen Temperaturen sucht man ja gerne nach einer kleinen Abkühlung. Oder man dreht die Welt kurzerhand auf den Kopf und sucht für ein paar Stunden noch heißere Orte auf, um mit einem müden Lächeln auf die bisherigen heißen Tage zurück zu blicken. Das Napalm Death Konzert im Kölner Underground am vergangenen Sonntag kam da gerade recht.

Napalm Death, Serpent Eater
Köln / Underground – 05.07.2015

Serpent Eater machten an diesem Abend den Anfang und bereits während des ersten Songs war jeder noch so kleiner Gedanke an Sommer und Sonne vergessen. Schließlich hatte sich soeben ein bedrohlicher, schwermütiger und pechschwarzer Klotz auf das Underground gestürzt. Mit ihrem überaus krachigen Gebräu aus Black Metal, langsamen Doomparts und zähen Sluge-Passagen sorgen Serpent Eater trotz der hohen Temperaturen für eine eiskalte Atmosphäre. Tatsächlich fühlte sich jeder Schweißtropfen – davon gab es an diesem Abend reichlich – eiskalt an. Daran ändern auch die zahlreichen melodiösen Momente nichts, denn selbst die rufen eher dunkle als leuchtende Bilder hervor. Der zwischen tiefen Growls und Kreischen wandelnde leicht verzerrte Gesang setzt dem Ganzen schließlich das i-Tüpfelchen auf. Wahrlich nichts für schwache Nerven. Ein überaus düsterer Einstieg in diesen Abend. Vor allem aber ein intensives Kracherlebnis.

Napalm Death bewiesen anschließend einmal mehr, dass es in Puncto Intensität und Brachialität keine musikalischen Grenzen gibt. Sicherlich schütteln die meisten Menschen bei dieser Musik nur entgeistert den Kopf. Doch ich kann mich nur wiederholen, Napalm Death sind live einfach Katharsis pur. Das komplette Set ist ein einziger wuchtiger Orkan durch die komplette Bandgeschichte, der nichts anderes im Sinn hat, als mir pausenlos den Kopf abzureißen. Von Scum bis zum aktuellen Album Apex Predator – Easy Meat. Jeder Song prescht mit einer unglaublichen Power aus den Boxen. Neben alten Klassikern wie Scum, Suffer The Children und dem obligatorischen Dead Kennedys Cover (Nazi Punks Fuck Of) gab es auch eine Reihe Songs vom neuen Album. Ob Smash A Single Digit, How The Years Condemn, Cesspits oder auch das bedrohlich „langsam“ daher stampfende Dear Slum Landlord. Wie schon auf Platte, jeder Song ist ein gewaltiger Schlag in die Magengrube. Genau das Richtige für einen Sonntagabend. Zwischendurch gibt es die gewohnt sozialkritisch Ansagen von Barney Greenway, der wie immer gut gelaunt und äußerst sympathisch das Publikum zum Nachdenken animiert. Einziger Wermutstropfen an diesem Abend ist das erneute Fehlen von Mitch Harris. James Cook steht ihm an der Gitarre zwar an nichts nach. Doch sein unnachahmliches Kreischen vermisse ich dann doch. Dennoch, die Jungs aus Birmingham waren wieder einmal großartig. Eine Zugabe gab es wie üblich nicht. Gut so. Danke für diesen tollen Abend.